(© Michael Penquitt )

Keine brotlose Kunst: Zu Besuch in der besten Mensa Hamburgs

Ist das die beste Mensa Hamburgs? Nach einem Besuch in der Hochschule für bildende Künste ist etwas anderes kaum vorstellbar.

Hochschulmensen gelten nicht gerade als Tempel der gehobenen Kulinarik. Die Nudeln sind meist ungesalzen und werden viel zu weich gekocht, die Pommes sind mehlig und die Frikadelle, die es ein Mal im Monat am Burger-Mittwoch gibt, schmeckt wie alte Schuhsohle. Im schlimmsten Fall bekommt ihr undefinierten Brei serviert. So zumindest der Ruf.

Die Mensa der Hochschule für bildende Künste beweist, dass es auch ganz anders geht. Deren Speisen stechen nämlich so manches Restaurant aus.

Mit den Konspirativen Küchenkonzerten fing alles an

Es versteht sich von selbst, dass die Studierenden, Lehrenden und Verwaltungsangestellten der Hochschule am Eilbekkanal auf nuancierte Qualitätsunterschiede wert legen – nicht nur, was die Kunst angeht. Auch das, was auf den Teller kommt, sollte gewissen Ansprüchen genügen.

Doch eigentlich beginnt die Geschichte dieser Mensa in ihrer jetzigen Form nicht auf der Uhlenhorst, sondern in Wilhelmsburg. Dort ging Marco Antonio Reyes Loredo in seiner heimischen Küche, zunächst ohne Hintergedanken, seiner Kochleidenschaft nach. Fast schon zufällig ist daraus mit den Konspirativen Küchenkonzerten eine innerhalb kürzester Zeit für den Grimme-Preis nominierte Fernsehsendung entstanden. Dabei wurde in den Wilhelmsburger Zinnwerken vieles in einen Topf geworfen: Es wurde gekocht, geschnackt, Musik gespielt und Kunst bewundert. Leider wird die Sendung nicht mehr produziert, alte Folgen sind jedoch noch im digitalen YouTube-Archiv zu entdecken.

Unterdessen haben sich Marco und sein Team neuen Projekten zugewendet. Unter dem Namen "Hirn und Wanst" entstehen mittlerweile Filme und Fernsehformate sowie hervorragendes Essen – unter anderem für die Mensa der HFBK.

In der HFBK ist die Kunst zu Hause

Ein Besuch der Kunsthochschule ist aus unzähligen Gründen zu empfehlen. Zunächst ist sie idyllisch an der Mündung des Eilbekkanals in den Kuhmühlenteich gelegen. Da gerät selbst die Hauptstraße vor dem Haupteingang in den Hintergrund.

Für höchste Qualität in der Bildung stehen die zahlreichen Künstlerinnen und Künstler, die die Schule besucht haben. Vicco von Bülow alias Loriot, Horst Janssen, Otto Waalkes und Fatih Akin haben hier studiert. Friedensreich Hundertwasser, Joseph Beuys, Sigmar Polke, Wim Wenders und Marina Abramović gaben ihr Wissen als Lehrende an die Studierenden weiter.

(© Michael Penquitt )

Da wäre außerdem das beeindruckende Hauptgebäude. Fritz Schumacher hat es 1911 bis 1913 unter der Beteiligung der damals an der Hochschule unterrichtenden Künstler erbaut. Heute steht es unter Denkmalschutz. Begrüßt werdet ihr von einer imposanten Eingangshalle mit hohen Jugendstil-Fenstern, durch die das Sonnenlicht dringt. Die Aula mit seinem Wandgemälde voller Nackedeis ist ein Gesamtkunstwerk. Und die Bibliothek im zweiten Stock wirkt mit ihren Ledersofas wie einem Buch entsprungen.

Mensa mit kulinarischen Experimenten

Die Mensa findet ihr dagegen etwas versteckt im Untergeschoss. Im Sommer glänzt sie mit einem Zugang zur Terrasse, von der aus die Gäste einen Blick auf den Eilbekkanal haben. Aber auch der Innenraum überzeugt mit einer tollen Atmosphäre. Während die Hungrigen in der Schlange geduldig auf ihr Essen warten, sitzen die bereits Versorgten auf der anderen Seite des purpurroten Vorhangs zwischen Steinsäulen an langen Holztafeln und lassen es sich schmecken.

(© Michael Penquitt )

Denn das, was es hier gibt, ist in der Tat köstlich. Ob der Sesamspinat mit Röstkartoffeln und gebackener Tomate, die Hackbällchen auf Auberginenpüree, der koreanische Miso-Tofu-Eintopf oder die Fischfrikadelle mit Wasabi-Limetten-Stampfdie Speisekarte liest sich äußerst kreativ und anspruchsvoller als die der meisten anderen Mensen. Umso erfreulicher für den Gast dieser Mensa, dass die Erwartungen voll und ganz erfüllt werden. Im Anschluss gibt's noch einen Kaffee aus der Espressomaschine – auch damit kann nicht jede Mensa aufwarten.

Eine vegetarische oder vegane Speise bekommt ihr hier für 3 Euro, 3,50 Euro werden für "animalische" Speisen fällig. Jeden Mittwoch könnt ihr zudem ein Bio-Gericht für 7,50 Euro wählen. Einziges Manko: Bis vor Kurzem gab's für einen Euro einen Nachschlag. Das ist nun nicht mehr drin. Ist ja schließlich keine brotlose Kunst.

Info: HFBK Hamburg Mensa | Lerchenfeld 2, 22081 Hamburg | Öffnungszeiten Mensa: Mo - Fr 12 bis 15 Uhr, Kaffeklappe: Mo - Fr 9 bis 18 Uhr

Und noch ein letzter Tipp: Das Rezept für das sehr leckere selbstgemachte Brot findet ihr mittlerweile auf YouTube.

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