Hier fühlen sich die BVB-Fans in Hamburg pudelwohl. (© Achim Multhaupt )

BVB-Kneipe "Dreißig": Wo Hamburg schwarz-gelb ist

In Dieter Sawatzkis Kneipe "Dreißig" schlägt seit mehr als zehn Jahren das Herz aller in Hamburg beheimateten Fans von Borussia Dortmund. Wir haben Dieter und seinem schwarz-gelben Fußballtempel einen Besuch abgestattet.

Roman Bürki kann nur noch hilflos zusehen, wie der Ball ins Tor rollt. Im Fernsehen brandet Jubel auf. In der Kneipe ist kein Laut zu hören. In der Totenstille wirkt das Rauschen aus der Röhre wie ein Störgeräusch. Regungslos, wie in Schockstarre, stehen die schwarz-gelb gekleideten Kneipengäste im Raum. Erst als die Wiederholung auf dem Bildschirm gezeigt wird, regt sich langsam etwas. Die Analysen beginnen. "Wieso macht er das?" "Wo steht der denn?"

Das Spiel läuft weiter und langsam fangen sich die Gäste der Kneipe "Dreißig" wieder. Hier an der Fruchtallee, fast auf der Grenze zwischen Eimsbüttel und Altona, schlägt das Herz des BVB in Hamburg. In der Kneipe von Dieter Sawatzki sammeln sich seit Jahren Spiel für Spiel die Dortmund-Fans der Stadt.

Wirt Dieter hatte mit Fußball nichts am Hut

Vor mehr als zehn Jahren fing Dieter Sawatzki mit dem "Dreißig" an. Anfangs gab es hier nichts Schwarz-Gelbes. "Ich hatte mit Borussia Dortmund nichts am Hut", sagt Dieter. In der Kneipe gab es einen Fernseher, aber dort wurden HSV-Spiele gezeigt. Als Dortmund 2009 in der Europa League spielte, kamen ein paar Jungs zu Dieter in die Kneipe und fragten, ob sie am Abend das Spiel sehen könnten. "Die waren nett und ich dachte, da kann man ja was draus machen", erzählt er.

Eine Google-Suche zeigte dem Gastronomen, dass eine BVB-Kneipe in Hamburg eine echte Marktlücke wäre. Eine Weile recherchierte Dieter. Er machte sich Sorgen, ob es Ärger geben könnte, wenn er eine Dortmund-Kneipe aus seinem Laden machen würde. Er fürchtete Vandalismus. Außerdem musste er sich erst einmal informieren, was das eigentlich genau für ein Verein ist, diese Borussia aus Dortmund. Seine Vergangenheit, seine Besonderheiten – Grundlagenforschung eben. Ihm muss gefallen haben, was er las, denn zwei Wochen später war die Entscheidung gefallen: "Ich habe ein bisschen Schwarz und Gelb reingesteckt und dann ging es los“, erinnert sich Dieter.

Dieter Sawatzki gibt BVB-Fans ein Zuhause. (© Achim Multhaupt )

Aus einer Handvoll Fans wurden schnell zwei oder drei Hände, von Spiel zu Spiel fanden mehr Borussen den Weg in seine Kneipe. Und im Laufe der Jahre wurde aus dem "Dreißig" eine echte Borussen-Kneipe – mit Dortmunder Bier, schwarz-gelben Schriftzügen, Fahnen und jeder Menge Schals an der Decke. Den Gang im hinteren Teil der Kneipe zieren Fotos von Fangruppen bei Auswärtsspielen. An manchen Spieltagen müssen die Gäste weit vor Spielbeginn da sein, um noch einen Sitzplatz zu bekommen. Aber die meisten stehen sowieso.

Das "Dreißig" wurde zu einer Institution. Dass es eine BVB-Kneipe in Hamburg gibt, sprach sich herum. Dieter und seine Sportsbar schafften es sogar in ein Fanbuch, sechs Seiten in "Dortmunder Jungs. Unser Leben für den BVB" handeln von Dieter. Denn mit den Fans kam auch bei ihm das Interesse an Fußball. "Früher war es mir völlig egal, wer da ein Tor schießt. Aber das hat sich komplett geändert." Heute identifiziert sich Dieter mit den Jungs. Wenn der BVB verliert, leidet er mit ihnen. Mit den Spielern, seinen Gästen, dem Verein.

Im "Dreißig" schlägt das Borussen-Herz.

Das liegt für Dieter vor allem an der Stimmung in seiner Kneipe: "Dass ich auf meine alten Kneipentage nochmal erleben durfte, so durchzustarten, ist für mich ein tolles Ding", sagt er, der die 60 bereits überschritten hat. Als die Sache mit dem BVB anfing, wollte er gerade sein Sky-Abo kündigen und gar keinen Fußball mehr zeigen, weil es sich nicht mehr lohnte. Wie gut, dass er es nicht tat. Im "Dreißig" wird gezittert, gelitten und gejubelt. An manchen Tagen sind sogar Gesänge zu hören. Der DFB-Pokalsieg im vergangenen Jahr wurde auf der Straße weitergefeiert. Was für ein Abend!

Auf den vier Bildschirmen und auf der großen Leinwand in der Kneipe läuft die Schlussphase des Spiels. Anfeuerungsrufe sind aus allen Ecken zu hören. Vorlage von Götze, Batshuayi trifft. Ein ohrenbetäubender Jubel bricht aus, Abklatscher, Umarmungen. Gewonnen. Mal wieder ein guter Tag im "Dreißig" an der Fruchtallee, wo Hamburg schwarz-gelb ist.

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