(© HOCHBAHN )

Früher war alles besser? 5 Dinge, die es nicht mehr in Hamburg gibt

Dass früher alles besser war, glauben wir nicht. Aber zumindest hätten wir diese Dinge in Hamburg gerne miterlebt. Doch dafür sind wir leider zu spät dran, denn die gibt es schon eine ganze Weile nicht mehr. Ein nostalgischer Rückblick …

Die Hamburger Straßenbahn

Egal, ob vor dem Bahnhof Altona, am Stephansplatz oder auf dem Schulterblatt – Schienen prägten früher das Straßenbild von Hamburg. Darauf fuhr: die Hamburger Tram, liebevoll auch Sambawagen genannt. Warum? Weil das Anhalten und Anfahren so ruckelig vonstattenging, dass die stehenden Fahrgäste erst mal einen Satz nach vorne machten, ähnlich wie der Ausfallschritt beim Sambatanz. Die rot-weißen Wagen der Hamburger Straßenbahn waren insgesamt fast 80 Jahre lang im Einsatz. 1894 lösten die ersten elektrischen Fahrzeuge die Pferdebahn ab, 20 Jahre später gab es schon 40 Linien, die durch das gesamte Stadtgebiet fuhren. Ab 1920 hatten die hintersten Wagen auf einigen Strecken sogar einen abnehmbaren Briefkasten, in den die Passagiere ihre Post einwerfen konnten.

1958 beschloss der Senat jedoch, das S- und U-Bahnnetz auszubauen. Die Tram sollte nach und nach ihren Dienst einstellen. Die letzte Hamburger Straßenbahn fuhr schließlich am 1. Oktober 1978 vom Rathausmarkt nach Schnelsen. Obwohl schon einen Tag später die Gleise entfernt wurden, finden sich auch heute noch Spuren der Tram im Stadtbild. Schaut doch mal in der Straßburger Straße in Dulsberg genau hin, ob ihr die Schienen entdeckt. Oder guckt im REWE Center in der Dorotheenstraße mal ins Parkhaus. Dort steht ein alter Straßenbahnwaggon, genauso wie im BAUHAUS Lokstedt.

Die Hamburger Großrohrpost

Der Traum von der Hamburger Großrohrpost war kurz, aber ambitioniert. Obwohl der weltweite Trend in den 1950er-Jahren zur Schließung von Rohrpostanlagen ging, suchte man in der Hansestadt weiter nach einer Methode, um Hunderttausende Briefe abseits der Straßen schnell und effizient durch die Innenstädte transportieren zu können. Der Spatenstich für das Projekt Großrohrpost erfolgte am 13. September 1960, am 8. Februar nahm die Post die 1.800 Meter lange unterirdische Teststrecke zwischen Postamt 11 am Rödingsmarkt und Postamt 1 am Hauptbahnhof in Betrieb. Über Druckluft wurden kurze und lange Transportbüchsen, die die Briefe enthielten, durch Rohre mit einem Durchmesser von 45 Zentimetern gejagt, in Gegenrichtung wurden sie angesaugt. So konnten die "Briefbomben", die aussahen wie kleine Torpedos, eine Geschwindigkeit von 58 Kilometern pro Stunde erreichen. Der Weg zwischen Rödingsmarkt und Hauptbahnhof dauerte allerdings nur zwei Minuten.

Im Oktober 1965 wurde auch die Gegenlinie in Betrieb genommen, sodass die Transportbüchsen nun im Ringverkehr zwischen beiden Postämtern rotieren konnten. Damit erweiterte sich die Strecke auf 4.000 Meter. Doch die anfängliche Euphorie war schnell verflogen, als die Bundespost 1968 feststellen musste, dass sich die Großrohrpost nicht rentierte. Die Transportkosten waren fast doppelt so hoch wie beim Ausfahren der Post auf der Straße. Zudem zeigten sich die Rohre anfällig für Störungen, immer wieder blieben Büchsen stecken. Und so verwarf man die Pläne, das Fahrrohr-Netz weiter auszubauen. Heute erinnern nur noch die großen, dunklen Rohre unter der Graskellerbrücke an das ehrgeizige Vorhaben Großrohrpost – sowie einige gusseiserne Deckel auf dem Boden über der einstigen Versuchsstrecke.

