Fürs Design der Korn-Flasche gab's schon einen Award (© Christian Brodack )

Aus der Manufaktur der Familie Elmendorf: Hamburg trinkt wieder Korn

Prost, Korn: Im Hause Elmendorf im Stadtteil Winterhude reift Hochprozentiges in uralten Eichenfässern. In der Manufaktur finden auch Tastings statt.

Herrengedeck – so nennen Hamburger ein Bier und einen Kurzen. Mit Vorliebe war das früher ein Korn. Nun hat der Schnaps, der einst in zünftigen, schon am Mittag geöffneten Eckkneipen literweisere über die Tresen ging, ja angeblich seine besten Zeiten hinter sich. Doch Moment, das könnte ein Trugschluss sein. Erlebt der Korn doch auch bei jüngeren Leuten gerade so eine Art Renaissance. Einst als gern mit Cola gemischter Billigschnaps verschrien, geht's mit rund 35 Umdrehungen in Richtung Kult. Eine Art Wiedergeburt, auch in Hamburg.

Elmendorf-Korn: Mehr als 300 Jahre Familiengeschichte

Da passt es doch ganz gut, dass Winterhude eine Manufaktur mit viel Tradition vorzuweisen hat. Mitten im Stadtteil, unweit der U-Bahn Lattenkamp, wird Hochprozentiges von besonderer Güte hergestellt. Dort lagert der Korn in uralten Eichenfässern. Die retteten Judith und Kai Elmendorf aus der alten Familienbrennerei in der Nähe von Gütersloh, die 2001 ihre Tore schloss. Jedes Fass trägt den Namen eines Vorfahren. So bleibt die Erinnerung an mehr als 300 Jahre Familiengeschichte im Zeichen des Korns erhalten.

Neunte Korn-Generation: Judith und Kai Elmendorf. (© Christian Brodack )

Guter Korn muss reifen – am besten in 200 Jahre alten Fässern

Hier an der Alsterdorfer Straße ist der Korn so weit weg von billigem Supermarkt-Fusel, wie es nur geht. Steckt ja auch die geballte Erfahrung von neun Generationen in dem Klaren, der da aus bis zu 200 Jahre alten Fässern sprudelt. Was nicht jeder weiß: Auch guter Korn muss reifen. Und genau das darf er in der Manufaktur.

Klar kennen wir alle das Korn-Klischee, nicht wahr? Besucher von Dorf-Discos, zum Auswärtsspiel reisende Fußballfans und gern mal grölende Männer vor Zelten auf dänischen Campingplätzen galten einst als Zielgruppen. Judith und Kai Elmendorf haben eher Genießer im Visier. Jene, die darauf verzichten, den Schnaps mit süßer Brause zu strecken. Die stattdessen nach dem Essen einen – übrigens nicht zu stark gekühlten – Verteiler schätzen. Statt Grappa, Kümmel oder Aquavit.

(© Christian Brodack )

Mit Kakao, Orange oder Vanille: Korn ist nicht gleich Korn

Ihr glaubt, Korn ist gleich Korn? Da führen euch die Elmendorfer auf eine ganz andere Fährte. Sie werfen mit Aromen nur so um sich. Da kommt beispielsweise ein Schnäpschen mit dem Hauch von Kakao ins Glas. Bei der Herstellung wird Bio-Kakao aus Südamerika in hochprozentigen Alkohol eingelegt und nach einigen Wochen wieder herausgefiltert. So verbinden sich Geschmack und Farbe des Kakaos mit dem Gebrannten. "Korn A" nennen die Elmendorfer ihre Kreation, die im 150 Jahre alten Fass mit Namen "Adele" ein Jahr lang reift. 900 Flaschen kommen im Jahr auf den Markt, allesamt von Hand abgefüllt und etikettiert.

"Korn C", 24 Monate gereift in dem Fass mit Namen "Charlotte", punktet mit einer feinen Note von Orange. "Korn H", sechs Monate gereift in "Hermann", mit einem Hauch Vanille. Wer sich eines der schicken Fläschchen in die heimische Vitrine stellen will, zahlt pro halbem Liter so um die 30 Euro. Erhältlich sind die Produkte aus dem Hause Elmendorf bei ausgewählten Fachhändlern unter anderem im Craft Beer Store Hamburg an der Lagerstraße. Und natürlich dort, wo die Fässer stehen – in der Manufaktur im Stadtteil Winterhude.

German Design Award für den Elmendorf Korn

Die gelungene Gestaltung ihrer Produkte bescherte den Elmendorfs im Jahr 2017 übrigens den "German Design Award 2017" in der Kategorie "Excellent Communications Design Corporate". Die Juroren waren vor allem vom "hochwertigen Design" der Flaschen angetan, hieß es in der Begründung der internationalen Jury seinerzeit.

Die Tastings in der Elmendorfer Kornmanufaktur können über Airbnb gebucht werden. Die Reise in die Welt des Getreideschnapses kostet pro Person zehn Euro und dauert rund anderthalb Stunden. Na dann: Prost, Korn!

Info: Korn-Manufaktur Elmendorf, Alsterdorfer Straße 107, 22299 Hamburg

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