Und Klappe! Über den Drehstart freuten sich (v.l.) Rodja Kükenthal (Kamera), Emma Drogunova (Yara), Johannes Jancke (Produzent), Emma Torner (Yeta) und Regisseur Ali Hakim. (© Riva Film )

"Bonnie & Bonnie": Wilhelmsburg wird zur Filmkulisse

Habt ihr euch vielleicht schon gefragt, warum in Wilhelmsburg derzeit eine Filmcrew unterwegs ist? Wir verraten es euch: Ali Hakim verfilmt eine ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen zwei Mädchen.

Regisseur und Drehbuchautor Ali Hakim ist in Wilhelmsburg aufgewachsen. Genau dort spielt auch jetzt sein erster Langfilm, "Bonnie & Bonnie". Hier verrät er uns, wovon der Film handelt.

Ali, worum geht es in "Bonnie & Bonnie"?
Um eine Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Mädchen, der Albanerin Yara, die in Wilhelmsburg lebt, und Kiki, einem jungen deutschen Mädel, das schon viel in ihrem Leben durchgemacht und eine kriminelle Vergangenheit hat. Die beiden lernen sich kennen und verlieben sich, was vor allem für Yaras Familie sehr problematisch ist. Weil sie aber trotzdem ihre Freiheit leben wollen, werden Yara und Kiki zu “Bonnie & Bonnie”, also einer weiblichen Variante von Bonnie & Clyde.

Ein Gangsterpärchen?
Ja, sie wollen abhauen und müssen dafür klauen. Sie werden dann von Yaras Bruder verfolgt und das Ganze endet ...

Das verraten wir lieber noch nicht. Aber sag doch, wie du auf die Idee gekommen bist. Du hast die Geschichte ja selber entwickelt, oder?
Ja, genau. Ich habe mich mit dem Exposé bei der Reihe NDR Nordlichter beworben und den Zuschlag bekommen. Mit der Autorin Maike Rasch habe ich dann das Drehbuch geschrieben.

"Ich habe die krasseste Variante gesucht"

Wie bist du darauf gekommen, gibt es eine reelle Geschichte oder einen persönlichen Bezug dazu?
Nein, gar nicht. Viele Leute fragen mich, ob ich selbst schwul bin oder lesbisch-schwule Freunde habe. Natürlich kenne ich welche, aber ich finde es traurig, wenn Dinge einen nur etwas angehen, wenn man selbst davon betroffen ist. Ich wollte eine Liebesgeschichte erzählen, aber nicht die klassische “Frau macht alles für einen Mann”-Story. Ich hatte also eher feministische Gründe... Außerdem ärgert es mich, dass manche behaupten, homosexuelle Paare hätten überhaupt keine Probleme mehr, wenn sie hier in Deutschland leben. Das stimmt einfach nicht, gerade in muslimischen Familien. Ich streue einfach gerne Salz dahin, wo es am meisten weh tut.

Genau, du hast ja zusätzlich auch noch einen “culture clash” eingebaut.
Ich habe die krasseste Variante gesucht.

"Lesbisch sein ist etwas ganz Normales, das wollte ich zeigen"

Wie kommen die Mädchen denn damit klar, dass sie sich ineinander verlieben?
Es wird im Film gar nicht groß thematisiert, wie die Mädchen sich fühlen, als sie feststellen, dass sie lesbisch sind. Sie verlieben sich einfach, Yara zum ersten Mal in ihrem Leben, und zwar in ein Mädchen. Würde ich zum Thema machen, wie sie über ihr Lesbisch-Sein grübeln oder sich Gedanken machen, ob irgendetwas mit ihnen komisch ist, wäre es ja nichts Normales, Selbstverständliches mehr. Als genau das wollte ich es aber zeigen. Natürlich gibt es aber viele kleine Messages am Rande.

Dreht ihr nur in Wilhelmsburg oder spielt der Film da auch?
Er spielt da auch. Und in Lüneburg, da wir auch von Niedersachsen gefördert wurden. Da landen die beiden nach ihrer Flucht aus Hamburg.

