Hamburg, meine Perleeee... (© Ana Maria Arevalo )

HSV-Ikone Lotto King Karl: Der König des Stadtparks

Das Volksparkstadion ist sein Wohnzimmer, die Freilichtbühne im Stadtpark mindestens sein Esszimmer. Lotto King Karl spielt mit seiner Band "Die Barmbek Dream Boys" erneut zu Beginn und zum Schluss des Stadtpark Open Airs. ­­Ein Gespräch über eine leidvolle HSV-Liebe, Konzerte als Mannschaftssport und Pflastersteine als Gelenkkiller.

Lotto, schon oft hast du über deinen HSV festgehalten: „Wenn es dem Verein schlecht geht, geht es mir auch schlecht.“ Wie schlecht geht es dir also nach dieser Saison?
Lotto King Karl: Ziemlich schlecht.

Ist so ein Leiden beschreibbar? Zieht sich so was auch durch deinen Alltag?
Total. Ich weiß, das klingt für manche bestimmt total bescheuert, wahrscheinlich müsste ich deswegen auch dringend mal zum Arzt, aber es ist ­­nun mal so. Das Thema „HSV“ und die ­damit verbundenen Launen sind omnipräsent.

Bist du im Alltag auch anfällig für ­Neckereien, oder nimmst du Schadenfreude locker und gelassen?
Ich kriege natürlich ohne Ende Schadenfreude ab, weil ich für viele Leute sehr greifbar bin, was den Fußball des HSV betrifft. Wenn es nach mir ginge, würden wir logischerweise weiter oben mitspielen.

Gut steht es hingegen um deine Konzerte im Stadtpark auf der Freilichtbühne …
… weil meine Band und ich dort keinen Gegner haben (lacht). Allerdings gibt es schon Parallelen zwischen dem Mannschaftssport und unseren Konzerten.

Welche sind das deiner Ansicht nach?
Beide, Mannschaft wie Band, sollten immer mit großer Motivation rausgehen. Und beide haben große Anstrengungen zu bewältigen. Im Stadtpark sind das z. B. die Pflastersteine. Wenn man drei Stunden spielt, geht das echt auf die Gelenke.

Freilichtbühne? Für uns eine Riesenehre, dort spielen zu dürfen.

Was könnt ihr Musiker denn besser als so manche Fußballmannschaft?
Wir vergessen nie, dass wir auf ­einer Bühne stehen, einige Sportler hingegen schon. Und das, obwohl sie Bühnen zur Verfügung haben, die viel besser gepflegt sind als die meisten auf dieser Welt (lacht).

Was ist die größte Stärke eurer Band?
Unser gutes Verhältnis zueinander. Wir freuen uns immer, wenn wir uns sehen und zusammen Musik machen können. Wir haben zudem ein paar Leute, die an ihrem Instrument wirklich Weltklasse sind.

Und die größte Schwäche?
Unser Alter. Wir treffen uns mittlerweile eher morgens um sieben ­beim Sport, als nachts um drei an der Bar (lacht). Wir müssen mit unseren Kräften haushalten. Alter bringt auch Routine mit sich.

Sind die Auftritte auf der Freilichtbühne nach all den Jahren dennoch speziell für euch?
Wenn man an einen Ort kommt, an dem man schon häufig gespielt hat, ist das immer etwas Besonderes. Wir kennen fast jeden, der im Stadtpark ­arbeitet, können uns auf die Gegebenheiten perfekt einstellen, was vieles einfacher macht. Ein echtes Heimspiel also. Schön ist auch, dass wir auf der Freilichtbühne verschiedene Licht­atmosphären haben. Wenn ich mir nach Stadtpark-Konzerten die Bilder davon ansehe, denke ich, es waren drei verschiedene Shows. Es ist einfach eine legendäre Location und für uns weiterhin eine Riesenehre, dort spielen zu dürfen.

(© Karsten Jahnke )

Highlife hinter der Hecke

Die Freilichtbühnen­saison beginnt, und zwar eine, bei der Stars à la Beck und Beth Ditto ihre Shows hinter der berühmten Buchenhecke spielen.

Rasen, Hecke, Pflastersteine: Die Puzzleteile für die Freilichtbühne sind überschaubar, simpel zusammengesetzt und doch so wirkungsvoll. Die legendäre Konzertstätte im Stadtpark zieht die Massen seit Jahrzehnten in ihren Bann, mal ganz abgesehen von den Künstlern, die ebenso begeistert von der Location waren und sind wie ihr Publikum. Leonard Cohen, James Brown, Dave Gahan, Herbert Grönemeyer und Lady Gaga sind hier bereits aufgetreten, standen im Zentrum der saftgrünen, mit 4.000 Besuchern voll bevölkerten Wiese. Keine ­Frage: Die Freilichtbühne ist die Elphi unter den Open-Air-Auftrittsorten. Ein XXL-Rondell der Extraklasse. Einsame Konzerte-im-Grünen-Spitze.

Schon mehrere Saisons auf der Freilichtbühne hinter sich hat Lotto King Karl, Lokalmatador und HSV-Hymnen-Trällerer. Traditionell eröffnet und schließt er die Konzertserie, in diesem Jahr steigen nur Foreigner vor ihm auf die Bühne. Von Mai bis September wird es dann wieder musikalische Schmankerl aus allen denkbaren Genres geben, etwa Konzerte von Schlager-Duracellhäschen Roland Kaiser, Niedeckens Bap, Nena, Ina Müller & Band, Kaleo und, trommel­trommel­trommel, den beiden Superstars des Stadtpark Open Air 2018: Beth Ditto und Beck. Ditto, die mit ihrer Band Gossip zu Weltruhm kam und seit deren Auflösung auch alleine eine starke Show nach der anderen hinlegt sowie im Modegeschäft ordentlich Eindruck macht. Und Beck, der fünf­fache Grammy-Preisträger, der seit Beginn der 1990er Jahre unzählige Musiker mit seinen Songs („Loser“, „Guero“, „Modern Guilt“) beeinflusst hat.

Es ist also angerichtet, das nächste Highlife hinter der Hecke, das gleichzeitig reichlich Möglichkeiten bietet, sich mitten in der Stadt bei gut besuchten Konzerten auch noch zu entspannen, kann beginnen.

Info: www.stadtparkopenair.de
Lotto King Karl und Die Barmbek Dream Boys: 25.5., Freilichtbühne, 18 Uhr; 15.9., Freilichtbühne, 18 Uhr

Autor: Erik Brandt-Höge

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