(© Ulrike Fischer )

Haushaltswaren Harms: Der Herr der Schrauben

Uwe Kaspereit ist Herr über 4.000 Artikel von der Schraube bis zum Nudelholz. Und seine persönliche Geschichte ist noch bewegender als die seines 85 Jahre alten Eisen- und Haushaltswarengeschäfts in Hoheluft-West.

Läden, in denen man Schrauben und Nägel noch einzeln kaufen kann, gibt es in Hamburg nicht mehr viele. Zu verlockend scheinen die Angebote großer Baumärkte. Eisen- und Haushaltswaren Harms in der Hoheluftchaussee ist eine wunderbare Ausnahme. Um die 140 Kunden täglich beweisen: Qualität, persönlicher Service und ein vielfältiges Angebot zahlen sich aus.

„Ob die junge Mutter, die nur eine 20-Cent-Schraube für ihren Kinderwagen braucht oder der Villenbesitzer, der ein komplettes Schließsystem für sein Haus kauft: Meine Mitarbeiterinnen und ich helfen allen gern weiter“, erzählt Uwe Kaspereit. Der gelernte Kfz-Elektromechaniker arbeitet seit 1983 in dem gut sortierten Geschäft, seit 1988 ist er alleiniger Besitzer: „Der ehemalige Chef wollte nicht mehr, das war meine Chance!“ Mit einem Kredit und seinem Erspartem kaufte er den Laden. So konnte die Geschichte des 1933 gegründeten Geschäfts weitergehen.

(© Ulrike Fischer )

Für ein paar Flugblätter ins DDR-Gefängnis

Geschichte ist für Uwe Kaspereit ohnehin ein wichtiges Thema. Seit vielen Jahren berichtet der ehemalige DDR-Bürger als Zeitzeuge über das Leben hinterm eisernen Vorhang. Am Helene-Lange Gymnasium Eimsbüttel, im Dokumentationszentrum Schwerin und Cottbus sowie auch im Zeitzeugen-Programm der Stiftung Aufarbeitung in Berlin. „Mit 19 habe ich in meiner Heimatstadt selbstgedruckte Flugblätter verteilt, weil man meinen Ausreisevertrag abgelehnt hatte und bin sofort verhaftet worden. Zweieinhalb Jahre haben sie mich insgesamt in den Knast gesteckt.“ Mit 25 anderen Strafgefangenen habe er zeitweilig auf engstem Raum gehaust: „Da lernst Du so viele Schicksale kennen und blickst auch hinter die Fassade der Menschen. Das hat mich geprägt.“ Bis er von der BRD frei gekauft wurde, dauerte es noch mal fast zwei Jahre.

(© Ulrike Fischer )

Heute kann der 59-Jährige dieser Zeit dennoch etwas Positives abgewinnen: „Meine Menschenkenntnis hilft mir im Leben und im Laden. Wenn jemand schlecht gelaunt rein kommt, spornt es mich geradezu an, ihn mit einem Lächeln wieder gehen zu sehen.“ Kein Wunder, dass Harms nicht nur ein Laden für Schrauben und Haushaltswaren aller Art ist, sondern auch Treffpunkt für die ganze Nachbarschaft.

Mehr Infos zum Geschäft
www.eisenwaren-harms.de

Info zu Uwe Kaspereits Geschichte
www.zeitzeugenbuero.de

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