Der Herr der Wimmelbilder: Comickünstler Wittek

(© Jasmin Shamsi )

Wenn Wimmelbilder zur Kunstform werden: Der Ottenser Comiczeichner Thomas "Wittek" Wittke lässt banale Alltagsszenen in seinen Bildern lebendig werden. Mit sehr viel Kreativität und noch mehr Liebe zum Detail.

Alles begann mit einer Untermiete in Ottensen Mitte der 1990er Jahre: Der Comiczeichner Thomas "Wittek" Wittke verfiel dem Charme des einstigen Arbeiterviertels, er lernte Streetart- und Graffitikünstler kennen und entdeckte ungewöhnliche Orte wie "Mr. Feinbein", eine Art Lottoladen, der nebenbei auch Independent-Comics von Jochen Enterprises und Reprodukt im Angebot hatte. Seitdem kommt Wittek weder von Ottensen noch von der Welt der Comics los. Seit gut fünf Jahren lebt er hier mit seiner Familie und fährt jeden Tag in sein Atelier in der ehemaligen Viktoria-Kaserne in Altona-Nord.

Das alternative Flair, die liebevollen Details im Viertel – er glaubt zu wissen, dass die Plakate über dem Eingangsbereich des Zeise Kinos noch von einem Plakatmaler gestaltet werden –, die kleinen Szenelokale, aber auch die noch verbliebenen, alteingesessenen Seemannskneipen machen den Stadtteil für Wittek zu einem der lebenswertesten in Hamburg. Sein Frühstück genießt er am liebsten im Café Veloso in der Friedensallee. Im Fischers Park, unter Ottensern auch "Fischi" genannt, lässt er seine Kinder toben. Wenn er mal Ruhe braucht, um über die nächste Bildidee nachzudenken oder seinen Gedanken nachzuhängen, setzt sich der große, schlaksige Künstler nach einem längeren Spaziergang durchs Viertel am liebsten an den Alma-Wartenberg-Platz, um das bunte Treiben auf der Straße zu beobachten.

Der Herrscher übers kreative Chaos: Künstler Wittek bei der Arbeit. Wittek )

Wimmelbilder von Hamburg

Graffitikünstler, die Züge besprühen; ein Journalist mit gezücktem Mikro und Tonbandgerät vor dem Lessingtunnel; eine Häuserfassade mit einem Schweinsgesicht; wildes Gehupe von kreuz- und querfahrenden Autos – in seinem 2013 für den Comiczeichner-Kollegen Ulf Harten entstandenen Wimmelbild "Ottensen Total" steckt unheimlich viel Arbeit und Liebe zum Detail. Alles ist aufwändig per Hand gezeichnet, ganz traditionell mit Bleistift auf Papier. In den Jahren darauf folgten Wimmelbilder von Hamburger Parkanlagen für die Behörde für Umwelt und Energie. Vor einigen Monaten hat der Künstler mit einem Wimmelbild seiner Heimatstadt Dinslaken begonnen, das sich aus zwölf Teilen zusammensetzt und als Kalender veröffentlicht werden soll. Den Arbeitsaufwand schätzt der Künstler auf zwei Jahre – was im Vergleich zu seiner dreiteiligen, historischen Comicserie mit dem Titel "Bila Hora" (tschechisch für "Weißer Berg") ein Klacks ist: Zusammen mit einem Kollegen, der für das Skript zuständig ist, tüftelt Wittek an dem Mammutprojekt seit 2006. Während die ersten Jahre für Recherche und Skizzen draufgingen, folgten später die Entwicklung eines Zeichenstils und grobe Vorskizzen sowie schließlich die Reinzeichnungen.

Regelmäßig trifft sich Wittek mit Comiczeichner-Kollegen in seinem Atelier oder im Hof der ehemaligen Viktoria-Kaserne, einem gemeinschaftlich betriebenen Produktionsort für Kunst- und Kulturschaffende. Gemeinsam schauen sie sich dann ihre Arbeiten an, geben Verbesserungsvorschläge und Tipps, fachsimpeln und vernetzen sich.

Ein Stück Heimat für die eigene Wohnzimmerwand? Das "Ottensen Total"-Poster gibt es über Witteks Homepage zu kaufen. Wittek )


Ein Stück Heimat für die eigene Wohnzimmerwand? Das "Ottensen Total"-Poster gibt es hier.

Weitere Infos:
Jeden letzten Dienstag im Monat gibt Wittek auch einen Comiczeichenkurs für Anfänger und Fortgeschrittene. Wer Lust hat, schaut einfach mal vorbei. Treffpunkt ist jeweils um 19 Uhr in Raum 314 der Viktoria-Kaserne, die Teilnahme kostet 15 Euro. Kontakt zum Künstler könnt Ihr ganz einfach per Mail oder über seine Homepage aufnehmen.

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