(© Ulrike Fischer )

Die Blumenkünstler aus der Bismarckstraße

Der Name "Das kleine Grüne" täuscht: Im Laden von Heiko Jungmichel gibt es mehr als 60 verschiedene Blüten, Blumen und Sträucher aus aller Welt.

Kann ein Blumenstrauß Kunst sein? Wer die Kompositionen vor der Tür von "Das kleine Grüne" genauer betrachtet, könnte glatt auf die Idee kommen: Da leuchten expressionistische Ministräuße aus Löwenmäulchen, Wicken und Rittersporn um die Wette, erinnern zartrosa Gebinde aus Glockenblumen, Klee, Levkojen und Akelei an alte Bauernmalerei, und die kleinen Moostöpfe mit Ranunkeln, Margeriten, Gräsern und Eukalyptus können glatt als Skulpturen durchgehen.

(© Ulrike Fischer )

Mehr als 60 verschiedene Blüten, Blumen und Sträucher aus aller Welt drängeln sich in dem kleinen Laden in der Bismarckstraße. Meisterflorist Heiko Jungmichel und sein Team erfinden immer wieder neue Kreationen – für Privatpersonen, diverse Anlässe, aber auch Firmen und Restaurants, die hier wöchentlich bestellen, und das bereits seit 13 Jahren. "Ein bisschen Blume, viel Blätter drum, Folie und Schleife kriegt man überall, bei uns geht es schon etwas besonderer zu", erzählt Heiko Jungmichel.

Ein Strauß kann sehr klein und doch sehr kostbar sein

Auf der Meisterschule lernte er, alles über Bord zu werfen, was Konventionen anbelangt: "Oft weiß ich anfangs nicht, worauf die Sache hinaus läuft, aber dann ergibt es sich wie von selbst. Wichtig ist mir ein bestimmte Wertigkeit, und dass sich der Charakter einer Blüte voll entfalten kann. Ein Strauß kann sehr klein und doch sehr kostbar sein", findet der Blumenkünstler. Außerdem schaut er sich seine Kunden genau an, fragt gern mal nach, wie denn die Person ist, die den Strauß bekommt.

(© Ulrike Fischer )

Auf die Frage, ob er ein Lieblingspflanze hat, lächelt er: "Ich finde an fast allen Blumen etwas Schönes, aber das Duftveilchen ist schon sehr besonders. Im Frühling blüht es schon, wenn sich die anderen noch gar nicht trauen, in der Vase hält es aber nicht sehr lange. Dieser Mix aus Zerbrechlichkeit und Kraft – das finde ich toll!" schwärmt der Florist.

Bewegte Geschichte

Und irgendwie passt das Veilchen auch zu Heikos und Jans gemeinsamer Geschichte. Denn so sehr Heiko Künstler ist, so wenig begeistern ihn Buchhaltung und Bilanzen. Was vor ein paar Jahren zu finanziellen Problemen führte. Betriebswirt Jan Lorenzen, der die Geschäfte heute leitet, jobbte damals bei Heiko: "Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass ich mal in ein Blumengeschäft einsteige. Aber als es eng wurde, habe ich – natürlich gemeinsam mit Heiko – das Ruder herum gerissen", erzählt er. Die beiden wurden ein Paar, heirateten sogar. "Eine unglaublich tolle Zeit", schwärmt Jan.

Und auch wenn die Liebesbeziehung nicht gehalten hat, geschäftlich rauften sich beide zusammen, "Das kleine Grüne" läuft heute tadellos. Heiko und seine Kolleginnen kümmern sich um die Kunst, Jan behält die Zahlen im Blick. Und die Kunden aus ihrem Viertel und weit darüber hinaus freuen sich weiterhin über die kunstvoll komponierten Sträuße.

(© Ulrike Fischer )

Heikos Tipps für die perfekte Straußpflege:

  • Schnittblumen immer mit einem scharfen Messer schräg anschneiden, nicht die Schere nehmen, damit drückt man mit die zarten Pflanzenkanäle eher zusammen
  • Wiesensträuße sind wunderschön, halten aber nicht so lange. Tipp: Täglich das Wasser wechseln und die Stiele anschneiden, Wiesenblumen lieben es frisch!
  • Sonnenblumen und andere „schleimende“ Pflanzen brauche ein heißes Wasserbad, damit sie nicht auslaufen. Nach dem Anschneiden die Stiele einfach zwei Sekunden in kochend heißes Wasser halten, das verschließt die Gefäße

Website: www.daskleinegruene.de

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