(© Marcel Kuhls )

Clubkinder-Kampagne "#fckstraws": Mit Strohhalm? Nein, danke!

Durch Plastikmüll droht den Ozeanen der Kollaps und Meerestieren der Tod. “Fuck Straws“ – sagen die Clubkinder und die Green Music Initiative und wollen Plastikstrohhalme aus den Drinks der Hansestadt verbannen.

Gigantisch ist die Menge an Plastikstrohhalmen, die in Hamburger Bars und Clubs in nur einer Nacht über den Tresen geht. "Ständig in jeden Drink einen Strohhalm zu stecken, ist dumme Gedankenlosigkeit", sagt Ole Müggenburg. Der Sprecher des gemeinnützigen Clubkinder e. V. hat gemeinsam mit der Green Music Initiative in Hamburg die Kampagne #fckstraws an den Start gebracht hat – für ein nachhaltiges Nachtleben. Dabei sind Hamburgs Gastronomen gefordert: Möwe Sturzflug, Central Park und Moondoo ziehen schon mit. Ein Sticker an der Theke soll die Gäste auf die Aktion und das Plastikproblem aufmerksam machen. "Wir wollen das Thema mit Spaß vermitteln und nicht als Moralapostel auftreten", so Ole. Ein kleiner erster Schritt auf einer großen Mission, die mühsam, aber nicht aussichtslos erscheint.

Schwimmende Gefahr

Mit ihrer Initiative kommen Ole und seine Mitstreiter der EU-Kommission zuvor: Die gab im Mai dieses Jahres in ihrer Plastikstrategie bekannt, dass sie Strohhalme und andere Einwegprodukte verbieten will, um die Müllflut einzudämmen. Doch die Mühlen der Bürokratie mahlen äußerst langsam und vor 2019 wird es voraussichtlich keine verbindlichen Gesetze geben.

700 Kilogramm Plastikmüll landen jede Sekunde in den Ozeanen. Die EU-Kommission untersuchte 2017, woraus dieser zusammengesetzt ist. Das Ergebnis: Strohhalme werden besonders häufig an den Stränden angeschwemmt. Allein in Deutschland werden jährlich 40 Milliarden von ihnen verbraucht. Ein Video, das 2017 viral ging, zeigt, wie sich ein Strohhalm im Nasenloch einer Meeresschildkröte verfängt – sie atmet schwer und blutet. Vor allem die dünne, längliche Form des Trinkhalms ist ein Problem, da sie die schädliche Wirkung potenziert. Die Tiere halten den Halm für Futter, verschlucken das unverdauliche Teil und verhungern dann mit vollem Magen. Auch wenn Strohhalme nur einen kleinen Teil des Mülls ausmachen – sie sind ein Symbol für die Milliarden Tonnen von unsinnigem Plastikmüll, der in den Meeren landet.

Pioniere hinter der Theke

"Indem wir zukünftig keine Plastikstrohhalme mehr verwenden, wollen wir unsere Gäste für dieses Thema sensibilisieren", sagt Alexander Kulick, Co-Betreiber vom moondoo auf der Reeperbahn. Er und sein Team wollen den Strohhalm nicht verdammen, sondern suchen nach Alternativen aus Glas und Maisstärke. Keine leichte Aufgabe, denn die umweltfreundliche Variante ist teuer und für die Gäste erst mal ungewohnt. "Das große Umdenken hat noch nicht stattgefunden", sagt Alexander. "Die Gastronomie ist nicht auf Nachhaltigkeit ausgelegt.“ Nach dem Benutzen müssen die Strohhalme eingesammelt, zwischengelagert und dann in der Spülmaschine gereinigt werden. All das kostet mehr Zeit und Aufwand, als Plastikmüll wegzuwerfen. Doch Alexander nimmt die Herausforderung an und will zeigen, dass es auch anders geht. Im moondoo schlürfen die Gäste seit Juni ihren Drink durch einen Glashalm. "Wir sind weit davon entfernt, ökologisch perfekt zu sein. Aber wir wollen uns dem Thema öffnen und neue Wege gehen."

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