Laundrette-Besitzer Stephan Fehrenbach (© Mirjam Rüscher )

Die Laundrette: Für Waschgäste, Hipster und Alt-Ottenser

Politik und Kneipe sollte man trennen. Das hat Stephan Fehrenbachs Vater immer gesagt. Er selbst sieht das anders. „Gerade heute kann man das nicht“, sagt der 49-Jährige. Er ist der Besitzer der Laundrette in Ottensen und hier bezieht man ganz klar Position gegen Fremdenhass und Ausgrenzung.

Seit zehn Jahren gehört Stephan Fehrenbach die Waschbar an der Ottenser Hauptstraße. Immer wieder baut er etwas um, erfindet die Bar neu. Gerade überlegt er wieder, was er verändern könnte. Die Gäste erwarten das, sagt er. Außerdem liegt es ihm einfach nicht, die Dinge dauerhaft zu lassen, wie sie sind.

(© Mirjam Rüscher )

Das Konzept „Waschen und Bar“ hat er vom Vorbesitzer übernommen, doch ansonsten hat er den Laden komplett umgekrempelt. Er hat die Laundrette Stück für Stück zu dem gemacht, was sie heute ist - gemeinsam mit seinem Personal. „80 Prozent meines Ladens macht meine Crew aus“, weiß Fehrenbach.

Ich bin kein typischer Chef, ich akzeptiere die Menschen mit ihren Eigenheiten

Er hat in der Gastronomie gelernt, ein Studium der technischen Betriebswirtschaft angefangen, war Foto- und Filmassistent, hat im Messebau und als Werbetexter gearbeitet. Dann ging er zurück in die Gastronomie. „Ich bin kein typischer Chef, ich akzeptiere die Menschen mit ihren Eigenheiten“, sagt der gebürtige Freiburger. Kein Wunder, dass er eine Stamm-Crew hat, die seit Jahren zusammenarbeitet. Wie er, sind sie auf dem Kiez verwurzelt. „Sie sind alle ein bisschen Rock’n’Roll und politisch nicht in der konservativen Ecke zu Hause.“

In der Bar, auf einem Regal zwischen Rum und Wodka, steht der „Deutsche Radiopreis für die beste Programmaktion“. Ein sichtbares Zeichen seines Engagements, eines Engagements, das seine Crew und auch seine Gäste schätzen, meint Fehrenbach.

Ein Aufmarsch von Neonazis und Rassisten hatte sich für den 12. September 2015 in Hamburg angekündigt. Fehrenbach war wütend darüber. „Ich wollte diesen Vollpfosten nicht meine Stadt überlassen, sondern etwas tun“, erinnert er sich. Er setzte sich hin und schrieb einen Text, den er an alle Radiosender der Stadt schickte.

Und tatsächlich, folgten die Sender seinem Vorschlag. Acht Radiosender beteiligten sich an der Aktion. Um 12 Uhr am 12. September 2015 unterbrachen sie ihre laufenden Programme, verlasen einen gemeinsamen Text gegen Hetze, Hass und Gewalt und für ein demokratisches und vielfältiges Miteinander. Im Anschluss daran spielten alle gleichzeitig den Song „Imagine“ von John Lennon. Und nicht nur sie: „Ganz Hamburg wurde beschallt, alle Bahnhöfe des HVV, Taxen, die Budni-Filialen, viele Privatpersonen und sogar die Schiffe bei den Cruise Days machten mit.“ Stephan Fehrenbach ist immer noch bewegt, wenn er davon erzählt. Er hätte nie für möglich gehalten, dass sein Vorschlag so eine Wirkung haben würde. „Ich habe einfach gedacht, man kann weggucken, aber nicht weghören“, so Fehrenbach.

Wichtig ist nicht, wo die Menschen herkommen oder wie sie aussehen, sondern nur wer sie sind und wie sie sich verhalten.

Als die Programmaktion dann noch den Radiopreis gewann, war der 49-Jährige völlig überwältigt. „Ich saß im Publikum bei der Gala und habe Rotz und Wasser geheult“, sagt Fehrenbach. Der Preis sei ein Ritterschlag für die Sache an sich gewesen. Er selbst habe keine Auszeichnung bekommen, aber einer der Radiomoderatoren überließ dem Barbesitzer seinen Preis.

Der Barbesitzer Stephan Fehrenbach gewann 2016 den Radiopreis. (© Mirjam Rüscher )

Fehrenbachs Überzeugungen spiegeln sich in seiner Bar wieder. Er boykottiert Nestle-Produkte, die Milch kommt direkt vom Bauern. „Ich versuche meinen Stempel zu hinterlassen“, meint der Gastronom. Reich werde er damit nicht. „Aber wenn ich beim Sommerfest meine Mitarbeiter und unsere Stammgäste sehe, dann denke ich: Bingo. Alles richtig gemacht.“

Er kennt Ottensen seit Jahren. Es sei ein ganz spezieller Kiez. „Hier trifft sich alles und jeder“, so Fehrenbach. Waschgäste, neue Hipster, Alt-Ottenser – in der Laundrette sind sie alle willkommen. Wichtig ist Fehrenbach nicht, wo die Menschen herkommen oder wie sie aussehen, sondern nur wer sie sind und wie sie sich verhalten.

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