Demonstrationszug durch die Bahrenfelder Straße, 1973 (© Stadtteilarchiv Ottensen / Uwe Schaffrath )

Besuch im Stadtteilarchiv: Ottensen damals und heute

Ottensen befindet sich im Wandel, und das nicht erst, seit Ikea an der Großen Bergstraße seine Türen geöffnet hat. Welche Wandlungen der Stadtteil schon hinter sich hat, wie sich einzelne Straßen oder Flächen entwickelt haben, weiß niemand besser als die Mitarbeiter des Stadtteilarchivs Ottensen.

Hamburgs erste Geschichtswerkstatt wurde 1980 gegründet. Von Beginn an hat es sich die Einrichtung zur Aufgabe gemacht, den Bewohnern von Ottensen ihren eigenen Stadtteil näherzubringen.

Blick auf die Güterabfertigung Harkortstraße, 1977 (© Stadtteilarchiv Ottensen / Benno Wiesmüller )

Eindrucksvolle Reise durch die Zeit

Zum Beispiel die Harkortstraße. Einst war sie Eisenbahnknotenpunkt, heute entsteht hier ein komplett neues Wohnviertel – was ist dazwischen passiert? Wie ist es dazu gekommen? Darüber klärt einer der Stadtteilrundgänge des Stadtteilarchivs auf. Am 22. April um 15 Uhr startet der Spaziergang durch das Quartier.

Schon seit 1980 bietet die Geschichtswerkstatt die sogenannten Sonntagsspaziergänge an. Mit den Rundgängen sollten die Bewohner für die besonderen Qualitäten und die Geschichte ihres Viertels sensibilisiert werden und so mehr über die historische Bedeutung ihres Stadtteils erfahren. Welches waren die einschneidenden Ereignisse, wer waren die prägenden Figuren in Ottensen?

Moses und Betty Levi, die in der Klopstockstraße wohnten, 1930erJahre (© Stadtteilarchiv Ottensen )

Erinnerungen an Ottensens einstige Bewohner

So erfahren die Teilnehmer zum Beispiel mehr über das Leben des Ehepaares Moses und Betty Levi. Eine Gedenktafel an der Betty-Levi-Passage wurde 1999 auf Initiative des Stadtteilarchivs Ottensen aufgestellt – die Familie Levi soll so an die Geschichte der Altonaer Juden und Jüdinnen erinnern. Der Hamburger Strafverteidiger Moses Levi wurde 1933 von den Nationalsozialisten mit einem Berufsverbot belegt, starb fünf Jahre später im Alter von 65 Jahren. Seine Witwe Betty Levi Witwe wurde noch im selben Jahr enteignet, zog ins jüdische Altersheim an der Sedanstraße und wurde im Juni 1942 im Alter von sechzig Jahren ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert.

Blick in die Zeisehallen, 1965 (© Stadtteilarchiv Ottensen )

Jenseits der Touristenpfade wird bei den Spaziergängen der Ortsgeschichte nachgespürt. Mit Fotos, Plänen und Zeitzeugenberichten aus dem Archiv leiten die Historiker, Architekten, Denkmalschützer und langjährige Stadtteil-Engagierte die Teilnehmer durch Ottensen. So zeichnen sie jeden Monat ein neues Bild des Stadtteils – Ottensen, wie es war, wie es ist und wie künftig sein könnte. Im Laufe der Jahre haben sich die Spaziergänge zu einem echten Renner entwickelt. Kein Wunder, immerhin gibt es auch für Alteingesessene immer noch neues zu erfahren und zu entdecken.

Info: Die Teilnahme kostet 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Mehr Infos und alle Termine gibt es auf www.stadtteilarchiv-ottensen.de/termine. Eine Anmeldung für die Spaziergänge ist nicht erforderlich. Also einfach hingehen und mitlaufen.

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