(© kiekmo )

Auf einen Kaffee mit Schmiddlfinga von Le Fly: "St. Pauli ist überall!"

St. Pauli und Le Fly - das passt! Die Band, deren Mitglieder allesamt auf St. Pauli wohnen, zieht ihre Inspiration aus diesem etwas verschrobenen Viertel. Einer der Jungs wollte jetzt einfach mal Danke sagen und hat mit kiekmo einige seiner Lieblingsnachbarn überrascht. Wir haben uns daraufhin mit Schmiddlfinga auf einen nachbarschaftlichen Klönschnack über Hamburg und St. Pauli getroffen und sind aus dem Quasseln kaum rausgekommen.

Moin! Danke, dass du dir für uns Zeit nimmst. Du bist mit Le Fly ja eigentlich immer auf Achse.

Gerne!

Zuletzt wart ihr mit den 257ers in München, Wien, auch Bern stand auf dem Tourplan. Die Unterschiede zwischen Hamburg und diesen Städten sind schon groß. Was hat Hamburg, was die Orte, die ihr auf Tour kennenlernt, nicht haben?

Hamburg ist erstmal meine Heimat, ich bin hier aufgewachsen. Allein auf St. Pauli herrscht ein einzigartiger Flair. Ich lebe seit ungefähr zwölf Jahren auf Pauli und das ist eigentlich unvergleichbar. Ich liebe jedes einzelne Graffito an der Wand und die Milliarden von Stickern von diversen Crews Streetart-Künstlern und so weiter. Es hat einfach eine gewisse Roughness. Außerdem mag ich diesen kulturellen, bunten Mix aus Menschen.

(© kiekmo )

Hier kommen ein Stück weit ja auch Außenseiter aus aller Welt zusammen.

Kann schon sein. Hier ist jeder willkommen. Außer Nazis!

Nicht umsonst habt ihr euer selbst gegründetes Genre "St. Pauli Tanzmusik" genannt. Unter dem Label veröffentlicht ihr eure Musik auch. Wie viel St. Pauli steckt denn tatsächlich drin in euren Songs?

Da wir alle auf St. Pauli wohnen, sehr viel. Dieser Titel kam auch deswegen zustande, weil wir alle so unterschiedliche Typen in der Band sind und verschiedene Musikgeschmäcker haben. Und das spiegelt nun mal auch das Viertel wider. Es sind so viele verschiedene Menschen hier unterwegs und genauso ist unsere Musik halt auch. Superverschieden, nicht eine Schublade, vielseitig, bunt - eine bunte Flyschplatte. (lacht)

Wie kommt das denn so außerhalb Hamburgs an?

Wir spielen im Sommer viel auf Festivals, wir sind eine absolute Live-Band. Man kann schon sagen, dass es ein etwas regionaleres Ding ist. Der Norden bis, sagen wir mal, Kassel ist immer sehr gut besucht, wenn wir auf Tour gehen. Gen Süden wird's dann 'n büsch'n weniger, da waren wir auch ein bisschen weniger unterwegs. Da gibt's ja auch oft Ärger wegen den Kräuterzigaretten, die wir so mögen.

Egal wo, St. Pauli-Sympathisanten findet man überall - also Leute, die die Attitüde, die Einstellung teilen. Dementsprechend ist eigentlich überall die Stimmung gut. Das war doch die Frage, oder?

(© kiekmo )

Genau darauf wollte ich hinaus. Alternative Viertel gibt es natürlich in jeder Stadt. Aber wie du schon sagtest: Irgendwie ist St. Pauli schon was Besonderes. Und die Frage ist, ob die Leute woanders diesen Geist auch spüren.

Der Hamburger als solches hat ja auch einen lockeren Schnack, einen gewissen Slang, der irgendwie auch ganz gut ankommt. Einfach diese lockere Art. Und das mögen die Leute schon ganz gerne. Bisschen sabbeln, bisschen Quatsch machen, 'nen kleinen Schalk im Nacken haben - das gehört dazu.

Du und dein Kollege Benno habt euch vor Kurzem aufgemacht und habt buchstäblich ein Loblied auf eure Lieblingsnachbarn aus dem Viertel angestimmt. Gleich drei sind's insgesamt geworden: Der Hundeladen Karo Köter, der Musik Markt Hamburg am Ende der Reeperbahn und Bigi's Shop auf dem Schulterblatt. Wieso eigentlich und warum ausgerechnet diese drei?

