Der Geisterspielplatz in Eimsbüttel (© kiekmo )

Geisterspielplatz in Hoheluft-West: Zwischen Ruinen und Abenteuern

Bei einem Spaziergang durch Eimsbüttel entdeckt unsere Stadtteilreporterin Shunka Gilberg den Geisterspielplatz. Auf dem verlassenen Gelände macht sie eine interessante Bekanntschaft. Was sie erlebt hat, lest ihr hier.

Bei einem Streifzug durch meine Nachbarschaft entdecke ich einen Hinterhofdurchgang und laufe durch. Ich lande auf einem abgelegenen Gelände. Reste eines Torbogens und Überbleibsel von Mauern aus weinrotem Backstein stehen um den Platz. Die Ruinen deuten wage die Umrisse eines weitläufigen Hallenkomplexes an. Haselnuss- und Holundersträucher stehen in kleinen Gruppen hinter den alten, zum Teil verfallenen Fensterbögen. Der Platz ist mit Kopfstein gepflastert und wilde Gräser säumen die Fugen zwischen den Steinen. Blanke, glänzende Schienenstränge verzweigen sich zu Weichen, die in der Sonne schimmern. Ein Baum steht auf einer mit Gras bewachsenen Anhöhe und markiert den Ort, wo einmal das Zentrum der Halle gewesen zu sein scheint.

Das Alte Fabriktor ist jetzt der Eingang zum Geisterspielplatz (© kiekmo )

Ein Spielplatz wie eine ausgeleerte Spielzeugkiste

Zwischen den Ruinen ist ein verlassener Spielplatz. Der Ort sieht aus wie eine mit Schwung ausgeleerte Spielzeugkiste. Alles ist heraus gepurzelt und da liegen geblieben, wo es hinfiel. Eine Stimme unterbricht meine Beobachtung: „Du wirfst das doch nachher weg, oder? Oder!“ Ein schmaler, gräulich wirkender Typ mit Nickelbrille und Wollmütze blickt mir frontal ins Gesicht. Er hat eine Hand zur Faust geballt und stemmt sie in seine Hüfte. Mit der anderen zeigt er auf eine Flasche, die auf dem Boden liegt. Reflexartig antworte ich "Das ist nicht meine". Jetzt wirkt er aufmerksam. Es folgt ein Monolog über die gesellschaftliche Verantwortung, die jeder von uns trägt und über meine Geisteshaltung im Speziellen. Ich hebe die Flasche also auf und lege sie behutsam in den nahestehenden Mülleimer. Das beruhigt ihn anscheinend – er lächelt jetzt. Zur Belohnung erzählte er mir die Geschichte dieses Ortes.

Zerfallene Fensterbögen der ehemaligen Fabrik (© kiekmo )

Früher Betreibshof, heute Geisterspielplatz

Der Mann erzählt: Die Hamburg-Altonaer Trambahn-Gesellschaft errichtete 1888 ein Pferdebahndepot. Zu dem Betriebshof Gärtnerstraße gehörten Pferdestallungen, Werkgebäude und Dienstbotenwohnungen. Ende des zweiten Weltkriegs wurden die Gebäude von Bomben getroffen und zerstört. Eine verkohlte Ruine blieb dort zurück, wo es heute so scheint, als würden nur noch Gespenster hausen. Die losen Steine, die bei der Zerstörung liegen geblieben sind, wurden in den 90er-Jahren für den Bau einer Spielfläche verwendet. So entstand der Geisterspielplatz.

Nachdem er seine Geschichte erzählt hat, blickt er mich an, wie ein Schauspieler, der am Ende einer Vorstellung ins Publikum schaut. Ich bedanke mich artig und sehe im Gehen, wie der Mann ein Schild rechtwinklig zum Zaun ausrichtet. Ich vermute, der Geist der Vergangenheit war nur kurz zu Besuch.

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