(© Jörg Steinmetz )

"Elbjazz"-Star Michael Wollny: Von Nerd-Jazzern und Radiodudlern

Eh klar, dass das "Michael Wollny Trio" zu den Highlights des diesjährigen Festivals zählt. Ein Gespräch mit dem 39-jährigen Pianisten lehrt aber auch, dass Jazz im Allgemeinen und damit auch alle anderen Elbjazz-Konzerte ihren Reiz haben.

Michael Wollny, viele Musiker aus anderen Genres haben Vorurteile gegenüber dem Jazz: zu frei, zu elitär. Noel Gallagher hat Jazz sogar mal als "Müll" bezeichnet. Haben diese Künstler nur den Jazz nicht verstanden oder gar die Musik generell?

Ach, es muss ja nicht allen alles gefallen (lacht). Ich glaube allerdings, dass sich viele Vorurteile gegenüber dem Jazz ganz leicht auflösen lassen.

Wie zum Beispiel?
In dem man ein Festival wie das Elbjazz besucht. Dort kann man die ganze Bandbreite des Jazz erleben: vom Nerd- über den Avantgarde- bis hin zum Pop-Jazz. Allein, weil das Genre so viele Seiten hat, finde ich es auch schwierig, von "dem" Jazz zu sprechen.

Sie haben einmal eine Gleichung aufgestellt, die verkürzt lautete: Jazz gleich Musik gleich Physik gleich Natur – und Natur könne ja gar nicht schlecht sein.

Genau. Es gibt zwar auch Musik, die mit niederen Absichten produziert wird, aber ganz grundsätzlich sind Klänge Teil unserer Realität, und es ist sicher immer besser, sich diesen gegenüber zu öffnen als zu verschließen. Wer sich öffnet, erlebt jedenfalls eher positive Überraschungen.

Sie haben sich mit den Jahren auch geöffnet – und zwar gegenüber Popmusik. Wie kam’s?

Ich denke, das lag und liegt an meinen alltäglichen äußeren Einflüssen. Zuhause höre ich natürlich nicht nur Jazz, sondern auch viel klassische Musik, elektronische Musik und eben auch Pop. Und wenn man anfängt, diese Einflüsse in die eigene Arbeit zu lassen, kommt es auch zu einer Vermengung.

Mit dem Begriff "Popstar des Jazz", als der Sie bezeichnet werden, haben Sie aber Probleme, heißt es.

Ja, weil ich mich nicht so fühle. Ich verstehe, dass dieser Begriff aus einer bestimmten Beobachtung heraus entstanden ist und sicher nicht schlecht gemeint war. Aber "Popstar" suggeriert für mich zu viele Dinge, mit denen ich so gar nichts anfangen kann.

Welche Dinge sind das?

Popmusik, so beschreibt es ja auch Diedrich Diederichsen, ist nicht nur Musik, sondern auch das Drumherum, die Verpackung. Und solche Dinge sind für mich einfach weniger relevant. Das meine ich nicht abwertend: Popmusik hat für mich eine hohe Qualität, allein das Sich-ständig-verändern-wollen und den Drang, Grenzen zu verschieben, finde ich reizvoll.

In der Elbphilharmonie treffen Sie nun auf jemanden, der einst als Wunderkind des deutschen Pop galt: Konstantin Gropper. Worin liegt für Sie der Reiz in dieser Konstellation?

Zunächst mag ich seine Musik total gerne. Kennengelernt habe ich diese zeitgleich mit Konstantin als Person, wir standen mal bei einem Festival in Mannheim gemeinsam auf der Bühne. Danach haben wir uns unterhalten und auch ein paar Mal getroffen. Wir haben gemerkt, dass wir viele gemeinsame Interessen haben. Wir ticken auch musikalisch sehr ähnlich, benutzen zum Beispiel beide gerne viele verschiedene Instrumente und Klangfarben auf unseren Alben. Eine gewisse Nähe ist also vorhanden.

Würden Sie auch mit jemandem die Bühne teilen, zu dem Sie keine künstlerische Nähe haben? Etwa mit einem typischen deutschen Radiodudler à la Mark Forster oder Andreas Bourani?

Man müsste sich fragen, wo man sich dann trifft. Wenn man sich beim zu spielenden Material auf etwas einigen kann, bin ich immer offen für spontane Begegnungen. Gegensätze auf die Bühne zu bringen, kann ja durchaus spannend sein.

Interview: Erik Brandt-Höge

Das Elbjazz findet am 1.+2. Juni an unterschiedlichen Orten statt. Michael Wollny Trio spielt am 1.6. auf der Hauptbühne Blohm+Voss um 21 Uhr.

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