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"Hamburg Schulterblatt": DER neue Hamburg-Roman von Kai Lüdders

Irgendwo zwischen "Absolute Giganten" und "So was von da": der neue Hamburg-Roman "Hamburg Schulterblatt" von Kai Lüdders. Über kritische Heimatliebe und vier Kumpels auf lebensverändernder Sauftour.

Sein Name ist das einzig Nicht-Spießige, das seine Eltern ihm mitgegeben haben. Doch die 68er-Mentalität seiner Mutter wurde vom tyrannischen Vater schnell im Keim erstickt, und so wuchs John in der kalten Atmosphäre eines äußerst wohlhabenden, aber lieblosen Elternhauses in Wellingsbüttel auf – im ständigen Bestreben, seinem Vater zu beweisen, dass er kein Loser ist. Um Erfolg zu haben, hat er sich auch auf eine Geschäftsidee eingelassen, die zwar lukrativ, aber nicht unbedingt ganz legal war. Dafür muss er nun in den Knast, siebeneinhalb Jahre. Die letzten 67 Stunden in Freiheit will er mit seinen Kumpels Nils, Tarek und Max verbringen.

Je höher der Pegel, desto mehr bröckelt die Fassade

Die vier Männer sind seit vielen Jahren befreundet, gehen regelmäßig einen heben, teilen Freud und Leid. Trotzdem hat John ihnen seine Schwierigkeiten verschwiegen, jetzt will – oder muss – er aber reinen Tisch machen. Beim Stamm-Italiener auf dem Schulterblatt, der wie die Daniela-Bar für das Quartett quasi ein zweites Zuhause ist, lässt er die Bombe platzen. Es folgt ein alkoholgetränktes Taumeln von Lieblingsplatz zu Lieblingsplatz: der Kiez, die Strandperle und immer wieder das Schulterblatt. Je höher der Pegel, desto mehr bröckelt die scheinbar schöne Fassade. Denn John ist natürlich nicht der einzige, der ein dunkles Geheimnis hat...

"Hamburg Schulterblatt": Ein Temporeicher Roadtrip

Autor Kai Lüdders, der sich mit seinem gesellschaftspolitischen Thriller "Mutwille" bereits einen Namen gemacht hat, bewegt sich mit seinem neuen Werk "Hamburg Schulterblatt" irgendwo zwischen "Absolute Giganten" und "So was von da". Neu ist die Idee also nicht, doch die Geschichte ist durchaus kurzweilig erzählt. Lüdders bringt zudem eine interessante politisch-soziale Note mit ins Spiel, indem er John bei diesem temporeichen Roadtrip durch die geliebte Heimatstadt in (meist trunkenen) inneren Monologen über Gentrifizierung und die Oberflächlichkeit von Beziehungen sinnieren lässt. Leider geraten die manchmal etwas langatmig, und einige der Wendungen scheinen doch recht konstruiert. Dennoch: Wer seine Heimat liebt und die beiden oben genannten Hamburg-Stories mag, wird auch an "Hamburg Schulterblatt" seine Freude haben.

Infos: Kai Lüdders, "Schulterblatt"; erschienen im Velum Verlag, ISBN 978-3-947424-02-3, brochiert, 12,99 Euro

Tipps: Kultige Kiez-Kneipen und eine tolle Buchhandlung

Solltet ihr nach der Lektüre auch Lust auf einen Bummel durch St. Pauli bekommen haben, könntet ihr einen Streifzug durch diese fünf kultigen Kiez-Kneipen antreten. Oder doch lieber noch ein anderes Buch lesen? In der Buchhandlung 213 in Altona werdet ihr bestimmt fündig.

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