Dr. Heck nimmt eine Rohuntersuchung vor (© Copyright Hamburger Unterwelten e.V. )

Das Hamburger Chinesenviertel

Chinatown gibt es in London, San Francisco, Bangkok und vielen anderen Großstädten weltweit. In Hamburg sucht man ein chinesisches Viertel dagegen vergebens. Das war allerdings nicht immer so. Ab 1890 bewohnten verstärkt Seeleute, Geschäftsmänner und Migranten aus dem Reich der Mitte ein kleines Quartier rund um die Schmuckstraße auf St. Pauli, in direkter Nähe zur damaligen Grenze vom dänischen Altona. Die Bewohner des Hamburger Chinesenviertels – auch Chinatown oder Chinesenkolonie genannt – eröffneten kleine Läden, Wäschereien, Lokale und Garküchen. Auch wenn das ostasiatische Flair des Quartiers eine gewisse Faszination auf die Bevölkerung ausübte, sogar Opiumhöhlen soll es dort gegeben haben, blieben die Bewohner doch meist unter sich.

Die Lage der Chinesen verschlechterte sich, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Am 13. Mai 1944 führte die Gestapo eine Razzia unter dem Namen "Chinesenaktion" durch. 130 Männer wurden verhaftet, interniert, getötet. Die meisten, die die Konzentrations- und Arbeitslager überlebten, kehrten nach dem Krieg nicht zurück. Deshalb erinnert heute nur noch eine Gedenktafel des St. Pauli-Archivs am Rande der Schmuckstraße an das Hamburger Chinesenviertel. Auch das Hong-Kong Hotel (oder sollten wir lieber Bar sagen?) auf dem Hamburger Berg ist ein Andenken an vergangene Zeiten. Schon seit 1934 steht man hier hinter dem Tresen, früher war es der eingewanderte Gastwirt Chong Tin Lam, heute ist es seine Tochter Marietta. Die Familie war ebenfalls von der Razzia der Gestapo betroffen – eine Entschädigung hat sie nie erhalten.

Die Aussichtsplattform auf dem Fernsehturm

So präsent und doch so unerreichbar … ist aktuell noch der Heinrich-Hertz-Turm, den viele Hamburger wohl besser unter dem Namen Telemichel kennen. Fast immer ist er im Blickfeld, ihn erklimmen konnten nur diejenigen, die vor 2001 in die Hansestadt gekommen sind. Denn seitdem ist sowohl die Aussichtsplattform als auch das Dreh-Restaurant des 1968 eröffneten Bauwerks geschlossen. Nach einer Grundsanierung, unter anderem wegen Asbestbelastung, ließen die Investoren auf sich warten. Ganz schön schade! Während andere Städte wie Berlin, München, Stuttgart oder Düsseldorf vom Fernsehturm aus von oben betrachtet werden können, ist das in Hamburg noch nicht wieder möglich. Die Betonung liegt aber auf noch. Bis 2023 müssen wir uns noch gedulden, dann soll der Telemichel mitsamt Aussichtsplattform und Dreh-Restaurant wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Neue Betreiber für Hamburgs Wahrzeichen und höchstes Gebäude sind gefunden – und was lange währt, wird nun hoffentlich endlich gut!

Der Linienverkehr auf der Alster

An einem Pfeiler der Lombardsbrücke ist eine Tür eingelassen. "Dampfboot-Wartezimmer" steht dort in schwarzen Lettern drüber. Und in der Tat handelt es sich dabei um die letzte erhaltene Haltestelle ihrer Art. Dort warteten die Menschen früher auf den Alsterdampfer wie heute auf den Bus – oder besser: wie auf die Hafenfähre. 1859 nahm das erste Dampfschiff, die Alina, den Linienbetrieb auf Binnen- und Außenalster sowie den umliegenden Kanälen auf. 1890 kam eine weitere Linie dazu, die Schiffe verkehrten im Zehn- und Zwanzig-Minuten-Takt und waren ein beliebtes Fortbewegungsmittel. Doch mit dem Ausbau von U- und S-Bahn-Netz in der Nachkriegszeit sanken die Fahrgastzahlen. Der Linienverkehr der Alsterschiffe wurde 1984 eingestellt. Seitdem gab es immer wieder Versuche, das Konzept wiederzubeleben – ohne jedoch eine Einigung zu erzielen. Somit bleiben die Alsterschifffahrten wohl vorerst dem Tourismus vorbehalten.

Diese Dinge sind unverzichtbar

Na gut, in unserer schönen Stadt müssen wir wohl oder übel ohne Alster-Linienverkehr und Co. auskommen. Doch es gibt ein paar Dinge, die für Hamburger einfach unverzichtbar sind.

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