(© picture alliance / arkivi )

"Blankenese 1918": Eindrucksvolle Ausstellung in der Haspa

Das Jahr 1918: Der Erste Weltkrieg geht zu Ende, das Kaiserreich ist Geschichte. Eine große Ausstellung in der Blankeneser Haspa-Filiale zeigt euch, welche Auswirkungen der Umbruch auf die Hamburger Bevölkerung hatte.

Vier Jahre Krieg liegen hinter den Blankenesern. Ausgehungert und verzweifelt sind sie – und verstört. Der Hunger des "Steckrüben-Winters" 1916/1917 steckt ihnen noch in den Knochen. Eine Revolution bahnt sich an, nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs müssen die Weichen für die Zukunft neu gestellt werden. Der "Förderkreis historisches Blankenese" zeigt in einer beeindruckenden Ausstellung in der Blankeneser Haspa-Filiale mit vielen Zeitzeugnissen, wie es den Hamburgern damals ging.

Das Jahr 1918: Eine Zeit des Umbruchs

"Verstörung, Revolution, Nachwirkung", so lautet der Untertitel der Schau "Blankenese 1918", die in 14 Thementafeln über diese Zeit informiert. Die Jahreszahl steht wie kaum eine andere in der (jüngeren) Geschichte für eine Atmosphäre des Umbruchs. Die Zerstörung bot die Chance, neue Wege zu beschreiten – so durften 1919 erstmals auch die Frauen wählen gehen. Eine Entwicklung, die nicht alle als positiv wahrnahmen. Über die fortschreitende Emanzipation informieren spannende Porträts von Blankeneserinnen, zusammengestellt von Autor Ronald Holst.

Historische Einblicke ins Blankenese von 1918. (© Förderkreis Historisches Blankenese )

Revolutionär war auch die Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten. Im distinguierten Blankenese ging sie allerdings recht ruhig vonstatten. Von den Massenprotesten und Straßenkämpfen, wie sie in der Innenstadt stattfanden, war hier nichts zu spüren. "Die Gründungen waren weniger revolutionäre Akte als vielmehr die pragmatische Reaktion auf die neuen Umstände", schreibt der Historiker Jan Kurz, der mitverantwortlich für die Ausstellung ist. Und so ging die Gründung recht zivilisiert vor sich: Per Zeitungsannonce wurden diejenigen Soldaten, die gerade auf Heimaturlaub vor Ort waren, für den 10. November in Hartigs gemütliches Bahnhofshotel eingeladen, um den Soldatenrat zu gründen. Sein Hauptquartier richtete der Rat dann – alles andere als revolutionär - in von Appens Tivoli an der Bahnhofstraße ein.

Alles andere als heile Welt in Blankenese

Heile Welt war im Dörfchen Blankenese dennoch nicht. Zahlreiche Fotos in der Ausstellung zeigen, dass es auch hier während des Kriegs Volksküchen für die hungernde Bevölkerung und lange Schlangen vor Geschäften gab. Ein weiteres Zeugnis für die unruhige Stimmung sind die Aufzeichnungen Johann Krögers junior, der 1918 als 35-Jähriger begann, die Geschichte seiner in Blankenese alteingesessenen Familie aufzuschreiben. Auszüge davon, die in der Haspa zu sehen sind, zeigen die Verstörung, die er angesichts des Umbruchs empfand: "In einer Zeit schwerster Bekümmernisse schreibe ich diese Zeilen nieder. Dunkel liegt die Zukunft unseres von inneren und äußeren Feinden bedrohten Vaterlandes vor uns. Es gehört in der Tat eine eiserne Natur dazu, gegenüber diesen entfesselten Dämonen im eigenen Volk noch an einen Wiederaufstieg zu glauben." Ähnlich, so zeigt die Ausstellung, empfanden es viele Blankeneser, gerade die ehemaligen Honoratioren, die nun vor einem Scherbenhaufen standen.

Die beeindruckende Ausstellung zeigt in 14 Thementafeln, wie die Blankeneser das Jahr des Umbruchs empfanden. (© Förderkreis Historisches Blankenese )

Aktuelle Strahlkraft einer historischen Ausstellung

Alles lange her? Stimmt. Und doch ist die Ausstellung – mal ganz davon abgesehen, dass ein Wissen um die lokale Geschichte immer lohnenswert ist – merkwürdig aktuell. Exakt 100 Jahre nach den damaligen Vorkommnissen ist die Gesellschaft wieder verunsichert, sie driftet nach rechts, die Zukunft scheint ungewiss. Ein Besuch der Ausstellung führt ganz nebenbei deutlich vor Augen, welche Folgen diese Orientierungslosigkeit haben kann: Die Zerrissenheit und Furcht trieb viele verängstigte Blankeneser in die Arme der NSDAP, die vermeintlich Sicherheit und stabile Werte bot.

Wo: Obergeschoss der Haspa-Filiale am Erik-Blumenfeld-Platz 25, 22587 Hamburg
Wann: Bis 31. Oktober 2018, Mo–Do 9.30-18 Uhr, Fr 9.30-16 Uhr
Wieviel: freier Eintritt

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