Wo sich jetzt Barmbeks größte Baugrube befindet, eröffnet im kommenden Jahr ein großes Geschäftshaus. (© Ana Maria Arevalo )

Blick auf Barmbek: Ein Stadtteil im Wandel

Arbeiter prägten den Stadtteil viele Jahrzehnte. Jetzt wird Barmbek aufgehübscht. Und damit auch teurer? Wir haben uns im Viertel umgeschaut.

Das einstige Arbeiterviertel mausert sich. Barmbek wird mehr und mehr zum In-Viertel, lockt vor allem junge Menschen und Familien an. In dem Quartier, das bis heute die Narben aus dem Zweiten Weltkrieg trägt, hat sich in den letzten Jahren viel getan. Das jüngste Projekt: die Fuhle 101. Auf dem ehemaligen Hertie-Grundstück an der Fuhlsbüttler Straße 101 – direkt neben dem Bahnhof Barmbek – wurde erst kürzlich der Grundstein gelegt, die letzten Mieter hatten das Nachsehen und mussten ausziehen. Im Herbst 2019 soll hier ein großes Geschäftshaus seine Türen öffnen.

Das Gebäude wird auf 28.600 Quadratmetern nicht nur Geschäfte, Restaurants und Büros beherbergen, sondern auch ein Hotel mit 221 Zimmern. Bereits 90 Prozent der Fläche sind vermietet – unter anderem an Rewe, Aldi, Rossmann, Peter Pane, Asia Hung und ein Fitness-Studio. So soll Barmbek endgültig aufgewertet werden. Ein langfristiges Projekt.

Die Fuhle hat sich schick gemacht

Schon 2005 war der Stadtteil zum Sanierungsgebiet erklärt worden. Vor allem das Sorgenkind Fuhle, das bis in die 60er eine bedeutende Einkaufsstraße war, stand dabei im Fokus. Denn das konnte im Schatten der Hamburger Meile nicht mehr viele Besucher anlocken, verlor in den 90ern zunehmend an Attraktivität. Tiefpunkt: die Schließung des Hertie-Kaufhauses im Jahr 2009, das die nächsten Jahre als trauriger Koloss Schwermut über das Viertel legte.

Der Bahnhof wurde bereits aufwendig modernisiert, jetzt wird die alte Hertie-Narbe geschlossen (© Ana Maria Arevalo )

Mittlerweile wurde die Straße ausgebaut, modernisiert, verschönert. Heute locken bereits zahlreiche Geschäfte, Restaurants und Cafés an die Fuhle. Der Bahnhof wurde bereits 2009 aufwendig saniert und barrierefrei gestaltet. 2015 folgte der Umbau des Kulturzentrums Zinnschmelze. Mit dem letzten Schritt soll der Bereich um den Bahnhof – das neue Zentrum – endgültig belebt werden. Ziel sei es, im Stadtteilzentrum den Einzelhandel zu sichern, Neubauten für eine gemischte Nutzung zu errichten und kulturelle Einrichtungen zu stärken, hieß es bei der Grundsteinlegung. "Durch das Projekt Fuhle 101 setzt sich der Wandel Barmbeks vom Arbeiterviertel zu einem attraktiven Wohnviertel fort", so der Bezirksamtsleiter von Hamburg-Nord Harald Rösler. Das Projekt sei zwar kein Schlussstein für diese Entwicklung, aber es sei dennoch ein Symbol nach Jahren der Stagnation und der Tristesse. Er ist sich sicher: "Barmbek hat wieder eine Zukunft."

Die Kehrseite der Medaille: Mit der Attraktivität steigt auch der Mietspiegel. Wer neu herzieht, muss auch schon mal tiefer in die Tasche greifen. Während die Durchschnittsmiete pro Quadratmeter in ganz Hamburg bei 8,42 Euro liege, sei in Barmbek unter 10,50 Euro bei Neuvermietung nichts mehr zu kriegen, bedauert Siegmund Chychla. Der Geschäftsführer vom Mieterverein zu Hamburg weiß: Die Mietpreisbremse greift nicht, bei Neuvermietung hält sich niemand an den Mietenspiegel. Die Preise für Wohnraum lägen heute schon 30 Prozent über der Durchschnittsmiete. "Den starken Anstieg in Barmbek verzeichnen wir schon seit fünf Jahren. Jetzt schwappt die Mieterhöhungswelle auch schon über Wandsbek und Hamm." Allerdings: "Die Mieten würden auch ohne die Aufwertung steigen", ist sich Chychla sicher. Grund sei der mangelnde Wohnraum: Knapp 40.000 Wohnungen fehlen derzeit in Hamburg.

Quartiere schießen wie Pilze aus dem Boden

Das wissen auch die Investoren und haben das Quartier bereits im Blick. Schon längst wird in Barmbek kräftig gebaut. Im "Quartier 21" sind nördlich des Hamburger Stadtparks auf dem Gelände des früheren Krankenhauses Barmbek bereits 400 Wohnungen entstanden. Auch der Bau des "Stadtparkquartiers" mit 650 Wohnungen – auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes an der Hellbrookstraße – ist bereits abgeschlossen. Zwischen Steilshooper Straße und Dieselstraße werden im Quartier "Barmbek Family" auf zehn Hektar 675 Wohnungen und Kleingärten vom Bauverein der Elbgemeinden (BVE) gebaut. Weitere Projekte: "Wohnen an der Beethovenstraße" mit 190 Wohnungen, das "Parkquartier Friedrichsberg" mit 207 Wohnungen und das "Pergolenviertel" auf dem Gebiet zwischen Hebebrandstraße und Alte Wöhr. Dort sind sogar 1.400 Wohnungen geplant, 60 Prozent davon als Sozialwohnungen.

Auch kulturell tut sich noch einiges im Stadtteil. Das Museum für Arbeit lockt zusammen mit der Zinnschmelze, der Theaterschule Theaterdeck, einem Café und einem Restaurant in die ehemalige New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie AG – ein Ort für Kultur, Musik, Tanz und jeder Menge Hamburger Industrie-, Technik- und Sozialgeschichte. Am Wiesendamm wird demnächst das Theaterzentrum Wiese eröffnen. Ganz Hamburg darf also gespannt sein, wie sich Barmbek in naher Zukunft entwickeln wird.

Autorin: Melina Seiler

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