(© G2 Baraniak )

Große Kunst: Meyerhoff-Bestseller zurück im Altonaer Theater

Ganz Joachim Meyerhoff: Witzig, melancholisch und absurd erzählt der Autor und Schauspieler in "Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war" über seine Kindheit und Jugend. Der zweite Teil seines autobiografisch angelehnten Zyklus' wurde vom Altonaer Theater inszeniert und feiert am 14. März Wiederaufnahme.

Joachim Meyerhoff erzählt in seinem Buch "Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war" von seiner verrückten Teenagerzeit, im wahrsten Sinne des Wortes. Er, Josse, und seine beiden älteren Brüder wachsen mitten auf dem Gelände einer Kinder- und Jugendpsychiatrie in Schleswig auf, als Kinder des Direktors. Das Mädchen, das sich den Kopf aufschlägt, um mit ihrem Blut Sterne auf den Asphalt zu malen oder das allabendliche laute Jaulen der "Kranken" sind für ihn Normalität. Die einzigen Gäste, die die Familie empfängt, sind die "Hirnis", wie die Jungs die Patienten gerne nennen. In diesem ungewöhnlichen Umfeld werden die Brüder zu jungen Männern. Erst mit den Jahren wird Josse klar, dass auch seine Familienbande weder gesund noch heil waren.

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Eine dauernde Suche nach der Ordnung in der Welt

Josse liebt seinen Vater (hervorragend: Kai Maertens), der jeden Abend in Josses Zimmer kommt und ihm eine Geschichte erzählt. Aber er ist auch ein Vater, der die Familie beherrscht und "delegieren, aber selbst nichts ausführen kann", der willkürlich die Punktanzahl beim sonntäglichen Familienquiz verteilt, und der seine Mutter immer wieder betrügt. Seine Mutter scheint eher eine Randfigur, die leise unter diesem Leben leidet, aber dennoch immer nur das Leben ihres Mannes lebt. Ein Schicksalsschlag, der andere nach sich zieht, beendet das, was die Familie noch zusammenhält, abrupt.

Diese Zeit, die Joachim Meyerhoff beschreibt, scheint eine dauernde Suche nach seiner eigenen Ordnung in der Welt zu sein und es ist schwer zu greifen, ob es "nur" eine Jugendgeschichte ist, eine Abrechnung und gleichzeitig eine Hommage an seinen Vater oder Meyerhoffs persönliche Aussöhnung mit diesem Lebensabschnitt. Wahrscheinlich alles zugleich. Meyerhoff hat die Gabe, in absurden Situationen immer eine gewisse Tragik und Melancholie mitschwingen zu lassen, wodurch Alltägliches bedeutend wird. Und genau das bringt der Regisseur Christof Küster hervorragend auf die Bühne. Die Tragikomik entfaltet sich durch Josses Gedanken, die den Handlungsstrang begleiten. Denn Josse steht in doppelter Ausführung auf der Bühne: Als Jugendlicher (Calvin Peters) in der Geschichte und gleichzeitig als Erwachsener, der aus der rückblickenden Perspektive die einzelnen Situationen seines jüngeren Ichs parallel kommentiert. Dieser wird von Jonas Anders gespielt, der so viel Spielfreude versprüht und die gesamte Palette an Emotionen auspackt. Sowieso hat das Stück trotz der Dauer von mehr als zwei Stunden keine Längen. Eine berührende Inszenierung, die das Thema Familie aufarbeitet und absolut sehenswert ist.

Infos: Das Stück "Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war" dauert rund zweieinhalb Stunden und läuft bis zum 29. März. Tickets können über die Homepage des Altonaer Theaters oder telefonisch (040 39905870) bestellt werden.

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