Visualisierung des Neubauprojekts "Bramfelder Dorfgraben" Wohnungsverein Hamburg von 1902 )

Bezahlbarer Wohnraum in Bramfeld: Wie geht das eigentlich? 

In Hamburg-Bramfeld entstehen zurzeit Wohnungen, die schon bald für 8 Euro pro Quadratmeter vermietet werden sollen. Wir haben uns im Gespräch mit Holger Fehrmann, Vorstand der Genossenschaft "Wohnungsverein Hamburg von 1902“, erklären lassen, wie das eigentlich geht.

Dass Hamburg dringend mehr bezahlbaren Wohnraum benötigt, ist kein Geheimnis. Am Bramfelder Dorfgraben – zwischen Fabriciusstraße und Bramfelder Chaussee, fußläufig erreichbar vom Kulturladen Brakula – können Hamburger nun voraussichtlich ab 2020 in 154 erschwinglichen Wohnungen leben. Denn der Quadratmeterpreis liegt hier deutlich unter dem Durchschnitts-Niveau. Wie das funktionieren kann? Wir haben Holger Fehrmann gefragt, Vorstand der Genossenschaft "Wohnungsverein Hamburg von 1902“, die mehr als die Hälfte der Wohnungen realisiert.

Wie ist der aktuelle Stand der Baumaßnahmen?

Holger Fehrmann: Zurzeit sind alle neun Gebäude im Bau. Im Mai ist Richtfest, im Juli wird das erste Gebäude fertig sein. Anfang 2020 sollen die Wohnungen dann an die Mieter übergeben werden.

Sonst liegen die Mieten für Neubauten eher zwischen 12 uns 17 Euro den Quadratmeter. Hier werden 8 Euro angestrebt. Wie ist das möglich?

Hinterfragen Sie alles – und zuerst sich selber. Alle Standards gehören auf den Prüfstand. Es muss die Bereitschaft bestehen, sich von Liebgewordenem zu trennen. Jedes Detail ist wichtig und muss auf Notwendigkeit geprüft werden. Tausend Details führen zur Lösung. Die Bauqualität darf aber darunter nicht leiden, sonst gefährden wir die Nachhaltigkeit. Für Vorurteile ist kein Platz. Hier werden keine Leitungen auf die Mauern genagelt oder Zimmer durch Pappwände getrennt. Vielmehr gilt es, Verfahren und Prozesse zu optimieren. Zeit ist ein wichtiger Kostenfaktor. Dreigeschossige Häuser funktionieren auch ohne Aufzüge. Der Kellerraum darf auch mal im Nachbargebäude liegen.

Auf was müssen Mieter noch verzichten, wenn der Mietpreis so viel günstiger ist?

Ein Zauberwort heißt „standardisieren“. Alle Bäder, alle Küchen, alle Fenster sind identisch. Wir stehen für solide Bauqualität, geben aber kein Geld für architektonische Spielereien aus. Dennoch: Im Ergebnis entsteht hier ein großzügiges, hochwertiges Quartier zu einem äußerst attraktiven Mietpreis.

Müssen Hamburger, wenn sie so günstig wohnen wollen, auch auf einen angesagten Stadtteil mit Freizeit- und Kulturmöglichkeiten verzichten?

Bramfeld ist ein absolut angesagter Stadtteil mit einer in jeder Hinsicht hervorragenden Infrastruktur! Hier wird auf gar nichts verzichtet. Wenn in wenigen Jahren die U-Bahn direkt vor der Tür fertig ist, dann ist die Anbindung an die Innenstadt noch besser als heute.

Funktioniert dieses Projekt dauerhaft und überall?

Eher schwierig. Wichtige Voraussetzungen sind eine gewisse Projektgröße (je größer desto besser), eine Energieversorgung mit Nah- oder Fernwärme und möglichst wenig gestalterische Vorgaben. Fehlende Baukapazitäten und steigende Zinsen erschweren die Realisierbarkeit zudem. Denkbar wäre, die Miethöhe und die Dauer der Bindung als Kriterium in der Vergabe städtischer Grundstücke stärker zur berücksichtigen als den Kaufpreis.

Die kiekmo-Redaktion bedankt sich für das Gespräch!

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