(© Michael Penquitt )

Fahrverbote in Altona: Protest von Anwohnern in der Stresemannstraße

Den Anwohnern von Altona stinkt's: Zwei Dieselfahrverbote und die Luftverschmutzung wird dennoch immer stärker. Die Initiative "Reine! Luft! Altona!" hat sich eine besondere Form des Protests einfallen lassen.

Den Autofahrerinnen und Autofahrern in der Stresemannstraße in Altona bot sich am Mittwoch ein kurioses Bild: Rund zwanzig Menschen in weißen Schutzanzügen und mit Staubsaugern bewaffnet tümmelten sich um einen mit Plakaten beklebten Kasten am Straßenrand, besetzten einen Fahrstreifen. Bei dem Kasten handelt es sich um eine der Luftmessstationen, deren Messwerte immer wieder die zulässigen Grenzwerte für Stickstoffdioxid überschreiten. Symbolisch saugten die Mitglieder der Initiative "Reine! Luft! Altona!" die Giftstoffe aus der Luft.

Anwohner beklagen: Fahrverbote sind reine Placebos

Die Anwohner fordern bessere Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung durch Abgase an den Straßen, aber auch am Hafen. Dieselfahrverbote auf zwei kurzen Straßenabschnitten reichten nicht. Die gemessenen Werte scheinen ihnen Recht zu geben: Zuletzt waren die NO₂-Werte sogar höher als vor der Einführung des Verbots vor einem halben Jahr. Wie aussagekräftig solche Momentaufnahmen sind, darüber wird gestritten. Doch so scheint auch eine deutliche Verbesserung der Luftqualität, die nötig wäre, in weiter Ferne.

(© Michael Penquitt )

Und das sagen die Protestierenden:

"Die bisherigen Maßnahmen sind ein Placebo - sie bringen nichts. Die höheren Werte mögen auch durch die Witterungslage bedingt sein, aber das kann ja immer wieder passieren. Ich selber leide auch darunter. Ich bin nur mit dem Rad unterwegs und ich hab das in den letzten Tagen und auch im Sommer erlebt: Wenn ich am Straßenrand fahre, was sich nicht immer umgehen lässt, ist es ganz, ganz unangenehm. Es nimmt einem die Luft." (Franziska Niro aus Eimsbüttel)

"Man muss die Ursache des Übels bekämpfen. Die LKW müssen aus der Innenstadt raus, die Parkplatzgebühren müssen erhöht werden. Und der öffentliche Nahverkehr muss alternativlos günstig werden, damit die Leute umsteigen und ihr Auto stehen lassen. Ich wär sogar für einen Nulltarif im öffentlichen Nahverkehr. Es wäre auch sinnvoll, wenn es eine Stadtbahn gäbe." (Jürgen Kabey aus Eimsbüttel)

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"Ich habe Gott sei Dank einen Mundschutz, aber schön ist es hier nicht. Man müsste das Dieselverbot verstärkt kontrollieren, die fahren hier ja sowieso alle durch. Es gibt gar keine Strafen dafür. Mir persönlich wäre es wichtig, dass vor allem am Hafen was geschieht, denn da geht die Luft überhaupt nicht. Da ist die Luftverschmutzung nochmal vierfach so stark wie in der Stresemannstraße." (Irina Schmidtke aus Altona)

"Ich wohne etwas weiter südlich am Hafen und da kommt auch noch die Hafenbelastung hinzu. Man kann nicht sagen, dass die Luft gut ist. Eigentlich müsste der Verkehr hier eingestellt werden, aber ich will nun auch Realist bleiben. Die Autos müssen sauberer werden, Transit-LKW dürften nicht mehr durch die Stadt fahren, die Autoindustrie muss zu Hardware-Nachrüstungen verpflichtet werden, die Schiffe müssen dementsprechend auch verpflichtet werden. Tempo-30-Zonen sind vielleicht auch eine Option. Ich bin selbst als angestellter Taxifahrer noch bis Anfang des Jahres Diesel gefahren. Ich würde gern ein Elektro-Taxi oder Wasserstoff-Taxi fahren, aber da suche ich noch einen Unternehmer." (Andreas Gutmann aus Altona)

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Immer wieder Proteste in Altona

Auch anderswo in Altona gehen Anwohner gegen die Luftverschmutzung und unwirksamen Dieselfahrverbote und für einen sicheren Straßenverkehr auf die Straße. Vor allem die Harkortstraße dient zunehmend als Umgehung für Autofahrer, die dem Fahrverbot in der Stresemannstraße und der Max-Brauer-Allee ausweichen wollen.

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