An sechs Tagen die Woche ist die Spendenannahme bei Hanseatic Help geöffnet. (© Niklas Heimbokel )

Einfach machen! Wie aus einer Kleiderkammer Hanseatic Help wurde

Aus der Kleiderkammer in den Messehallen ist eine großartige Hamburger Hilfsorganisation entstanden. Ein tolles Beispiel dafür, wie einfach helfen sein kann – auch für euch.

Erster Blick: Endlose Regalreihen ziehen sich durch die große Halle, vollgestopft mit allem Möglichen. Zweiter Blick: Bei Hanseatic Help hat alles System, ist in verschiedene Bereiche unterteilt. Klamotten für Frauen, Kinder und Männer. Schulzeug. Schals und Mützen. Hygieneartikel. Schlafsäcke. Schuhe. Alles ist fein säuberlich in beschriftete Kisten verpackt. T-Shirts, Pullis, Blusen, Strickjacken, Hosenanzüge, Umstandsmode für Frauen beispielsweise. Beeindruckend, was Hanseatic Help hier auf die Beine gestellt hat. Eine Hilfsorganisation, bei der die Hilfe wirklich organisiert stattfindet.

Hanseatic Help ging aus der Kleiderkammer Messehallen hervor

Begonnen hat das alles aber im Chaos, und zwar mit der Kleiderkammer in den Messehallen. Ihr erinnert euch bestimmt: Im September 2015 konnten hier Spenden für die vielen Flüchtlinge abgegeben werden, die damals zuhauf in Hamburg ankamen. Tausende Helfer packten mit an, die Hilfsbereitschaft war überwältigend. Doch häufig wusste die rechte Hand nicht, was die linke tat. "Ganz schnell gab es aber ein paar Leute, die Verantwortung übernommen und das Ganze organisiert haben", erzählt Janina Fein, Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit bei Hanseatic Help. Binnen kürzester Zeit bekam das Ganze Struktur, es wurde sortiert, gestapelt und sinnvoll verteilt. Als die Hallen einige Wochen später geräumt werden mussten, war klar: "Hier ist etwas wirklich Gutes entstanden, das weitergeführt werden musste", sagt Fein. Also wurde der Verein Hanseatic Help gegründet.

Die Spenden werden mit System sortiert

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Bramfeld in einer leerstehenden Lagerhalle des Online-Versandhändlers Otto fand die junge Hamburger Hilfsorganisation in der Großen Elbstraße 264 ein neues, 2.300 Quadratmeter großes Zuhause. Hier gibt es nun einen Tresen, an dem die Spenden abgegeben werden können. Gleich dort wird in großen Kisten grob vorsortiert – zum Beispiel Kinderkleidung, Schuhe, Hygieneartikel (bitte genau wie bei Unterwäsche, Socken oder Bettzeug nur Neuware abgeben!). Die werden später dann noch exakt auseinander klamüsert. Was nicht akut gebraucht wird, geht ins Lager. Insgesamt durchlaufen die Spenden bei Hanseatic Help von der Annahme bis zur Ausgabe elf Stationen.

Hanseatic Help braucht dringend Schlafsäcke

Auch ihr könnt bei Hanseatic Help spenden: An sechs Tagen die Woche könnt ihr in der Großen Elbstraße gut erhaltene, saubere Kleidung, Schuhe oder ähnliches abgeben. Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob die Sachen wirklich noch in einem ausreichend vernünftigen Zustand sind, dann überlegt einfach, ob ihr die Sachen auch Freunden oder der Familie schenken würdet. Nicht angenommen werden unter anderem Spielzeug, Kinderwagen oder auch Haushaltsgegenstände. Eine vollständige Liste findet ihr hier – und Infos, welche Dinge aktuell besonders dringend gebraucht werden. Dazu zählen zum Beispiel Jogginghosen, dunkle T-Shirts, wetterfeste Schuhe für Männer und Frauen sowie Isomatten und Schlafsäcke.

Hanseatic Help organisiert Hilfszüge in Krisengebiete

Letztere werden vor allem an Obdachlose ausgegeben. Denn Hanseatic Help unterstützt schon lange nicht mehr nur Flüchtlinge, sondern alle, die Hilfe benötigen. Sogar im Ausland: Mittlerweile wurden mehr als 80 Hilfslieferungen in Krisengebiete organisiert. Insgesamt wurden seit Herbst 2015 mehr als 6,5 Millionen Sachspenden neu verteilt, das sind um die 50.000 Artikel pro Woche.

Spenden müssen online bestellt werden

In dieser Dimension geht das natürlich nicht mehr einfach so auf Zuruf. "Wir haben ein spezielles IT-System entwickelt", erklärt Janina Fein. Hier sind alle Artikel verzeichnet. Wer etwas benötigt – ausgegeben wird nur an Hilfsorganisationen, Projekte und Einrichtungen wie Kinderheime, Frauenhäuser oder Obdachlosenunterkünfte, nicht an einzelne Privatpersonen – muss online einen Bestellschein ausfüllen. "Die benötigten Sachen werden dann zusammengesucht und gepackt. Dann schreiben wir eine E-Mail, dass die Bestellung abgeholt werden kann."

Spende oder engagiere dich bei Hanseatic Help

Hanseatic Help ist ein Musterbeispiel dafür, wie sinnvolle Hilfe funktionieren kann. Wenn es Leute gibt, die einfach machen. Auch ihr könnt mithelfen. Entweder, indem ihr Sachen oder Geld spendet. Oder indem ihr euch engagiert. "Wir freuen uns über jeden, der hilft", bekräftigt Janina Fein. Das sei völlig unbürokratisch – und es sei völlig egal, ob jemand nur eine Stunde oder vielleicht sogar einen ganzen Tag erübrigen kann. "Uns ist es wichtig, den Hamburgern eine niedrigschwellige Möglichkeit zum Helfen zu geben."

Ihr könnt dabei in einem Bereich arbeiten, der euch liegt: in der Spendenannahme, beim Fundraising, im Lager oder auch im freien Feld bei Aktionen. Zum Beispiel geht Hanseatic Help auf große Festivals, um dort liegengebliebene Schlafsäcke, Isomatten und Zelte einzusammeln. Schaut einfach mal in der Großen Elbstraße vorbei. Außer mittwochs ist die Tür hier immer weit offen.

Infos: Hanseatic Help, Große Elbstraße 264, 22767 Hamburg; Mo–Fr (außer mittwochs) 10 bis 19 Uhr, Sa+So 12 bis 18 Uhr

Ehrenamt in Hamburg: Hier könnt ihr euch engagieren

Es gibt noch weitere schöne Möglichkeiten, wie ihr euch engagieren könnt: Ehrenamt in Hamburg. Oder lest euch einmal diese fünf Tipps, wie ihr in Hamburg Gutes tun könnt.

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