Emilie Girardin und Markus Posse sind die Gesichter hinter "TransCORNER". Jupiter Union / Jennifer Meyer )

Hamburger Kulturinitiative: Wenn Cornern zur Kunstform wird

Die Kulturinitiative "TransCORNER" will mehr aus dem Cornern machen. Durch Kunst will sie allen Menschen eine Stimme verleihen und diese in den öffentlichen Raum tragen. Macht mit und werdet gemeinsam kreativ.

Wer in Hamburg vom Cornern spricht, meint meist die vielen Menschen, die vor dem Grünen Jäger stehen und mit einem Bierchen in der Hand den lauen Sommerabend und das Leben feiern. Einige Anwohner und Politiker finden diesen Trend nur bedingt amüsant, der immer wieder Gegenstand von Diskussionen ist. Dass sich "TransCORNER" nun ausgerechnet dafür stark machen möchte, dass an möglichst vielen Ecken in Hamburg gecornert wird, klingt spannend und fragwürdig zugleich.

Die Hamburger Kulturinitiative möchte deutlich mehr schaffen, als trinkfreudigen Massen ein neues Zuhause unter freiem Himmel zu geben. Die Vision: Dass Menschen auf der Straße eben nicht nur gemeinsam rumhängen und ein Bierchen trinken, sondern auch als Gemeinschaft kreativ werden. Die Straße wird so zu einem öffentlichen Atelier. Ob für Tanz, Theater, Musik oder Malerei entscheiden die Teilnehmer selbst. Mitmachen darf und soll dabei jeder, der Lust auf ein Miteinander hat und seiner Meinung Ausdruck verleihen möchte.

Wie wollen wir in Hamburg leben?

Hinter dem Projekt stehen die Hamburger Emilie Girardin und Markus Posse, die mit TransCORNER eine Form des Sich-Begegnens und eine Gemeinschaft im öffentlichen Raum schaffen wollen. "Das Cornern zu verändern und für künstlerische Zwecke zu öffnen, ist wichtig für uns. Denn es hat das Potenzial, die Frage zu beantworten, wie wir in Hamburg leben wollen. Wir alle leben gemeinsam in dieser Stadt und gemeinsam können wir sie auch gestalten. Doch wir handeln oft nach dem Motto: 'Das Fremde darf nicht in meine Welt kommen.' Von diesem Gedanken sollten wir uns meiner Meinung nach entfernen und offener sein für unsere Mitmenschen und uns mit ihnen austauschen. Das hoffen wir mit unserem Projekt zu erreichen", erklärt Regisseurin Emilie Girardin.

Street Art neu interpretiert

Darüber hinaus könnte Cornern allen Menschen – egal welcher Hautfarbe oder Altersklasse – eine Stimme geben, die bisher nicht gehört wurde, die durch Kunst aber in den öffentlichen Raum getragen wird. "Wir wollen damit eine weitere Form der Partizipation schaffen und gleichzeitig den Blick der Bürger auf Street Art verändern", so Markus Posse. "Wenn Menschen Straßenkünstler sehen, werden diese oft mit Argwohn betrachtet. Es gilt als etwas Ungewöhnliches, vielleicht sogar Verrücktes. Mit TransCORNER wollen wir es möglich machen, dass Menschen wieder draußen experimentieren und sich gemeinsam künstlerisch ausdrücken."

Workshops geben einen geschützten Raum für Kreativität

Damit sich Menschen trauen, die Straßenkunst zu nutzen, um zu zeigen, was ihnen wichtig ist, will TransCORNER ihnen zunächst einen geschützten Rahmen bieten. Ein erster Schritt, um andere von der Transformation des Cornerns zu begeistern, ist deshalb eine Workshopreihe, die in diesem Sommer gestartet ist – das "TransCORNER LAB". Die Workshops geben Raum für gemeinsames Lernen, Austausch und Begegnungen. Ein Raum, in dem die Teilnehmer das Zusammenleben in Hamburg kreativ erforschen können. Ein Workshop stand beispielsweise unter der Frage, wie unsere Stadt eigentlich klingt. Die Ergebnisse werden dann im "TransCORNER WALK" in Szene gesetzt, ein performativer Stadtteilspaziergang, der am 27., 28. und 30. September im Rahmen des "NEW HAMBURG"-Festivals "SoliPolis" gezeigt wird.

Wer noch an einem Workshop teilnehmen möchte, hat am 21. Juli 2018 die für diesen Sommer letzte Chance. Eine gute Gelegenheit, um zu verstehen und zu fühlen, was TransCORNER wirklich erreichen und verändern möchte.

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