In erster Linie sind das Läden, wo ich tagtäglich hingehe. Alleine beim Karo Köter bin ich jeden Tag wegen meinem Hund Caramella, die ihr Pferdefleisch braucht. Sie verträgt kein anderes, hat viele Allergien. Und beim Karo Köter gibt's gutes Pferdefleisch. Außerdem mag ich die Dörte sehr gerne, die da arbeitet.
In Bigi's Shop bin ich eigentlich auch jeden Tag für die kleinen Einkäufe, die man so macht. Für eine kleine Selter, wenn man vorher einen etwas längeren Abend hatte oder sonstige Sachen. Wir kennen uns da mittlerweile gut und Bigi gibt Caramella auch immer einen Leckerli. Sie geht auch schon immer sofort hinter'n Tresen, sie weiß Bescheid.
Und im Musik Markt habe ich selber lange gearbeitet, ungefähr zehn Jahre lang. Da kaufe ich auch mein Equipment ein.

Fallen dir sonst noch Nachbarn ein, bei denen du dich gerne bedanken würdest?

Klar, da gibt's einige. Hier unten mein Falafel-Mann, Azeitona. Wir verstehen uns sehr gut, trinken immer ein Käffchen zusammen. Wir haben auch schon einige Sambuca zusammen getrunken. Im Sommer möchte er da unten auch immer, dass ich meine Musik laut anmache, da mach ich dann auch mal meine Fenster auf. Der würde mir als erstes einfallen als Dank für die gute Nachbarschaft.

Es hat sich in den letzten Jahren aber auch viel verändert hier im Viertel.

Auf jeden Fall! Tagtäglich machen neue Klamottenläden auf und alteingesessene Läden müssen leider schließen. Schon traurig teilweise! Aber es gibt auch neue gute Läden, die eine gute Philosophie haben. Hier um die Ecke hat zum Beispiel eine Nachbarin ein Café eröffnet. Klar, da gibt es auch viele von. Aber sie setzt komplett auf Nachhaltigkeit und verkauft zum Beispiel keine "Coffee to go" im Pappbecher, sondern bittet die Leute, ihre Becher von Zuhause mitzubringen.

Finde es eh immer beeindruckend, wenn jemand in meinem jungen Alter (lacht), etwas Eigenständiges aus dem Boden stampft, was am Ende funktioniert, niemandem wehtut und sich somit sein Leben finanzieren kann. Respekt!

(© kiekmo )

Hier auf St. Pauli leben ja ganz viele unterschiedliche Menschen. Man muss nur vor die Tür gehen, um sie auch zu treffen. Wie wichtig sind diese Begegnungen mit anderen Leuten für dich persönlich, aber auch für dich als Musiker? Meinst du, du könntest das auch außerhalb St. Paulis bekommen?

Man zehrt ja immer von Begegnungen und diversen Erlebnissen im Viertel. Insbesondere für die Musik die wir machen. Viele Freunde wohnen natürlich auch hier und ich möchte das alles nicht missen. Einerseits weil man hier schon so lange wohnt - da denke ich aber auch manchmal, dass es schon geil wäre, irgendwo im Grünen zu wohnen. Vor allem wenn man am Wochenende auf Tour war und dann auch mal seine Ruhe braucht. Für den Hund wär's auch cool, mal durch den Wald spazieren zu gehen und nicht durch ein Scherbenmeer.

Aber andererseits weiß ich, dass ich das sofort vermissen würde, wenn ich nicht mehr im Viertel wohnen würde. Ich könnte mir höchstens vorstellen, für einen Monat wieder nach Barmbek zu ziehen, wo ich aufgewachsen bin. Ehrlich gesagt hat ja auch jedes Viertel seinen Charme. Ich habe dieses hier einfach extrem ins Herz geschlossen! Und im Grunde ist das auch nur ein Dorf. Das Millerntor-Stadion ist von hier aus zu hören, wenn man nicht gerade selber da ist und vielleicht noch im Bett liegt. Und selbst dann schlägt einem das Herz gleich etwas höher. Das ist hier alles etwas komprimiert und... geil. (lacht)

(© kiekmo )

Mehr über Le Fly und Schmiddlfinga

Neue St. Pauli Tanzmusik von Le Fly gibt's auf YouTube: Hier findet ihr das Video zur neuen Single Slip´n Slide.

Wer mehr über die Jungs aus St. Pauli erfahren möchte, schaut am besten auf der Website von Le Fly vorbei oder folgt der Band auf Instagram.

Auch Schmiddlfinga findet ihr auf Instagram. Wo er derzeit solo unterwegs ist und seine Musik als DJ auflegt, das erfahrt ihr auf seiner eigenen Website.

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