(© Piet Eckert und Wim Eckert )

Das Pergolenviertel: Winterhudes neues Vorzeigequartier am Stadtpark

Kommt nicht oft vor, dass in Hamburg auf einen Schlag 1400 Wohnungen entstehen. Und schon gar nicht mit anspruchsvollem Konzept. In Winterhude werden 2020 die ersten Menschen ins Pergolenviertel ziehen.

Grauer Waschbeton, winzige Grünflächen und vor jeder Tür drei Autos: Neubaugebiete können so richtig öde sein. In Winterhude entsteht gerade ein Gegenentwurf. Dem Pergolenviertel könnt ihr quasi live beim Wachsen zusehen. Ist es fertig, werden Arkadengänge schon von weitem zu erkennen sein. Es entsteht ein Ort, an dem der für Winterhude so typische Backstein eine Renaissance erlebt. Wer später umherstreift, wird lichtdurchflutete Innenhöfe entdecken, wo jetzt noch Bagger und Kräne schaufeln und sich drehen. Wir besuchen eine der größten Baustellen im Hamburger Stadtgebiet. Benannt nach jenen aus Gärten bekannten Bögen, die sich nach Fertigstellung hier überall finden werden. Pergolen eben.

Eine Hommage an Oberbaudirektor Fritz Schumacher

Im Viertel entstehen seit 2016 insgesamt 1400 Wohnungen, die nicht zufällig an ein Quartier aus der Zeit des legendären Hamburger Oberbaudirektors Fritz Schumacher erinnern. Das Projekt kommt an: Sämtliche Baufelder sind vergeben. Das mag an der Mischung liegen, die in dem Viertel geboten wird - zum ruhigen Stadtpark sind es nur wenige Gehminuten. Trotzdem ist das Pergolenviertel citynah gelegen. Erschlossen wird es in mehreren Stufen. 2020 sollen die ersten Menschen einziehen. Sozialprojekte sollen eine Heimat finden. Beteiligung der Bürger war von Anfang Kernthema. Es gibt sogar ein Forum, das öffentlich und regelmäßig tagt.

Kleingärtner mussten weichen

Ein paar Fakten: Die 27 Hektar große Fläche, auf der das Pergolenviertel entsteht, liegt im Bezirk Hamburg-Nord, zwischen Hebebrandstraße und Alte Wöhr. Auf einem Großteil der Fläche gab es zu Planungsbeginn 330 Kleingärten. Einige Schreber durften bleiben, ihre Parzellen fügen sich ins Gesamtkonzept ein. Andere Kleingärtner mussten ausweichen – etwa an die Saarlandstraße und nach Langenhorn. So konnte ein großer Teil der Kleingärten erhalten beziehungsweise an einem anderen Ort ersetzt werden.

Michael Kohls )

Rund acht Hektar der Gesamtfläche werden mit 1400 Wohnungen bebaut – 60 Prozent davon öffentlich gefördert und insofern vergleichsweise günstig zu mieten. Die Gebäude werden drei- bis achtgeschossig hochgezogen. Begabte Architekten durften sich austoben. Sie setzen unter anderem auf große und grüne Innenhöfe, ähnlich wie in der nicht weit entfernten Jarrestadt. Sieben Hektar des Pergolenviertels werden laut Planern für Parkflächen, Spiel- und Bolzplätze reserviert. Die Planung berücksichtige nahezu alle größeren Laubbäume im Bestand, die somit erhalten werden könnten, so heißt es.

Jahnring: Kunst im Tunnel

Neu gestaltet wurde bereits eine Unterführung. Lange war der Fußgängertunnel unter dem Jahnring in Winterhude eine Angströhre: kaum genutzt und von Anwohnern als Schandfleck wahrgenommen, weil düster und vermüllt. Viele Fußgänger machten einen weiten Bogen um die 50 Meter lange Unterführung. Das hat sich geändert. Der Tunnel wurde von Grund auf gereinigt, die Wände gesäubert, versiegelt und grundiert. Im Anschluss haben Künstler die Unterführung komplett neu gestaltet. Auf einer Fläche von rund 600 Quadratmetern zieren nun Graffiti von mehr als 25 Sprayern die Wände. Die Beleuchtung wurde ebenfalls erneuert, alles wirkt heller und freundlicher.

Das Pergolenviertel in Winterhude ist fraglos eines der größten Wohnungsbauprojekte der Stadt. Schon vor rund einem Jahrzehnt wurde die Idee geboren, auf dem Gelände von Schrebergärten neben der City Nord einen neuen Stadtteil zu errichten. Klar, es gab auch Gegner, manch einer fürchtete um den Charme der Umgebung. Nicht nur die ungewöhnlich hohe Anzahl an öffentlich gefördertem Wohnungsbau überzeugte letztlich auch manchen Kritiker. Geplant sind im Quartier auch Wohngruppen für Senioren und Menschen mit Behinderung. Zudem wird es kleine Einzelhändler geben.

Ein möglichst autofreies Wohnviertel

Um die 4000 Menschen werden im Pergolenviertel leben. Die Planer wüschen sich, dass viele von ihnen auf ein Auto verzichten. Das Areal soll bundesweiten Modellcharakter für den Radverkehr bekommen. Vier Millionen Euro wird der Bund beisteuern. "Klimaschutz durch Radverkehr" nennt sich ein Förderprogramm, das darauf setzt, in Stadtteilzentren die Lebensqualität zu verbessern und Luftverpestung einzudämmen. Das Grundkonzept für das Viertel beruht auf Ideen des Schweizer Architekturbüros E2A und orientiert sich an der Architektur der 1920er Jahre, die sich durch ihre Backsteinarchitektur und offenen Innenhöfe auszeichnet. Lebensqualität à la Winterhude eben.

Info: Das Forum Pergolenviertel ist unabhängig und überparteilich. Die Tagungen sind öffentlich.

Alles Backstein

Backsteinbauten sind typisch für Winterhude – wir haben uns auf die Spuren von Fritz Schumacher gemacht.

Melde dich für unsere kostenlose Zusammenfassung aller News aus deinem Viertel an. Jede Woche neu.

Jetzt kostenlos anmelden

Weitere Artikel aus deinem Viertel

kiekmo verbindet Hamburger mit ihrer Stadt, ihrem Viertel, ihren Nachbarn.

Suche und biete, was du brauchst oder kannst, entdecke ständig Neues und nutze die kostenlosen Schließfächer der Haspa-Filialen in deiner Nähe.