(© Mirjam Rüscher )

Hamburgs kleinstes Kaufhaus: Von Knöpfen, Elefanten und jeder Menge mehr

Apotheker-Gläser, Porzellan, Postkarten, Lampen, Taschen, Hüte – bei Jürgen Behrmann gibt es fast alles. Seit 37 Jahren betreibt er "Hamburgs Kleinstes Kaufhaus" in der Bahrenfelder Straße. Dafür räumt Jürgen ganze Häuser leer.

Das Sortiment reicht "vom Knopf bis zum Elefanten", so lautete der Slogan von Hamburgs kleinstem Kaufhaus früher. Heute steht "Antikes, Nützliches, Liebenswertes" auf den Visitenkarten von Inhaber Jürgen Behrmann. "Ich kann alles besorgen, was die Kunden nachfragen. Manchmal dauert es nur etwas, bis ich es reinbekomme", sagt er. Der Kaufhausbesitzer bestellt seine Ware nämlich nicht in Katalogen oder ordert sie bei Großhändlern. Sie stammt aus Haushaltsauflösungen.

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Sortiert wird nicht vor Ort, sondern erst im Laden. "50 Prozent bekommt eine Bekannte, die damit auf Flohmärkte geht. 20 Prozent gehen in die Müllverbrennung und 30 Prozent landen im Geschäft", erklärt Jürgen. Alles, was sauber, ordentlich und nicht angeschlagen ist, wird zweitverwertet. Eine Annonce für die Haushaltsauflösungen habe er nie aufgegeben, die Aufträge kommen über Bekannte, alles läuft über Mundpropaganda. Ihm war immer wichtig, selbst zu entscheiden, was er annimmt. Daher kaufe er auch nichts an.

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Die Decke in Jürgens Geschäft ist kaum zu erkennen. Überall hängen Lampen in verschiedenen Formen und Farben. 35 Jahre lang habe er Lampen gesammelt. Das Sortiment reicht von Jugendstil bis 50er-Jahre. Der größte Teil der Deckenlampen seien Originale. "Wenn man gemütlich leben will, warm und kommodig, dann braucht man das richtige Licht. Mit den neuen Lampen geht das doch gar nicht", sagt Jürgen.

Man müsse zuhören, was die Leute sagen, was sie gern hätten, meint der 64-Jährige. Und das tut er, seitdem er sein Geschäft hat. "So habe ich sie alle in den Laden bekommen", sagt Jürgen Behrmann und lacht. Früher wurden in "Hamburgs kleinstem Kaufhaus" auch noch Möbel restauriert. "Richtig alte, antike. Ich hatte einen Tischler angestellt und wir hatten eine richtige Werkstatt. Mit den Jahren habe ich auch angefangen, selbst zu restaurieren." Doch vor etwa zehn Jahren habe er das Restaurieren aufgegeben. Die Leute würden lieber alles neu kaufen. "Ikea hat gewonnen", sagt Behrmann und schüttelt mit dem Kopf. Die Geschäfte liefen schon besser. Doch aufgeben will er nicht. "Ich will das noch eine Weile machen", sagt er.

Es gibt einige, die den ganzen neuen Kram satt haben. Die wollen wieder etwas Echtes.

Der 64-Jährige ist Einzelhandelskaufmann. Gelernt hat er im ehemaligen Traditionskaufhaus Brinkmann in der Spitalerstraße. "Ich war ein Hippie und wollte meine langen Haare nicht abschneiden. Mein Chef war zwar nicht begeistert davon, hat es aber hingenommen", sagt er und muss schon wieder lachen. Dabei wollte er eigentlich Dekorateur werden. Die Branche sei damals jedoch völlig überlaufen gewesen. Vom Einzelhandel wechselte er in den Optiker-Großhandel. Sein großer Traum war es aber immer selbstständig zu sein. "Das ist zwar mehr Arbeit, aber man bekommt es nicht mit. Ich gucke nicht mehr auf die Uhr, es macht einfach immer Spaß hier zu arbeiten."

Jürgen Behrmann betreibt Hamburgs Kleinstes Kaufhaus. (© Mirjam Rüscher )

Die Klingel am Eingang scheppert. Freundlich begrüßt er die Kunden, die hineinkommen – wie alte Bekannte. Und viele, die durch die Tür kommen, sind genau das: Bekannte. Treue Kunden, die seit Jahren kommen. Darunter sind Künstler, Requisiteure, Restaurantbesitzer. "Es gibt einige, die den ganzen neuen Kram satt haben, die wollen wieder etwas Echtes. Und ich bin in Hamburg eben bekannt wie ein bunter Hund", sagt Jürgen.

Mit den Mieten, die hier gezahlt werden müssen, bin ich schon lange nicht mehr einverstanden.

Er erinnert sich noch gut an das "alte Ottensen". Jürgen Behrmann hat lange über seinem Geschäft gewohnt. Die Ladenbesitzer kannten sich untereinander, man hat geklönt, Tee getrunken, die gleichen Kneipen frequentiert. "Ottensen war mal wie ein kleines Dorf. Wir waren ja so multikulti", sagt er. Im Laufe der Jahre konnte er durch die Scheiben seines Schaufensters den Wandel im Stadtteil beobachten. Seit einigen Jahren wohnt er außerhalb der Stadt in einem Bauernhaus von 1760, das er 25 Jahre lang selbst restauriert hat. "Es ist auch gut, dass ich hier nicht mehr wohne. Mit den Mieten, die hier gezahlt werden müssen, bin ich schon lange nicht mehr einverstanden", sagt der 64-Jährige. Er sagt das ohne Verbitterung, er stellt es einfach nüchtern fest.

(© Mirjam Rüscher )

Die Zeit in Hamburg sei für ihn prägend gewesen. "Ich bin in Wedel groß geworden und sehr froh, dass ich nach Hamburg gezogen bin. Das hat mich zu einem ganz anderen Menschen gemacht – offener und toleranter", meint der Händler für all das Mögliche und Unmögliche. So etwas wie einen Kostenvoranschlag habe er noch nie gemacht. Er sei Hamburger. Als solcher gebe man sich einfach die Hand darauf.

Der 64-Jährige steht hinter seinem Verkaufstresen, inmitten all seiner Waren. Er erinnert sich an zahllose Geschichten, er erzählt gern und er hört gern zu. In Altona habe man immer "Du" gesagt, egal ob mit 8 oder 80 Jahren. Bei ihm ist das noch heute so. "Eine freundliche Atmosphäre ist wichtig. Die Menschen kommen zum Entschleunigen her", betont er. Einfach reingehen, sich greifen, was man sucht und wieder gehen – das funktioniert in "Hamburgs kleinstem Kaufhaus" nicht. Um in dem riesigen Sortiment zwischen Porzellan, Koffern, Hüten, Lampen, Postkarten und Co. das richtige zu finden, braucht man Zeit. Und die gewährt Jürgen Behrmann seinen Kunden gern.

Mehr Infos unter www.hamburgs-kleinstes-kaufhaus.de

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