(© picture alliance / Jazzarchiv )

Hamburgs Konzerte im November: Musik-Fans, hier müsst ihr hin!

Norddeutsche Topband in spe, radikale Briten in Moll, junge Australier in Boardshorts, Grunge in Flanellhemd, Wave in Alt und Neu und eine Abschiedsfahrt, die in See sticht … das alles macht den trüben Herbst doch gleich ein wenig sonniger. Musik ab! Hier sind die Tipps für den November.

Nicht ganz Fleetwood Mac

Die Sache mit dem neuen Album kommt zum perfekten Zeitpunkt. Die Inspiranten in Sachen Bandname kündigen just ein 2019er Konzert in der Berliner Waldbühne an, da veröffentlichen Tusq (zumindest fast ein Songtitel von Fleetwood) ihren dritten Longplayer. Bislang war die Band ja, in deren Reihen unter anderem Musiker von Schrottgrenze und Featuring Yourself den Sound prägen, immer ein wenig als Projekt kommuniziert, das dürfte sich so langsam aber doch mal ändern. Die Songs auf "The Great Acceleration" klingen jedenfalls nach Mainstage-Reife und höheren Gefilden. Kein Wunder, wenn man sich die Namen der Beteiligten anschaut. Gordon Raphael, Produzent des stilprägenden Strokes-Debüts, hat den Sound besorgt, gemischt wurde in Göteborg beim Soundtrack-of-our-Lives-Kumpel Ian Persson, das Cover hat Eric Drooker (auch schon für Faith No More kreativ tätig) gezeichnet. Die Songs machen den Deckel drauf. Superber IndiePowerPop, der mal nach US-Legenden wie Lemonheads, dann wieder nach UK-Größen wie Teenage Fanclub klingt, unterm Strich aber immer durch und durch Tusq bleibt.

Termin:
2. November 2018

Ort:
Molotow
Nobistor 14
20359 Hamburg

Mehr Infos auf der Webseite: www.molotowclub.com

Freude! Freude! Freude!

… und ein ordentliches Pfund Aggression: Wer in den letzten Jahren zunehmend ins "Es gibt doch keine heißen neuen Bands mehr"-Lager gewechselt ist, wovon es in meiner Hood durchaus einige Vertreter gibt, dem seien die Idles aus Großbritannien ans Herz gelegt. Anno 2017 stolperten wir bierverschüttend und hocheuphorisiert in ihr Konzert beim Roskilde-Festival, mit dem Ergebnis, dass wir das Showzelt etwa eine Stunde später völlig durchgenudelt, mit pfeifenden Ohren, als frischgebackene Fans wieder verließen. Wie das letztendlich kam, kann ich gar nicht so genau erklären, außer durch die Tatsache, dass die Idles aus dem Stand alles an Durchgedrehtheit, Faszination, Riffs, Performance, Unerwartbarkeit verkörperten, was ich mir von der guten, alten und doch nicht altwerdenden Rockmusik verspreche. Das Album "Brutalism" klang mindestens so gut wie die Idles live, der Nachfolger "Joy" kann das sogar noch toppen. Also - grell leuchtender Pflichttermin im herbstlich eher runtergedimmten November.

Termin:
9. November 2018

Ort:
Knust
Neuer Kamp 30
20357 Hamburg

Mehr Infos auf der Webseite: www.knusthamburg.de

I Come From A Land Down Under …

Australien, du großer Pop-Kontinent. Bee Gees! Men At Work! AC/DC! Go-Betweens! … und nun also die Rolling Blackouts Coastal Fever. Am ehesten wohl mit Letzteren zu vergleichen, haben sie doch, ähnlich wie die unvergessene Legendenband um Robert Forster und Grant McLennan, diese melancholische Brise in ihren Songs, die oftmals klingen, als wären sie zwischen Surfstopp am Strand, zwei Pils mit dem besten Kumpel und dem nicht ganz unproblematischen Telefonat mit der Ex-Freundin, für die man immer noch schwärmt, entstanden. Tatsächlich dreht sich auch vieles um aktuelle politische Themen, deren Schwere die Lyrics durchziehen mag, dem juvenilen Uptempo-Drive der Songs jedoch nie entgegensteht. Auf der letzten Tour verpasst, sind die Rolling Blackouts Coastal Fever, noch dazu in der stimmungsvoll superben Enge des Molotow, nun in Hamburg zu Gast. Das wird gut. Versprochen.

