Christoph Zettler: Der Mann mit der Kochtüte

Aus seinem Lastenfahrrad verkauft Christoph Zettler vorgepackte Essensportionen. Ob Avocado-Petersilien-Pasta oder Allgäuer Käsespätzle – mit "Chris' Kochtüte" kann jeder kochen.

"Nichts Vegetarisches heute?", will eine junge Dame im Vorbeigehen wissen. "Morgen wieder", antwortet Christoph Zettler ihr mit einem Lächeln und erklärt dann: "Viele Kunden kenne ich inzwischen. Es gibt natürlich solche, die nur vegetarische Kochtüten kaufen, aber auch einige Hardcore-Fans, die fast jeden Tag eine Tüte mitnehmen." Seit knapp drei Jahren verkauft der 35-Jährige "Chris' Kochtüte". Dabei handelt es sich um vorgepackte Essensportionen. Die Tüten enthalten jeweils ein Rezept sowie alle dafür nötigen, frischen Zutaten. Nur Salz, Pfeffer, Öl und Essig muss man selbst vorrätig haben.

Eigentlich hat Christoph Wirtschaftswissenschaften studiert. "Ich hatte aber schon mein ganzes Leben den Wunsch, eines Tages mal etwas Eigenes zu machen", sagt der gebürtige Allgäuer. "Und da ich immer gerne gekocht habe, kam ich auf die Idee mit der Kochtüte. Es ist doch total nervig, nach der Arbeit völlig kaputt und mitten in der Rush Hour in den Supermarkt zu müssen. Ich dachte mir: Wie cool wäre es, wenn an meiner S-Bahn-Station jemand stehen würde, der fertig vorbereitete Kochtüten verkauft?"

(© Till Wolfer )

Angefangen hat Christoph an der U-Bahn-Station Hoheluft, inzwischen steht er (oder ein Kollege) mit seinem Lastenfahrrad auch am ZOB in Altona, von Montag bis Freitag zwischen 16.30 und 19 Uhr. Darüber hinaus ist Chris' Kochtüte im Blumenladen am U-Bahnhof Schlump erhältlich (Montag bis Freitag 10 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag 10 bis 17 Uhr). An guten Tagen macht er mit seinen Kochtüten bis zu 80 Menschen satt. Es gibt sie für eine oder für zwei Personen. Die Einzelportion kostet um die sechs Euro, die doppelte meist zwischen zehn und zwölf Euro.

Linsenchili oder doch lieber Avocado-Pasta?

Zu Christophs persönlichen Favoriten gehören das rote Linsenchili mit Cheddar, mexikanische Quesadilla mit Guacamole und Sour Cream und die Avocado-Petersilien-Pasta mit angerösteten Walnüssen. "Nudeln gehen eigentlich immer gut", sagt er. "Aber auch die Allgäuer Käsespätzle oder der Ziegenkäse-Burger mit Preiselbeeren und Feigensenf kommen sehr gut an." Die Rezepte denkt sich Christoph selbst aus. Wenn er bei Freunden zu Gast ist, schnappt er sich oft als erstes deren Kochbücher und blättert darin. "Ich habe aber auch schon Rezepte von meiner Mama und meinen Schwestern benutzt, oder welche von Freunden und Stammkunden bekommen." Hauptsache die Rezepte passen zu seiner Koch-Philosophie: Möglichst einfache Zubereitung, aber mit dem gewissen Etwas. Kein Schnick Schnack, sondern lieber wenige, aber dafür sorgfältig ausgewählte, frische Zutaten, vor allem frische Kräuter.

Beim Einkauf achtet Christoph darauf, möglichst regionale und saisonale Produkte zu verwenden – was natürlich nicht immer geht, weil Avocados nun mal nicht in Deutschland wachsen. Mit seinem Lastenfahrrad geht es jeden Morgen zum Großmarkt St. Pauli, anschließend packt er die Tüten in einer vom Gewerbeamt abgenommenen Küche. "Die Leute denken immer, es gehe ratzfatz, eine paar Sachen in eine Tüte zu packen", sagt er. "Aber tatsächlich steckt da eine ganze Menge hinter."

Christophs größte Motivation ist es, die Leute mit seinen Kochtüten zu inspirieren. Dazu, Neues auszuprobieren und überhaupt die Liebe zum Kochen zu entdecken – so wie er einst. "Als ich sechs oder sieben Jahre alt war, hat meine Mutter mich in einen Kochkurs für Kinder gesteckt", erzählt er. "Erst fand ich das natürlich total doof, aber als der Kurs erst einmal angefangen hatte, hat er mir total viel Spaß gemacht. Ich glaube jeder Mensch isst gerne gut. Manche wissen es vielleicht noch nicht, aber in jedem von uns steckt ein Genießer."

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