(© Shutterstock/Jaromir Chalabala )

Hamburg Noir: Diese 6 berühmten Kriminalfälle hielten die Stadt in Atem

Fatih Akins Verfilmung von Heinz Strunks Roman "Der goldene Handschuh" ist gerade in aller Munde. Buch und Film haben den Serienmörder Fritz Honka bekannt gemacht. Ein dunkles Kapitel der Hamburger Geschichte. Weitere spektakuläre Kriminalfälle der Stadt stellen wir euch hier vor.

1. Der "Lord von Barmbeck": Hamburger Panzerknacker

Nein, es hat sich kein Rechtschreibfehler eingeschlichen. Zu Lebzeiten des Lords von Barmbeck (1882–1933), schrieb man Barmbek nämlich noch mit "ck". Im wahren Leben hieß der "Lord" Julius Adolf Petersen und betrieb eine Kneipe in besagtem Stadtteil. In seiner Kaschemme gingen Verbrecher ein und aus und so war es eigentlich kein Wunder, dass Petersen zum Kopf einer Bande wurde, die bis zu 200 Mitglieder gehabt haben soll. Sein Spezialgebiet: das Aufbrechen von Geldschränken. Mehr als 200 Straftaten soll der Lord von Barmbeck begangen haben, bis er sich 1933 in Untersuchungshaft erhängte. Seinen Spitznamen bekam er übrigens, weil er sich immer akkurat kleidete und geschnappte Bandenmitglieder nicht im Stich ließ.

2. Der "Dürer-Attentäter": Seine Opfer waren Meisterwerke

Hans-Joachim Bohlmann (1937–2009) litt schon seit seiner Jugend an einer Persönlichkeitsstörung. Nach dem Tod seiner Frau begann er damit, Gemälde mutwillig zu beschädigen und verspritzte zwischen 1977 und 1988 Säure auf mehr als 50 Kunstwerke. Seine ersten Taten beging er im Harburger Stadtpark und in der Hamburger Kunsthalle, wo er Paul Klees "Der Goldfisch" beschädigte. Auch Werke von Peter Paul Rubens, Rembrandt und Albrecht Dürer fielen ihm zum Opfer. Irgendwann kam Bohlmann zur Ruh, doch drei Jahre vor seinem Tod wurde er im Rijksmuseum in Amsterdam wieder rückfällig.

3. "Nutella-Bande" vs. "GMBH": Kiezkriege auf Leben und Tod

Bis Mitte der 1980er-Jahre sorgten zwei Zuhälterorganisationen für Unruhe auf dem Kiez. Die alteingesessene GMBH bekam Konkurrenz von den Jungluden der Nutella-Bande. Die Rivalitäten sollen eskaliert sein, weil die Ehefrau eines hochrangigen Nutella-Mitglieds in eine körperliche Auseinandersetzung mit einer GMBH-Prostituierten geriet. Es folgte eine mörderische Fehde in der Unterwelt, die einige Bandenmitglieder das Leben kostete. Dabei ging es meist um Drogen, Waffen, Sex, Falschgeld, Diebesgut und vor allem: Macht. Kein Wunder, dass man das St. Pauli der 1980er mit Chicago verglich ...

4. Die "Hitler-Tagebücher": Fake News

Im Jahr 1983 erwarb "Der Stern" für rund neun Millionen Mark 62 Bände der vermeintlichen Hitler-Tagebücher. Doch die Dokumente waren von dem Kunstfälscher Konrad Kujau geschrieben worden. Obwohl Experten die Echtheit der Tagebücher bereits im Voraus anzweifelten, entschied sich das Magazin dazu, sie zu drucken. Kurz nach den ersten Veröffentlichungen bestätigte ein Gutachten des Bundeskriminalamtes, dass die Dokumente gefälscht waren. Kujau und ein Stern-Reporter mussten sich vor Gericht verantworten, die Chefredaktion trat zurück und auch das ganze Magazin erlitt einen Imageschaden, der ihm mitunter noch heute anhaftet.

5. Erpresser "Dagobert": Bombengruß aus Entenhausen

1992 schaltet die Kaufhauskette Karstadt eine ungewöhnliche Anzeige im Hamburger Abendblatt: "Onkel Dagobert grüßt seine Neffen." Was klang wie ein Gruß aus Entenhausen, signalisierte einem Erpresser, der drohte, Bomben in den Filialen detonieren zu lassen, die Zahlungsbereitschaft des Unternehmens. Es ist der Beginn einer der längsten und aufwendigsten Erpressungsfälle der deutschen Geschichte. Dagobert, wie der Kaufhauserpresser in den Medien von nun an nur noch genannt wird, hatte 1988 schon einmal im Berliner KaDeWe zugeschlagen und konnte damals die geforderte Summe bei der Geldübergabe erbeuten. Doch so leicht sollte es ihm nicht noch einmal gemacht werden.

Mehr als 30 versuchte Geldübergaben fanden zwischen 1992 und 1994 statt. Dabei führte Dagobert die Polizei immer wieder mit ausgeklügelten Plänen und raffinierten technischen Konstruktionen in die Irre. Die in den Kaufhäusern gezündeten Bomben richteten in erster Linie Sachschäden an, bloß einmal verletzten sie Personen leicht. Erst im April 1994, nach zwei Jahren Katz-und-Maus-Spiel, fasste die Polizei Dagobert, der im wahren Leben Arno Funke heißt. Mittlerweile ist der intelligente Kaufhauserpresser wieder auf freiem Fuß und ein gern gesehener Gast in Talk- und TV-Shows (unter anderem in "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!").

6. Die Reemtsma-Entführung: 33 Tage bangen

Als die Öffentlichkeit von der Entführung erfuhr, war der Geisteswissenschaftler, Publizist und Tabak-Erbe Jan Philipp Reemtsma schon wieder auf freiem Fuß. Seine Entführer hatten ihn im März 1996 auf seinem Grundstück in Blankenese überwältigt und 33 Tage lang gefangen gehalten. Seine Angehörigen organisierten eine erfolgreiche Lösegeldübergabe (15 Millionen Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken) ohne das Wissen der Polizei. Alle vier Täter wurden einige Jahre später gefasst und verurteilt.

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