Termin:
12. November 2018

Ort:
Molotow
Nobistor 14
20359 Hamburg

Mehr Infos auf der Webseite: www.molotowclub.com

Grunge's Not Dead

Es gibt so Platten, an deren Ersthörung erinnert man sich als wäre es, nun ja, wenn schon nicht gestern, dann maximal letzten Monat gewesen. "Superfuzz Bigmuff" von Mudhoney ist so eine Platte. Anno 1988 in der SPEX drüber gelesen, bei der nächstbesten Gelegenheit gekauft, am Abend in meinem DJ-Set im unvergessenen Kieler Indieschuppen "Subway" nicht weniger als fünf Mal gespielt. Kurz darauf live gesehen, ein matteschwingendes, dezibel-intensives Konzerterlebnis, das ich die folgenden Dekaden noch diverse Male erlebt habe. Aktueller Höhepunkt: ein Interview mit dem sympathischen, reflektierten Sänger und Gitarristen Mark Arm für das Musik-Magazin "Visions". Die Matte ist nicht mehr so lang, der heimische Nachwuchs reduziert schon mal die Probe-Frequenz, aber die Platten (aktuell "Digital Garbage") und Shows der last men standing des Grunge, sind ungebrochen inspiriert, krachig und schweißtreibend. Muss mich nur noch entscheiden, welches Flanellhemd ich den Abend anziehe.

Termin:
14. November 2018

Ort:
Fabrik
Barnerstraße 36
22765 Hamburg

Mehr Infos auf der Webseite: www.fabrik.de

Hier spricht Interpol!

Die Meinungen über die Akustik und Atmosphäre im Mehr! Theater gehen traditionell auseinander. Die Kritikpunkte: Zu wenig Konzert-Vibe, zu kühl, der Sound nicht immer optimal, wenig anheimelnd das Ganze. Nimmt man eine Band wie Interpol, dann könnte es eigentlich keinen besseren Ort für ein Konzert von ihnen geben als den hier. Zeichnet sich doch auch der Klang der 80s-Wave/Indie-Adepten von je her durch eine eher unterkühlte, etwas blutarme Aura aus. Und auch wenn die Band umwerfende Großtaten aus ihrer ersten Karrierephase wie "PDA" oder "Evil" nicht wiederholen konnte, so haben sich Banks & Co. doch just mit ihrer aktuellen Platte "Marauder" zumindest fast wieder zu alter Stärke emporgespielt. Also, warm anziehen. Und dann hinein in die kühl-coole Aura des Mehr! Theaters.

Termin:
23. November 2018

Ort:
Mehr! Theater
Banksstraße 28
20097 Hamburg

Mehr Infos auf der Webseite: www.mehr-theater.de

Abschied mit Seegang

Eine Seefahrt, die ist lustig? Nicht immer, schon gar nicht, wenn die Zeichen auf Lebewohl stehen. Die US-Band Nothington hat ihren Abschied angekündigt. Eine letzte Europatour, ein letztes Mal mit Freunden um die Häuser, gemeinsam singen, feiern, vielleicht auch ein Tränchen verdrücken - dann ist Schluss. In Hamburg gehen die Mannen dafür aufs Wasser, es dürfte ein sehr laute, sehr emotionale Schiffsfahrt werden. In Hamburg sagt man Tschüss, Nothington hätten sich für die letzte Reise kaum einen besseren Ort in der Hansestadt aussuchen können. Lichtet den Anker …

Termin:
30. November 2018

Ort:
Barkasse Hedi
St. Pauli-Landungsbrücken Brücke 10
20359 Hamburg

Mehr Infos auf der Webseite: www.frauhedi.de

PS: Den traditionellen Tipp noch in eigener Sache? Gerne. Meine nächste "Flashback"-Ausgabe am 14. November um 13 Uhr auf byte.fm dreht sich um eine meiner Lieblingsbands, nämlich die schwedischen "Soundtrack Of Our Lives". Einschalten lohnt sich. Ist klar!

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