Und warum gerade Wilhelmsburg?
Weil ich da aufgewachsen bin und auch immer noch dort lebe. "Bonnie & Bonnie" ist also auch quasi so eine Art Heimatfilm (lacht). Witzigerweise leben in der Gegend, in der wir drehen, tatsächlich viele Albaner. Das war gar nicht so geplant, ist aber natürlich toll.

Drehbuch auf die Darstellerinnen zugeschnitten

Erzähl mir von deinen Hauptdarstellerinnen. Wie hast du die gefunden?
Tatsächlich war im Drehbuch zu Beginn ein palästinensisches Mädchen vorgesehen. Dann haben wir gecastet und Emma Drogunova hatte sich beworben. Die sieht überhaupt nicht palästinensisch aus, aber ich wollte sie trotzdem unbedingt sehen, obwohl das eigentlich überhaupt keinen Sinn gemacht hat. Irgendetwas hat mir gesagt, dass sie die Richtige ist. Und als ich sie dann im Casting gesehen habe, fand ich sie so toll, dass ich direkt danach Maike (die Co-Autorin, Anm. d. Red.) angerufen habe, dass wir das komplette Drehbuch auf eine albanische Familie umschreiben müssen.

Oha! Das ist ja schon ein Unterschied. Vermutlich spielte die religiöse Komponente dann nicht mehr eine so große Rolle?
Genau. Es gibt zwar albanische Muslime, die sind aber in der Regel nicht sehr religiös. Aber es gibt einige Familien, die sehr patriarchalisch organisiert sind, gerade wenn sie aus dörflichen Gegenden kommen. Für diese Familien bedeutet es in ihrer Community einen totalen Gesichtsverlust, wenn sie einen schwulen Sohn oder eine lesbische Tochter haben. Die Religion spielt da nur eine untergeordnete Rolle.

Auch in der Realität ein tolles Team

Und die zweite Hauptdarstellerin, Sarah Mahita?
Die war lustigerweise beim Casting direkt nach Emma an der Reihe. Ein wunderschönes Mädchen und eine tolle Schauspielerin, ich habe beim Interview direkt den Schmerz gespürt, den sie empfand. Das Schönste ist, dass die beiden sich beim Casting angefreundet und gemeinsam gehofft hatten, dass sie den Film zusammen machen können. Beim finalen Casting haben sie dann perfekt harmoniert, die Sache war für mich und das gesamte Produktionsteam völlig klar. Und tatsächlich machen sie jetzt auch einen extrem guten Job, sind super vorbereitet und haben die Rollen wirklich verstanden. Was wichtig ist, da ich bei dem engen Drehplan kaum Zeit habe, groß mit ihnen zu proben.

Sarah Mahita. Pascal Giese / Agentur Schwarz )

"Bonnie & Bonnie" ist dein erster Langfilm. Ein geiler Flash oder zu viel Stress?
Puh, ja, wir haben hier wirklich ein irrsinniges Pensum, das wir jeden Tag abdrehen. Und wir haben natürlich auch nicht viel Geld, insofern mussten wir eine Menge schmerzhafter Kompromisse eingehen. Aber wir haben jetzt die Hälfte geschafft und ich bin mit dem, was wir gemacht haben, sehr zufrieden. Und es macht mich glücklich, dass das endlich der Anfang meiner Traumkarriere ist, und irgendwann werde ich bestimmt tierisch berühmt sein und ganz andere Summen zur Verfügung haben (lacht). Aber ich habe schon jetzt ein tolles Team, das mich großartig unterstützt.

Und wann können wir den Film sehen?
Mal gucken, hoffentlich 2019. Wir wollen ihn nächstes Jahr natürlich bei den großen Festivals einreichen und danach in die Kinoverwertung gehen. Und selbstverständlich wird er irgendwann auch im NDR im Fernsehen zu sehen sein.

Mehr Infos gibt es bei Riva Film und bei Let's Be Awesome, der Produktionsfirma von Ali Hakim.

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