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Die Alsterperle: So ein Blick, so wunderschön wie dieser

Vor zwanzig Jahren war die Alsterperle eine öffentliche Toilette – in der vor allem randaliert wurde. Heute ist die winzige Gastronomie an der Außenalster ein beliebter Treffpunkt.

Auf der Terrasse der Alsterperle streicht ein Mitarbeiter die Tische und Bänke. Nur wenige Gäste sind da. Es ist früher Nachmittag an diesem noch etwas frischen Frühlingstag. Wer länger als dreißig Minuten vor der Tür ist, der bekommt bald spröde Lippen und kalte Ohren. In der Alsterperle gibt es nur ein Draußen, keine Gaststube. Robert Krug macht sich wegen der wenigen Kunden aber keine Sorgen: "Sobald die Sonne am Himmel steht, ist es voll", sagt er, an einem jener Tische stehend, deren Holz noch stumpf vom Winter und der vergangenen Saison ist.

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Robert Krug leitet den Service in der kleinen Gastronomie an der Außenalster. (© Sebastian Grundke )

Der 41-Jährige leitet den Service in der kleinen Gastronomie an der Außenalster. Wie die meisten der vier bis fünf festen Mitarbeiter ist er schon lange dabei: seit siebzehn Jahren. Damals hat er sich noch nicht um die Dienstpläne gekümmert – und auch nicht um die Aushilfen. Die heuert er meist im Sommer an, wenn die Kunden bis zum Weg Schlange stehen an der Alsterperle. Dann baut er draußen einen zweiten Schanktisch auf und einen Grill.

Vor zwanzig Jahren, im Herbst 1998, haben seine Chefs, die Restaurantbetreiber René Kurth und Sven Germann, die Winzgastronomie eröffnet. Die Sprinkenhof GmbH suchte damals eine Lösung für die rund um die Hamburger Außenalster verteilten Toilettenhäuschen. Die Aborte machten damals richtig Ärger: Die Kosten für die Instandhaltung waren enorm hoch, denn immer wieder gab es Vandalismus. Das wollte sich die Stadt Hamburg nicht mehr leisten.

Imbiss, Kiosk und Frischluft-Kneipe in einem – und Klohäuschen

Germann und Kurth schnappten sich das typisch hanseatische Backsteinhäuschen, erschlossen es mit Strom und allem Nötigen. Die Lage könnte kaum besser sein: direkt am Wasser, mit Blick auf das, was andernorts Skyline heißen würde – wären die Gebäude nicht so niedrig. Dazu ist es noch im Grünen gelegen und nahe einigen von Hamburgs feinsten Adressen. Doch der Deal mit der Stadt beinhaltete neben einer Pacht auch eine ungewöhnliche Bedingung: Die öffentliche Toilette musste bleiben. Noch heute kontrollieren die Behörden deshalb regelmäßig, ob dort alles sauber ist. Und auch deshalb ist die Alsterperle täglich geöffnet, von morgens früh bis hinein in den Abend.

(© Sebastian Grundke )

Eigentlich wollte Mitinhaber Sven Germann heute selbst vorbeikommen, um die Geschichte der Alsterperle zu erzählen. Doch dann kam ihm ein anderer Termin dazwischen. Sein Kompagnon war krank geworden. "Die Angestellten machen den Laden ja auch aus", findet denn auch eine Mitarbeiterin, die wie Krug schon lange dabei ist. Ab und zu schaue er nach dem Rechten, sei aber meist auch schnell wieder weg, sagt sie. Er ist dann in seinem Restaurant Zimmer 43 ein paar Straßen weiter. Das betreibt er ebenfalls mit René Kurth. Von dort kommt auch das Essen für die Alsterperle, etwa die Bohnensuppe.

Nicht, das hier ein falscher Eindruck entsteht: Die Alsterperle ist durchaus nobel, eine Art Imbiss, Kiosk und Frischluft-Kneipe in einem. Bloß eben zudem immer noch Klohäuschen. Ein und aus gehen hier Hamburger Geschäftsmänner und was dazu gehört. Dresscode: gesteppte Jacken, am besten auch bei den Hunden. Bloß wenn's wärmer wird und zum Abend hin mischt sich das Publikum. Dann ist die Alsterperle nicht nur Anlaufstelle für Menschen aus dem Viertel und einzelne Spaziergänger, sondern zieht ein buntes Publikum an. Auch bei Ausflüglern ist sie ein beliebtes Ziel. Die haben oft im Reiseführer von dem Laden gelesen. Dort wird die Alsterperle im selben Atemzug mit der Strandperle an der Elbe in Neumühlen-Övelgönne genannt.

Im Sommer, zur Hochsaison quasi, teilt sich Robert Krug die kleine Stube in der Alsterperle dann mit bis zu drei Kollegen. Auf gerade mal fünfzehn Quadratmetern, die obendrein vollgestellt sind mit Kaffeemaschine, Geschirr, Geschirrspüler, Kasse und Radio, arbeiten sie dann gemeinsam. Dann wird die Arbeit aufgeteilt: Bestellungen am Fenster entgegen nehmen, kassieren, Kaffee kochen und durch die Tür herausreichen, Geschirr einsammeln. Alles, damit die Gäste den Sonnenuntergang über Hamburg an der Alster mit Sekt oder Glühwein genießen können. "Es ist auch die lockere Atmosphäre, die den Laden ausmacht", sagt Krug.

Insofern ist der Laden ein Erfolg: Vandalismus, wie früher einmal im Klohäuschen, hat es, soweit Krug sich erinnert, nie mehr gegeben.

Autor: Sebastian Grundke

Info: täglich 8–21 Uhr; www.alsterperle.com

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