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Hitzewelle in Hamburg: Die Schattenseiten des Jahrhundert-Sommers

Alle freuen sich über die Sonne? Von wegen. Neben Freibad-Idylle und Urlaubs-Flair hat der Jahrhundert-Sommer in Hamburg einige Probleme heraufbeschworen, die uns noch eine Weile beschäftigen werden.

Die Bäume sind nackig

Bäume spenden uns Sauerstoff, ohne sie sind wir also ziemlich aufgeschmissen. Doch gerade die Stadtbäume haben es nicht leicht: Am Straßenrand kämpfen sie für uns gegen Abgase und Feinstaub – und stoßen seit der Hitzewelle an ihre Grenzen. Vielleicht sind sie euch ja schon aufgefallen, die Platanen, die ihre Borke abwerfen und aussehen wie Nudisten:

Keine Sorge, den Platanen geht es trotzdem gut! Die sind nämlich aus dem Mittelmeer-Raum und können die Hitze verknusen. Anders geht's den heimischen Bäumen: Viele Linden entledigen sich ihres Sommer-Outfits und schlüpfen in die Herbstkollektion, bestehend aus Facetten von vertrocknetem Gelb. Ihre Überlebensstrategie: Verdunstet über die Blätter mehr Wasser als die Wurzeln aufnehmen, entzieht die Linde den Blättern das nährstoffreiche Chlorophyll und wirft sie ab. Weniger Blätter bedeuten weniger Aufnahme von Kohlendioxid. Eichen, Weiden und Pappeln werfen im Notfall ganze Äste ab – das ist nicht erfreulich.

Zwischen 60 und 100 Liter Wasser braucht ein stattlicher Straßenbaum täglich. Während das Wurzelwerk der alten Bäume tief genug in die Erde dringt um Feuchtigkeit aus dieser zu ziehen, haben es besonders die jungen Bäume mit ihren noch sehr oberflächlichen Wurzeln schwer. Sie freuen sich über jeden Schluck Wasser, den ihr entbehren könnt!

Die Tiere leiden Durst

Nicht nur die Bäume, auch ihre Bewohner und andere Tiere leiden vermehrt unter Durst. Wie ihr helfen könnt? Stellt Vogeltränken auf oder auch Wasserschälchen in den Garten. Auch die Igel und Insekten werden es euch danken.

Kühe und Bauern haben ein Problem

Die Hitze fordert ihren Tribut: In vielen Landesteilen wird die Getreideernte komplett ausfallen. Zudem macht der Lebenshof "Hof Butenland" bei Facebook auf ein Problem aufmerksam, das die meisten Städter sicher nicht auf dem Schirm haben: Der ausbleibende Regen hat auch die Weiden ausgetrocknet, sogar in den eigentlich grünen und matschigen Vier- und Marschlanden. Das Graswachstum für dieses Jahr ist beendet, die Bauern sind schon jetzt gezwungen Heu zu füttern, welches eigentlich für die langen Wintermonate vorhalten muss. Viele sehen sich gezwungen, sich ihrer Kühe beim Schlachter zu entledigen. Das alte Sprichwort "Die Sonne hat noch keine Armut in die Marsch geschienen" greift leider nicht mehr. Stellt euch also auf lächerlich billiges Grillfleisch ein und überdenkt gegebenenfalls noch mal euer Konsumverhalten!

Die Badeseen leiden

Als die Badesaison losging, präsentierten wir euch noch stolz Hamburgs schönste Badeseen – alle davon hatten von den Behörden das Qualitätssigel "ausgezeichnete Wasserqualität" bekommen. Doch die vielen Wochen mit anhaltender Hitze sind ihnen nicht gut bekommen. Zuletzt meldete der Öjendorfer See ein Badeverbot wegen Blaualgen und potenziell auch Zerkarien. Seen können sehr schnell kippen – bitte informiert euch vor jedem Badeausflug über die aktuelle Wasserqualität!

Der Elbpegel ist niedrig

Auch Hamburgs Lebensader, die Elbe, hat es diesen Sommer nicht leicht. Der Wasserstand ist deutlich niedriger als sonst, in Dömitz lag lag er am letzten Sonntag um 87 Prozent unter dem Mittelwert. In Neu Darchau (Kreis Lüchow-Dannenberg) musste die Elbfähre den Betrieb einstellen.

Bierbrauereien stehen vor einem ungeahnten Problem

Nicht nur der Elbpegel ist kritisch, auch eurer könnte es bald werden. Während es den Bierbrauereien angesichts der bierfreundlichen Temperaturen sehr gut geht, sehen sie sich dennoch mit einem Problem konfrontiert: Sie haben kaum noch Flaschen zu befüllen und können einige Sorten bereits nicht mehr unters durstige Volk bringen. Hattet ihr auch keine Lust in der sengenden Hitze eure Pflandflaschen wegzubringen? Nix wie los mit euch! Die Quittung dafür könnte sonst beim nächsten Grillabend kommen – wenn ihr anstelle eines kühlen Blonden einen alten Teebeutel aus der Tasche ziehen müsst.

Es besteht Waldbrandgefahr

Die Dürreperiode fordert auch im Grasland ihr Tribut: Es ist dieses Jahr besonders leicht entflammbar! Allein im Wanderparadies Lüneburger Heide gab es bereits 330 Brandmeldungen. Passt also umso mehr auf mit euren Glasscherben oder Zigarettenstummeln!

(© Shutterstock / Andreas Rose )

Der Sommer hat aber auch ein paar Gewinner

Während Getreidebauern über Ernteausfälle klagen, freuen sich die Obstbauern: Sie müssen vielerorts zwar ihre Felder sprengen, ihre Bemühungen tragen aber – im wahrsten Sinne des Wortes – Früchte. Viele Sorten sind durch die langanhaltende Hitze rund zwei Wochen früher reif als sonst. Auch geschmacklich ist das ein voller Gewinn: In der Sonne konnten die Früchte viel Zucker bilden und spielen somit geschmacklich in einer höheren Liga als sonst.

Wenn auch ihr euch zu den Gewinnern des Hamburger Sommers zählen wollt, haben wir ein paar Tipps für euch: zum Beispiel die schönsten Beach Clubs der Stadt oder auch einen herrlichen Tagesausflug in die Lüneburger Heide. Wir wünschen euch jedenfalls schöne Tage und: Seid gefälligst lieb zu Mutter Natur!

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