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Auf ein Bier im "Wandsbecker Bothen": Eine Institution unter den Kneipen

Der Wandsbecker Bothe ist eine der letzten klassischen Raucherkneipen des Viertels und ein Ort, um zusammenzukommen und sich auszutauschen.

Dunkle Holzbänke. Ein Sparclub an der Wand. Der Duft von Zigarettenrauch, der in der Luft hängt. Urige Kneipen werden immer weniger. Doch trotz Nachrichten vom Kneipensterben gibt es eine in Wandsbek, die sich bereits seit den 60er Jahren hält und als kleine Institution unter Kneipengängern gilt: den Wandsbecker Bothen. Puristisches Design und fancy Drinks sucht ihr in der Kneipe hinterm "Quarree Wandsbek" vergeblich – und genau das macht den Charme dieser kleinen Raucherkneipe aus. Vierzig Jahre lang wurde die Kneipe von ein und derselben Wirtin betrieben – doch der neue Besitzer fühlt sich langsam von der Stammkundschaft akzeptiert.

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Alles ist noch so wie früher

Seit 2016 ist Enrico Nikolaus der neue Besitzer und Wirt des Wandsbecker Bothen. Gut 15 Jahre hat er in der Personalsachbearbeitung gearbeitet. "Das war ein sehr trockener Job. Ich hatte das Gefühl, dass ich einfach mal etwas Neues machen muss", so Enrico. "Wirt zu werden lag für mich irgendwie nahe. Ich war schon immer ein Nachtmensch und glaubte, dass eine eigene Kneipe gut zu meinem Lebensstil passt." Er schaute sich einige Kneipen an, die zum Verkauf standen. Nachdem er ein Jahr lang gesucht hatte, fand er den Wandsbecker Bothen, übernahm ihn Mitte August und eröffnete Anfang September. Verändert hat er an der Kneipe nichts. Alles ist noch so, wie es die erste Wirtin, die sie vierzig Jahre betrieb, eingerichtet und hinterlassen hat. Enrico begeistertet an der Kneipe sofort, was auch die Stammgäste an ihr schätzen: die Gemütlichkeit. "Für mich gehört eine Kneipe so, wie es hier aussieht. Man muss auch einfach sehen, dass das alles hier Geschichte hat", so der Wirt. "Die vielen Spiegel, die an der Wand hängen hat der Mann der Wirtin von Reisen in die ganze Welt mitgebracht. Damit sind viele Erinnerungen verknüpft. Die Eheleute sind auch heute noch Gäste hier und fühlen sich wohl."

In einer Kneipe ist rund um die Uhr etwas zu tun.

Bis die Stammgäste ihren neuen Wirt ins Herz geschlossen hatten, dauerte es ein bisschen. Die meisten sind zwischen 60 und 65 Jahre oder älter. Viele kennen noch die erste Wirtin. "Ich glaube aber, mittlerweile mögen und akzeptieren sie mich", sagt Enrico mit einem verschmitzten Lächeln. "Viele sind einfach froh, dass sie weiterhin in ihre bekannte Kneipe gehen können." Seinen alten Job zu kündigen, um Wirt zu werden hat der Anfang Vierzigjährige nie bereut, obwohl sein neues Leben deutlich anstrengender ist: "Man hat natürlich keinen Acht-Stunden-Tag und geht nach Hause. In einer Kneipe ist im Grunde rund um die Uhr etwas zu tun. Ich mache das jetzt aber alles aber für mich und nicht für irgendeinen Chef. Außerdem lerne ich viele verschiedene Menschen kennen. Das ist sehr spannend!"

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Unterhalten, austauschen, diskutieren – dafür ist eine Kneipe da

Obwohl die Gäste zum Teil sehr verschieden sind, kommen sie doch fast alle aus dem selben Grund: Weil es eine muckelige Kneipe wie die hier kaum noch gibt. Das gilt auch für die jüngeren Besucher, die ganz bewusst einen Abend nicht in einer durchdesignten Bar verbringen wollen. "Wenn junge Menschen hier hereinkommen, ist das ungewöhnlich, aber schön", so Enrico. "Meine Gäste sind da auch nicht zurückhaltend. Wenn die merken, dass jemand zwei, drei Mal hier ist, kommen die meist auch mit ihm ins Gespräch. Ich finde es gut, dass sie keine Berührungsängste haben. Dafür ist eine Kneipe schließlich da – zum Unterhalten, Austauschen, Diskutieren."

In Kneipen kommt man zusammen

Ob das auch noch so bleibt, wenn die älteren Besucher irgendwann nicht mehr da sein sollten, steht in den Sternen. Denn Enrico spürt, dass sich die Mentalität von Kneipengängern unterscheidet: Die älteren hätten oft ihre Stammkneipe, wo sie sich wohlfühlen und der sie treu sind. Die jüngeren probieren lieber verschiedene Bars und Kneipen aus und kämen alle paar Monate wieder. Die Kneipe als Ort zu sehen, an dem man generationsübergreifend mit neuen Menschen zusammenkommt, ist auf jeden Fall ein schöner Gedanke, der genauso nicht verloren gehen sollte wie der Wandsbecker Bothe selbst.

Info: Litzowstraße 22, 22041 Hamburg, Mo-Sa 16 bis 0 Uhr; www.wandsbecker.de

Die Letzten ihrer Art

Viele alteingesessene Eckkneipen finden sich im immer hipper werdenden Hamburg nicht mehr. Eine davon möchten wir euch aber gern noch vorstellen, den "Habicht 106", in dem das Bier 24/7 gezapft wird und wo ihr immer willkommen seid.

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