(© SZENE/Jasmin Shamsi )

Fotograf Roeler: Mit Schalk im Nacken und Schelm im Blick

Wenn Tom Roelecke mit seiner Kamera durch Ottensen streift, wirkt es manchmal wie ein Tanz. Der Fotograf hat sich ins Viertel verliebt, was man seinen Bildern ansieht.

Tom Roelecke, besser bekannt unter dem Namen Roeler, streift mit seiner Kamera durch die Straßen Hamburgs, die Hand quasi immer am Auslöser – stets bereit, im entscheidenden Augenblick abzudrücken. Da ist der alte Mann mit dem imposanten Buckel, dessen Körperhaltung mit dem windschiefen Straßenschild korrespondiert; da die alte Dame mit dem vom Wind nach außen gestülpten Regenschirm, die sich einem Mülleimer entgegenbeugt, aus dem der Griff eines bereits entsorgten Schirms ragt; und da der beleibte Herr mit dem missmutigen Blick, dessen Bauch mit jenem einer überlebensgroßen Shaun-das-Schaf-Figur konkurriert. Man merkt den Bildern an: Roeler sitzt der Schalk im Nacken.

Wenn man den Fotografen vom Greifswalder Bodden bei der Arbeit beobachtet, könnte man das auch für eine Tanzeinlage halten: Er läuft ein paar Schritte nach vorne, zur Seite, wieder nach vorne, geht in die Hocke und wieder zur anderen Seite. Er will ganz nah ran, um Stimmung, Ausdruck und Lebensgefühl mit seiner Kamera einzufangen. Es ist also nur konsequent, dass Roeler auch Filme produziert. Und tanzt. Und auch sonst viel zu erzählen hat.

(© Roeler )

(© Roeler )

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(© Roeler )

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(© Roeler )

Vor vier Jahren zog der Fotograf von Bahrenfeld nach Ottensen – seitdem will er hier nicht mehr weg. Ihm gefällt, dass der Stadtteil so durchmischt ist und seine Bewohner sich für ein angenehmes Miteinander engagieren. Er mag Ottensens Architektur, die vielen alten Industriegelände und Hinterhöfe, die Parkanlagen, die Nähe zur Elbe. Einer seiner Lieblingsorte ist das Stadtteilarchiv Ottensen in der Zeißstraße: „Da habe ich eine Zeit lang regelmäßig einen Kumpel besucht. Der hatte damals den Blog 'Inside Ottensen' betrieben.“ Ob eitel Sonnenschein oder fieses Schietwetter: Ein Spaziergang zum Altonaer Balkon oder Falkensteiner Ufer ist für Roeler eigentlich immer drin.

Wenn er in Ottensen unterwegs ist, verbringt er gerne Zeit in den vielen Bars und Cafés, die der Stadtteil zu bieten hat. Das Café Tide beispielsweise habe eine gute Energie und die Süßkartoffelpommes mit Mayo und Parmesan bei Otto's Burger machten süchtig. Ein Mittagssnack in der Filmhauskneipe oder im Café Forelle seien ebenfalls zu empfehlen. Für Roeler ist Ottensen wie ein kleines Dorf: „Vorm Familieneck oder Penny trifft man eigentlich immer jemanden, den man kennt.“

Die flachen Altbauten im Stadtteil nimmt er besonders gerne ins Visier, Hochhäuser hingegen kann er nicht leiden. Vermutlich, weil er in einem aufgewachsen ist: „WBS 70 – da weißt du immer sofort, wo die Toilette ist.“ Quadratische Fenster, niedrige Decken, Baukastensystem – das ist nichts für ihn. Daher genießt er umso mehr den loftartigen Charakter seines Büros in der Borselstraße 9. Das teilt er sich mit Irma, die Folienbeschriftung gestaltet. Im selben Haus finden sich außerdem Fotografen, Designer, Illustratoren, Tischler, eine Kunstschule und ein Mietstudio. Für den Fotografen Tom Kamlah von MS Altona stand Roeler ausnahmsweise selbst mal Modell – für ein langjähriges Fotoprojekt von mittlerweile über 100 Ottenser Bürgern, das irgendwann im Herbst oder Winter in einer Ausstellung gezeigt werden soll.

Worauf Roeler besonders neugierig ist: Wie wohl der neue Fernbahnhof Hamburg-Altona am Diebsteich den Stadtteil verändern wird? Ja, darauf sind wir alle gespannt.

Weitere Infos:
www.roeler.com

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