Mit Zigarette in der Hand: Reza und Helmut. Georg Holm )

Flüchtlings-Kunst: Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt

Die Ausstellung "pART of us!" zeigte: Kunst kennt wahrlich keine Grenzen. Wir haben uns die Werke von sechs Flüchtlingen aus dem Iran, Syrien und dem Irak angeschaut – und dabei den ehemaligen Bundeskanzler entdeckt.

Sechs Künstler aus Syrien, dem Iran und dem Irak stellten in der Handelskammer ihre Kunstwerke aus. Das Besondere: Sie alle leben in den Erstaufnahmeeinrichtungen des ASB in Niendorf.

Künstler aus dem Iran, Syrien und dem Irak

Die Stilrichtungen der Arbeiten sind dabei so vielfältig wie die Künstler selbst: Abstrakte, das Expressionistische anhauchende Gemälde neben popart-artigen Werken; kleine, leicht dahin gezauberte, skizzenhafte Gesichter neben großen, farblich ausdrucksstarken Leinwänden; verschwommene Farben neben klaren Gesichtern; und mittendrin ein bronzener Helmut Schmidt, mit Zigarette natürlich.

Davor stehen Reza (34), der diese Statue erschuf, dem die Kunst an sich wichtig ist, der einfach etwas darstellen möchte; Mehyar (36), für den das künstlerische Schaffen eine Berufung ist, der weitermachen möchte, bis er ein berühmter Künstler ist; Spring Bahareh (Alter geheim), nebenbei auch noch Hebamme, deren Bilder auch im Millerntor ausgestellt werden.

Ein paar Schritte weiter hängt ein Bild, das einen erhängten Menschen zeigt, der einen Zettel mit der Aufschrift “Human rights” in der Hand hält. Dahinter stehen Menschen verschiedener Religionen hinter Gittern und eine gefesselte Hand, die einen Stift hält. “Menschenrechte, Religions- und Pressefreiheit – für all das ist der Iran momentan ein Gefängnis”, sagt Ariya, der es gemalt hat. Er wünscht sich, dass der Iran ein freies Land wird, “in dem jeder das machen kann, was er will. In dem Frauen sich nicht verschleiern müssen, nur weil es so vorgeschrieben wird.” Das geht nur mit Demokratie, sagt er, nicht mit Diktatur. Da muss er auch schon wieder weg, erklären, posieren, erzählen. “Ich wünsche mir, dass meine Kunst dabei hilft, all dies zu erreichen.”

(© ASB Hamburg )

Er raucht wieder!

Ein kurzer Sprung zurück – die Veranstaltung beginnt gerade, Reden werden gehalten. Etwas ist in der Mitte, ein verhülltes Etwas unter einem roten Tuch, das bisher noch nicht sichtbar war. Dann ist der Vorhang weg und er steht da, Helmut Schmidt, in glänzender Bronze und mit Kippe in der Hand. “Eigentlich wollte ich nur gerne eine große norddeutsche Persönlichkeit darstellen und habe dann meine Freunde gefragt, wen ich nehmen sollte”, sagt Reza.

Alle haben gemeint: ‘Nimm doch Helmut Schmidt!’ Das hat mich dann dazu bewegt.

Seit 15 Jahren ist er bildhauerisch aktiv, doch schon früher hat er gezeichnet und gemalt, ohne einen Dozenten, ohne Anleitung, ein echter Autodidakt. “Alle haben gemeint: ‘Nimm doch Helmut Schmidt!’ Das hat mich dann dazu bewegt.”

Zufällig entstanden

Die Idee zur Ausstellung entstand dabei eher zufällig. “Irgendwann, beim Bewerbungstraining, ist uns aufgefallen: Die können ja was!” Viele der Künstler sind schon seit ihrer Kindheit künstlerisch aktiv, manche auch schon so professionell, dass sie davon leben konnten. Dazu kamen alte Verbindungen zwischen dem ASB und der Handelskammer in Form von Sigi Robinson, der nun beim ASB tätig ist, aber jahrelang für die Handelskammer arbeitete.

“Trotzdem war es viel Überzeugungsarbeit”, so Dr. Martin Schäfer, Aufsichtsratsvorsitzender der ASB Flüchtlingshilfe. “Wenn man die Menschen in Flammen setzt und sie zum Lodern bringt, kommt ihre Begeisterung voll zur Geltung, kann sich ihre Begeisterung und Kreativität frei entfalten.” Es sei ein Geschenk, dass die Künstler solche Fähigkeiten haben.

Autor: Georg Holm

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