Eine Jugendstillfassade in der Sillemstraße. (© Robin Eberhardt )

Eimsbütteler Straßennamen: Die Sillemstraße

Osterstraße, Hoheluftchaussee, Gärtnerstraße: Lebendige Einkaufsstraßen in Eimsbüttel und all die kleinen Wohnstraßen – woher haben sie ihre Namen? Wir klären in lockerer Folge auf.

Die Sillemstraße verläuft vom Heußweg bis zum Langenfelder Damm. Die Wohnstraße ist auf Höhe der Apostelkirche unterbrochen, deswegen gibt es in der Straße relativ wenig Durchgangsverkehr. Es wechseln sich schöne, alte und mehrgeschossige Wohngebäude mit Backsteinhäusern ab.

Einflussreiche Familie aus dem 16. Jahrhundert

Die Sillemstraße ist nach der renommierten Hamburger Familie Sillem benannt, deren Mitglieder verschiedene öffentliche Ämter bekleideten. Laut Familienchronik der Familie Sillem haben sich die beiden Brüder Jacob und Heyn im 16. Jahrhundert in der Hansestadt als Kaufleute niedergelassen und heirateten Damen aus alteingesessenen Ratsfamilien. Während Jacob 1560 zum Ratsherrn ernannt wurde, starb Heyn vermutlich schon vor seinem 50. Geburtstag.

Ein klassisches Relief. (© Robin Eberhardt )

Sowohl Jacob als auch Heyn hatten männliche Nachkommen, deswegen gelten die beiden als die Gründer zweier Sillemscher Familienstämme, aus denen bedeutende Hamburger Persönlichkeiten hervorgingen. Die Sillems stellten unter anderem zwei Bürgermeister und neun Ratsherrn. Noch heute kann man im Rathaus Bilder der Ratsherrn und Bürgermeister sowie das Sillemsche Familienwappen an der Fassade sehen. Bis ins 19. Jahrhundert hinein lebten die Angehörigen beider Familienzweige in Hamburg und waren persönlich eng miteinander verbunden, wobei sie auch dasselbe Familienwappen führten.

Tuchhändler und Kaufleute

Die Nachkommen von Heyn gehörten als Tuchhändler der städtischen Oberschicht an und die Mehrzahl der Jacobschen Nachfahren betätigte sich als Fernkaufleute. So war Hinrich Sillem, der 1545 in Hamburg als Sohn von Jacob geboren wurde, Kaufmann und wurde 1591 zum Ratsherrn gewählt. Hinrich starb am 6. Mai 1615 in Hamburg.

Hieronymus Sillem, ein weiterer Nachfahre Jacobs, wurde am 7. Februar 1648 als das siebte Kind des Kaufmanns und Oberalten der Gemeinde Sankt Petri Hinrich Sillem und dessen zweiter Frau Katharina Colin geboren. Im Alter von 42 Jahren wurde Hieronymus zum Ratsherrn gewählt, aber schon sechs Jahre später von der Hamburger Bürgerschaft wieder abgesetzt und erst im Jahr 1709 von einer kaiserlichen Kommission rehabilitiert.

Bürgermeister und Richter

Helwig Sillem aus dem Familienzweig Heyn Sillem wurde 1653 in Hamburg geboren. Nach der Schule studierte er Jurisprudenz an der Universität Orléans und schloss sein Studium 1677 erfolgreich ab. Danach arbeitete er als Anwalt in Hamburg. Helwig wurde im Jahr 1693 Ratssekretär und 1708 zum Ratsherrn gewählt. Sechs Jahre später übernahm er als Prätor den Vorsitz des Hamburger Niedergerichts, zuständig für die Gerichtsbarkeit, die sich mit kleineren Delikten befasste. Am 5. Dezember 1714 starb Helwig Sillem in Hamburg.

Garlieb Sillem, der am 15. Juni 1676 in Hamburg als Sohn von Hieronymus Sillem geboren wurde, war Anwalt und später sogar Hamburger Bürgermeister. Nach seinem Jurastudium in Frankfurt und Halle bereiste Garlieb Deutschland, Frankreich und die Niederlande. Nach der Rückkehr nach Hamburg 1704 betätigte er sich als Jurist.

Ein ehemaliger Bunker. (© Robin Eberhardt )

Im Zuge des Streits zwischen der Hamburger Bürgerschaft und dem Rat wurde er 1708 als vierter Syndici, die Position entspricht einem heutigen Staatsrat, gewählt und nahm in dieser Funktion an den Verhandlungen über die Änderung der städtischen Verfassung teil.

In den Jahren 1711 und 1712 wurde er nach dem Ausbruch der Pest Vorsitzender der neu ernannten Sanitätskommission. Fünf Jahre später, 1717, wurde Garlieb Bürgermeister und musste in dieser Funktion 1721 nach Wien reisen, um die kaiserliche Gunst wiederzugewinnen. Er starb am 26. Dezember 1732 in seiner Heimatstadt.

Kaufhausgründer Wilhelm

Wilhelm wurde am 14. Februar 1804 in Hamburg geboren. Der Kaufmann verspekulierte sich mit einem hohen Kredit an die polnische Regierung, die damit den Krieg gegen das russische Zarenhaus finanzierte, und wanderte daraufhin nach London aus, wo er es allerdings nur zwei Jahre aushielt.

Von dort zog es ihn nach Mexiko und nach weiteren vier Jahren kehrte Wilhelm nach Hamburg zurück, wo er am Jungfernstieg für 1,5 Millionen Mark die erste glasüberdachte Einkaufspassage Deutschlands, den “Sillem’s Bazar”, und ein Hotel errichtete. Aber auch mit diesem Projekt hatte er wenig Glück, die Passage und das Hotel wurden nach 40 Jahren wieder abgerissen und durch Neubauten ersetzt.

Ein Eckhaus in der Sillemstraße. (© Robin Eberhardt )

Seine Spekulationen und Projekte hatten die Familie Sillem viel Geld gekostet und er wurde unter Vormundschaft gestellt. Es wurde ihm ein jährliches festes Jahreseinkommen gewährt und Wilhelm musste, zusammen mit seiner Frau, die Stadt verlassen. Den Rest seines Lebens verbrachte er dann in Genf, wo er sich der Armenfürsorge widmete und sein verbleibendes Vermögen mit den Bedürftigen der Stadt teilte. Am 4. Februar 1885 verstarb Wilhelm in der Schweiz.

Auf der ganzen Welt verteilt

Heute sind weltweit rund 150 Sillems bekannt, ein Teil der Familie lebt immer noch in Hamburg. Sillems leben aber auch in den Niederlanden, Großbritannien, Argentinen, Kanada und den USA.

Auch einen Kinderspielplatz gibt es in der Sillemstraße. F (© Robin Eberhardt )

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