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Clubkinder Hamburg: "Es bedarf Träumern, um die Welt zu verändern"

Die "Clubkinder" haben Hamburg in den vergangenen Jahren gezeigt, dass Gutes zu tun auch Spaß machen kann. Zum 7. Geburtstag des gemeinnützigen Vereins haben wir mit den Gründern Joko und Jannes gesprochen – über Höhen, Tiefen und Zukunftspläne.

Konzerte, Partys, Tagebuchlesungen – die Clubkinder-Events sind aus den Hamburger Veranstaltungskalendern nicht mehr wegzudenken. Sogar einen eigenen Club haben sie auf der Reeperbahn: das "Unterm Strich". Der Name ist Programm, denn unterm Strich ist alles, was die Clubkinder tun für den guten Zweck – und das am 1. September 2018 bereits seit sieben Jahren. In dieser Zeit haben sie mit ihren verschiedenen Event-Formaten siebenstellig Leute begeistert, Spenden in Höhe eines sechsstelligen Betrags gesammelt und damit fünfstellig Menschen geholfen.

Das Clubkinder-Credo: Events, die Laune machen

Gegründet haben den gemeinnützigen Verein die beiden Freunde Jannes Vahl und Joko Weykopf. Das war 2011. Damals gab es bei Facebook noch nicht die Möglichkeit, Veranstaltungen zu veröffentlichen. Auch junge Online-Stadtmagazine gab es kaum. Ihre Idee daher: Eine Online-Plattform für den guten Zweck, auf der Menschen Veranstaltungen einstellen und andere zusagen können, was wiederum anderen Freunden online angezeigt wird. Eine schöne Idee – fand Mark Zuckerberg offenbar auch. Denn kurz vor Livegang der teuer programmierten Plattform wurde Facebook um genau dieses Feature erweitert. Das war ein ziemlicher Rückschlag für die beiden. Trotzdem wollten Jannes und Joko etwas Gutes für ihre Stadt tun und fingen an, Eventformate zu entwickeln, die Menschen Spaß machen und anderen helfen. Ganz nebenbei haben sie so, wie auch die Jungs und Mädels von Viva con Agua, in den vergangenen Jahren Charity-Arbeit in Hamburg verjüngt und für eine breitere Zielgruppe "cool" gemacht.

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Heute sind über 1.000 Menschen als freiwillige Helfer in der Facebookgruppe registriert, ungefähr 300 davon helfen regelmäßig, 30 bilden den festen Kern der Clubkinder. Helfen wollen sie dort, wo es Probleme oder sozialen Bedarf in der Stadt gibt. So entstand zum Beispiel das Clubkinder-Notprogramm für Obdachlose im vergangenen Winter. Während der Zeiten, in denen die Einrichtungen der Stadt geschlossen waren, haben die Clubkinder kurzerhand ein eigenes Café eröffnet, in dem sich Obdachlose aufwärmen konnten. Dem Verein liegen aber nicht nur große Projekte am Herzen. Auch wenn sie mitbekommen, dass einzelne Personen Hilfe brauchen, nehmen sie sich dem an. Zum Beispiel, wenn sie von einem Geflüchteten erfahren, dass er früher als Grafik-Designer gearbeitet hat, ihm aber hier ein Computer fehlt, um seinen Beruf auszuüben.

Die Clubkinder helfen, wo es Bedarf gibt

Für die vielen verschiedenen Projekte kann der gemeinnützige Verein immer noch mehr fleißige Helfer gebrauchen. "Es ist eine Stärke der Clubkinder, dass Menschen in den Bereichen mithelfen können, die zu ihnen passen. Wenn zum Beispiel Sozialarbeit nichts für sie ist, sie aber dafür Bock haben einen Flyer zu gestalten, ist das doch super", erklärt Jannes. Die beiden Clubkinder-Gründer geben Engagierten mit diesem Konzept die Möglichkeit, etwas Gutes für die Gesellschaft zu tun, das auch noch Laune macht. "Ich finde, das Ehrenamt hat es insgesamt verdient, dass man die Geschichten dahinter so erzählt, dass es Menschen interessiert. Immer nur auf die Tränendrüse zu drücken, funktioniert meiner Meinung nach nicht", so Jannes. "Wir wollen zeigen, dass es auch mit Spaß, Gästeliste, Promis und mit guten kommunikativen Ideen geht."

Clubkinder-Gründer Joko Weykopf und Jannes Vahl. Julia Schwendner Fotografie )

Menschen können gerne glauben, dass wir Träumer sind, aber es waren schon immer die Träumer, die die Welt verändert haben.

Mit diesem Ansatz haben die Clubkinder einen kommunikativen Wandel für Charity-Arbeit in der Stadt eingeläutet. Ein Wandel, der vielleicht dringend notwendig war, weil die Zielgruppe, die sie damit ansprechen wollen, anders tickt als früher. "Ich denke wir Jüngeren haben bei der Generation unserer Eltern gesehen, dass dieses 'Dagegensein' im Grunde nichts verändert. Man kann gegen etwas sein, aber dann muss man auch einen anderen Vorschlag machen", so Joko. "Menschen können gerne glauben, dass wir Träumer sind, aber es waren schon immer die Träumer, die die Welt verändert haben. Wenn wir alle die Haltung annehmen, dass ohnehin schon alles gelaufen ist und wir nichts mehr daran ändern können, dann wird das auch genauso eintreten."

Auch Clubkinder haben mal einen schlechten Tag

Für diese Überzeugungen investieren Joko, Jannes und der Rest des festen Clubkinder-Teams sehr viele Zeit. "Sämtliche Freizeit, die wir haben, geht für das Ehrenamtsmanagement drauf und natürlich sind auch wir Menschen, die mal schlechte Tage haben, an denen man sich fragt, was mit der Welt eigentlich nicht stimmt. Dann stellt man in Frage, ob das, was man tut überhaupt genügend Impact hat, um irgendetwas zu verändern", erzählt Jannes. Dass dem aber schon so sei, merke er dann, wenn die Tagebuchlesungen im Grünspan bis auf den letzten Platz ausverkauft sind oder sie dem Kinderschutzbund eine fünfstellige Summe überweisen können. "Das hält einen auf jeden Fall bei Laune!"

Glücklicherweise! Denn auch für das nächste Clubkinder-Jahr sind wieder viele tolle Aktionen und Eventformate angesagt. So planen Joko und Jannes derzeit ein weiteres Obdachlosenprojekt und eine Veranstaltungsreihe in Hamburger Altenheimen. Viele schöne Dinge also, auf die sich die Hansestadt freuen kann. Helfen ist schließlich der größte Spaß.

Info: Weitere Infos zu den Clubkindern und ihren Veranstaltungen findet ihr auf der Facebookseite des Vereins.

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