(© IBA Hamburg GmbH / Bernadette Grimmenstein )

Energiebunker Wilhelmsburg: Kriegs-Mahnmal, Öko-Kraftwerk und Café

Was früher ein bedrückender Schandfleck war, ist heute ein wegweisendes Öko-Projekt: Der ehemalige Flakbunker in Wilhelmsburg ist heute ein Energiebunker, regeneratives Kraftwerk und hat mit dem Café "Vju" noch Kaffee und Kuchen anzubieten.

1943 ließen die Nazis in Wilhelmsburg einen riesigen Bunker errichten. Zunächst als Demonstration ihrer angeblichen Stärke; später, während der alliierten Luftangriffe, diente er als Zufluchtsort für Zehntausende. Nach Kriegsende sprengten die Briten das monströse Bauwerk von innen, sechs der acht Etagen stürzten ein – die Hülle blieb jedoch stehen. Auch wenn der ehemalige Flakbunker äußerlich unversehrt wirkte, war er doch zunehmend einsturzgefährdet und stand 60 Jahre leer: ein dunkler, 42 Meter hoher Klotz, der an Krieg, Elend und Schuld erinnerte. Bis die Internationale Bauaustellung (IBA) von 2006 bis 2013 in Hamburg Station machte.

Kriegs-Mahnmal und grünes Öko-Kraftwerk in einem

In ihrem Rahmen wurde der marode Klotz von Grund auf saniert und transformiert. Was vorher ein Schandfleck war, ist heute ein strahlendes Leuchtturm-Projekt für regenerative Energiegewinnung und Kriegs-Mahnmal in einem. Denn die Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg und Hafen informiert euch hier nicht nur in einer Ausstellung und Führungen über die Historie des Flakbunkers und das Leben der Einwohner Wilhelmsburg in den 1940er-Jahren, sondern der Bunker ist gleichzeitig ein grünes Öko-Kraftwerk, das das Reiherstiegviertel mit Wärme und Strom versorgt. Obendrein könnt ihr im Café Vju in 30 Metern Höhe einen fantastischen Ausblick über die Stadt sowie kleine Köstlichkeiten genießen.

Vom Café Vju und der Aussichtsterrasse in 30 Metern Höhe haben Besucher einen herrlichen Blick über die Stadt. (© IBA Hamburg GmbH / Bernadette Grimmenstein )

3000 Haushalte in Wilhelmsburg werden mit Wärme versorgt

Schon von weitem ist das Gebäude mit seiner 2000 Quadratmeter großen Hülle aus Solarpaneelen auf dem Dach und der südlichen Außenwand als Energiebunker erkennbar. Zusätzlich zur Sonnenkraft wird Energie aus Biomethan, und der Abwärme eines benachbarten Energiebetriebs gewonnen und in einem riesigen Pufferspeicher gespeichert, der zwei Millionen Liter Wasser fasst. 3000 Haushalte werden heute schon mit Wärme, 1000 mit Strom aus dem Bunker versorgt. Jedes Jahr werden so 6600 Tonnen CO2 eingespart! Tendenz steigend: Diese Bilanz ist laut Hamburg Energie noch ausbaufähig.

Jedes Wochenende gibt es Führungen durch den Energiebunker

Wie genau das Kraftwerk funktioniert, könnt ihr bei regelmäßigen Führungen erfahren. Jeden Samstag und Sonntag um 14, 15 und 16 Uhr bekommt ihr einen umfassenden Einblick in die Geschichte des Energiebunkers und die künftig geplante Stadtentwicklung in Wilhelmsburg. Treffpunkt ist in der achten Etage vor der Kaffeerösterei, ihr könnt einfach dazukommen. Wann die Geschichtswerkstatt Führungen zur Historie des Flakbunkers anbietet, erfahrt ihr hier.

Wo: Energiebunker Wilhelmsburg, Neuhöfer Str. 7, 21107 Hamburg
Wann: Fr 12-18 Uhr, Sa+So 10-18 Uhr

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Ein weiteres, denkmalgeschütztes Bauwerk in Wilhelmsburg ist der Alte Elbtunnel. Auch er soll sich verändern: Was die Grünen mit dem St. Pauli-Tunnel vorhaben, hat uns Fraktionschef Anjes Tjarks erzählt. Wer wissen will, wie Willis Herz schlägt, der schaut mal in der Honigfabrik vorbei oder macht ein paar schöne Spaziergänge in und um Wilhelmsburg. Die kiekmo-Redaktion wünscht euch viel Spaß beim Entdecken!

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