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"Die Altonaer Silberwerkstatt": Schätze für die Ewigkeit in neuem Glanz

Die Altonaer Silberwerkstatt erweckt angelaufenes oder kaputtes Silber zu neuem Leben und verhilft alten Familienschätzen zu ihren Glanzzeiten zurück. Seit acht Jahren leitet Maxi Hänschel den Traditionsbetrieb ihres Vaters.

Wer durch die Tür der Altonaer Silberwerkstatt geht, wird nahezu geblendet von so viel frisch poliertem Silber: Besteck, Suppenkellen, Eierbecher, Teekannen. In jeder Ecke der kleinen Ladenfläche glänzt und funkelt das Edelmetall. An einer Wand reihen sich neue Messer aneinander, in einer gläsernen Vitrine sind edle Kunstwerke, detailliert verzierte Kelche oder mit Glas gefertigte Schatullen ausgestellt. In einem Hinterzimmer warten gigantische, silberne Kerzenständer auf einen Käufer. Daneben lehnen ein paar Gehstöcke mit Griffen in Löwenform. "Wir sind ein typischer Fachhandel", erklärt Maxi Hänsch, die Inhaberin der Altonaer Silberwerkstatt. Das bedeutet für sie vor allem ausführliche Beratung – inklusive der Möglichkeit, die Produkte auszuprobieren. "Wenn du dich für den Kauf ein Kochmesser oder Brotmesser interessierst, dann haben wir meistens Gemüse oder Brot da, an dem du die Klingen testen kannst."

Maxi Hänsch (rechts) mit zwei ihrer Kollegen (© kiekmo )

Der Fachhandel in der Nähe der S-Bahn Holstenstraße ist ein Betrieb mit Geschichte. Schon 1877 gründete sich das Unternehmen "Silber-Specht" und betreute viele Jahre das Silber Hanseatischer Hotels. In den 70er Jahren begann Friedhelm Hänsch seine Lehre bei dem Betrieb. 1998 übernahm er ihn unter dem Namen "Altonaer Silberwerkstatt" schließlich ganz. Rund 10 Jahre später verstarb Friedhelm – und vermachte das Unternehmen seiner Tochter Maxi. "Er sagte mir immer: Maxi, andere können günstiger sein als wir, aber niemand darf besser sein." Nach diesem Leitspruch führt die Galvaniseurin seitdem den kleinen Betrieb.

Wenn altes Besteck zu Tränen rührt

Die Silberwerkstatt bietet ihren Kunden nicht nur Neuverkauf: Eine kleine Tür im hinteren Zimmer des Ladens führt in Räume voller Werkbänke, Wetzsteinen und Lötstationen. Hier entbeulen Maxi und ihre Kollegen altes Silber, schärfen Messer, löten undichte Stellen oder schenken den Gegenständen durch Versilberung und Polieren einen neuen Glanz. Acht Wochen dauert es, bis die Kunden ihr Eigentum wieder in den Händen halten können. Vor Weihnachten, wenn das alte Silber verschenkt oder das Besteck für Heilig Abend aufpoliert wird, kann es aber auch mal zehn Wochen dauern.

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Gerade warten auf der Werkbank einige alte Silbermesser und ein Kerzenständer auf ihre Reparatur. "Die Gegenstände vorher und nachher zu sehen ist das Schönste an meinem Job.", schwärmt Maxi. Einmal sei eine Dame in den Laden gekommen und wäre beim Anblick des alten Bestecks ihrer Großmutter in Tränen ausgebrochen. "Das hat sie einfach so an ihre Kindheit erinnert." Maxi schenkt dem Silber, das oft Jahrzehnte oder Jahrhunderte überstanden hat, ein neues Leben. "Das ist etwas ganz besonderes." Für sie ist es deshalb so schön, auch heute noch Silber zu verschenken. Im schnelllebigen 21. Jahrhundert, wäre das etwas, das ewig hält – zum Beispiel zur Taufe. Davon hätten die Kinder auch 40 Jahre später noch etwas. "Und wenn es ganz schlecht läuft, können sie’s auch einfach verkaufen", fügt Maxi lachend hinzu.

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"Frauen achten häufiger auf die feinen Details"

Auf die Frage, ob sie als Frau in der Handwerksbranche denn auffallen würde, antwortet sie mit einem klaren "Leider ja." Der weibliche Anteil sei in ihrem Beruf noch ziemlich klein. "Dabei hat ein Team aus beiden Geschlechtern große Vorteile", argumentiert Maxi. "Unter anderem bei der Qualitätskontrolle ist mir die Sichtweise von Männern und Frauen wichtig. Bei Männern steht die Funktion häufig im Vordergrund, bei Frauen die Ästhetik." Deswegen stehen neben Maxi noch eine Kollegin und zwei Kollegen in der Werkstatt. So sollen die Kunden den bestmöglichen Service bekommen, "damit wir auch weiterhin die erste Anlaufstelle für Silber und Messer bleiben."

Wo? Holstenstraße 188-194, 22765 Hamburg
Wann? Mo bis Mi und Fr 9 bis 18 Uhr, Do 9 bis 20 Uhr, Sa 10 bis 14 Uhr

Echtes Handwerk aus Hamburg

Traditionelles Handwerk und Einzelhandel werden immer mehr aus Hamburgs Vierteln verdrängt. Dabei gibt es vor allem in Altona und Ottensen einige magische Handwerksstuben zu entdecken. Ein Besuch bei der Geigenbaumeisterin Anneke Degen lehrt euch sicher einiges über den aufwendigen Herstellungsprozess einer Geige. Und wer beim Lederladen in der Bergiusstraße eine Bestellung aufgibt, bekommt das LIeblingsstück fürs Leben.

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