Der Blick bei Nacht vom Energieberg (© Antje Lohse )

Energieberg Georgswerder: Von der Giftmülldeponie zum Ausflugstipp

Es ist nicht nur sprichwörtlich Gras drüber gewachsen, sondern auch wortwörtlich. Der Energieberg Georgswerder war noch vor 35 Jahren das Zentrum eines Umweltskandals, heute ist er ein grüner Ort der Aufklärung.

Einen guten Ruf hatte sie lange nicht, die Mülldeponie in Georgswerder. Während des Zweiten Weltkriegs wurden hier Flugabwehrkanonen abgefeuert. Nach Kriegsende verschwanden die Waffen, die Trümmer des zerbombten Hamburgs wurden abgeladen, der Hügel wuchs. Hausmüll landete auf dem Berg, in den späten 60er Jahren kamen dann schließlich giftige Industrieabfälle und Sondermüll hinzu. Ein Jahrzehnt später schien der unschöne Müllhügel in Vergessenheit zu geraten – bis 1983 festgestellt wurde, dass das Regenwasser hochgiftige Dioxine ins Grundwasser spült. Der Hügel ist plötzlich das Zentrum des bis dato größten Umweltskandals der Hansestadt.

Vom Giftmüllberg zum Ausflugsziel

Für rund 95 Millionen Euro werden der Hügel und das darunterliegende Grundwasser daraufhin aufwendig gesichert und begrünt. Es ist wortwörtlich Gras über die ganze Sache gewachsen. Von der skandalumwobenen Geschichte des Energiebergs Georgswerder ist heute nicht mehr viel zu erkennen: Ein schöner grüner Hügel, könnte man denken, der nicht zuletzt eine der besten Aussichten auf den Hafen der Stadt bietet. Im Rahmen der Internationalen Bauaustellung bekam der Hügel einen Horizontweg, auf dem man in 40 Metern Höhe einmal um die Kuppel spazieren kann. Eine Solaranlage und Windräder versorgen rund 4.000 Hamburger Haushalte mit Strom. Und die Methangase, die durch die Zersetzung des Mülls im Inneren des Berges entstehen, werden seit Jahren kontrolliert abgeleitet und von einer nahen Kupferhütte zur Befeuerung der Öfen verwendet.

(© Antje Lohse )

Ein Bewusstsein für Müll

Klingt nach Wiedergutmachung? "Das ist es für uns aber nicht", erklärt Andree Möller von der Stadtreinigung Hamburg, die das Informationszentrum des Hügels betreibt. Hier sei in der Vergangenheit viel falsch gemacht worden. "Uns ist es wichtig, darüber aufzuklären und ein Bewusstsein für das Thema Müll zu schaffen." Im Rahmen dieses Bildungsauftrags wird im Informationszentrum mit einer Ausstellung, Multimedia-Show und zahlreichen Führungen über den Berg über Mülltrennung, Müllverarbeitung und erneuerbare Energien aufgeklärt.

"Ziel ist es, dass alle Gäste hinterher gerne und besser Müll trennen, oder noch besser: Abfall möglichst vermeiden", so Möller. Aber auch abgesehen der Umweltaufklärung ist der Energieberg Georgswerder ein lohnenswertes Ausflugsziel. Im August bot die erhöhte Aussichtsfläche den perfekten Ort zum Sternschnuppen schauen, außerdem können Gäste Insekten erkunden (19.8.), Fledermäuse beobachten (25.8.) oder noch bis zum 31.8. die Fotoausstellung "Wilhelmsburg" im Informationszentrum besuchen.

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