(© Ilona Lütje )

Auf ein Bier im „Kuddl“: Einer der letzten echten Pinten in Eimsbüttel

Ein ehrliches Bierchen und Eimsbüttler Nachbarschafts-Tratsch bei 'ner Kippe bekommt ihr bei Kuddl im Hellkamp.

Die Tür geht auf. "Moin", schallt es vom Tresen rüber. Es ist noch recht früh am Abend, so gegen acht. Trotzdem sitzen die ersten schon beim Bierchen, in lockeren Schnack vertieft. Den Tag aufarbeitend. Ein Abend im Kuddl ist ein Abend voller Geschichten. In einer Kneipe, wie sie früher war und die eben so gar nichts gemein hat mit den neuen, coolen Bars in Hamburg. Im Hellkamp, zwischen wenig pittoresken Rotklinkerbauten. Schräg gegenüber war vor Jahrzehnten mal mein Kinderzimmer. Ist es eigentlich heute noch, nur eben ohne das Kind. Ohne mich. Ich sitz jetzt bei Kuddl.

Kuddl: Wilde Partys bei schummrigem Licht

Erinnerungen an diesen Laden habe ich jede Menge. Unsere Nachbarn waren Stammgäste. Der Polterabend ihrer Tochter wurde bei Kuddl gefeiert. Laut, verraucht und am Ende des Abends wild tanzend. Geändert hat sich hier seit jenen Tagen nicht so furchtbar viel. Der Tresen rechts von der Tür war schon immer da. Schummriges Licht ist noch heute angesagt. Und eng wird es schnell, mit 30 Leuten ist der Laden überfüllt. Kommt schon mal vor am Wochenende. Denn bei Kuddl haben sie es geschafft, neben den Stammgästen auch jüngere Leute anzulocken.

Die Nacht, als der Sperrmüll brannte

Doch zurück zu den Erinnerungen: Nicht nur einmal kostete Kuddl uns so richtig Nerven. Wenn mal wieder die Nacht auf Sonnabend zum Tag gemacht wurde und das Schlafen bei offenem Fenster trotz Sommerhitze unmöglich war. Oder damals, als ein Gast auf die Idee kam, den vor der Kneipe aufgebauten Sperrmüllhaufen in Brand zu setzen. Für den Jungen am Fenster gegenüber Momente voller Spannung. Für seine Eltern noch viel mehr. Es war unser Auto, das da parkte. Vor Kuddl.

Tischfußball und Nachbarschaftstratsch

Heute hier einen Parkplatz zu bekommen - schier unmöglich. Wir sind mit der Bahn gekommen, die Stationen Osterstraße und Lutterothstraße sind schließlich nicht weit weg. Der Kicker hinten ist zu dieser Uhrzeit noch verwaist. Ziemlich gutes Gerät. Da kommen auch Tischfußball-Profis auf ihre Kosten. Wir bestellen erstmal ein Jever. Suchen uns einen Platz am Fenster. Es sind Nachbarschaftsgeschichten, die unser Ohr erreichen. Von dem Eckhaus mit der Videothek, das wohl abgerissen werden soll. Von steigenden Mieten. Hier, in Eimsbüttel. Einem Stadtteil, der einst den Arbeitern gehörte.

Kuddl: Die Raucherkneipe an der Gastromeile

Das Kuddl ist Ursprünglichkeit. Und nichts für Leute mit Nikotin-Allergie, der Laden ist eine Raucherkneipe. Darum gibt's auch nichts zu essen. Allerdings ist ein Pizzaservice direkter Nachbar. Und ein paar Meter weiter beginnt schon die Osterstraße mit ihrer Batterie von hippen Bistros und Restaurants. Da gibt's wohl für jeden Geschmack die passende Bier-Grundlage. Eine echte Pinte wie das Kuddl sucht man allerdings in der Osterstraße vergeblich. Dafür wären die Mieten dort mittlerweile viel zu hoch.

Infos: Kuddl, Hellkamp 23, 20255 Hamburg, täglich 18 bis 4 Uhr

Das Eimsbüttler Nachtleben

Ihr seid so richtig in Ausgehlaune und wollte noch weiterziehen? Dann lasst euch von diesen fünf Barkeepern inspirieren und erfahrt, welche Drinks in Eimsbüttel gerade angesagt sind. Oder ihr kommt mit mir auf ein Bier im Urknall.

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