Auf ein Bier im "Habicht 106": Zu Gast in Hamburgs Eck-Kneipen

"Wollen wir noch ein Bier trinken?" "Klar, bin in 40 Minuten da!" – Wer nicht auf Sankt Pauli oder in der Schanze wohnt, nimmt lange Anfahrten in Kauf. Wie wär's stattdessen mit einem Bier im eigenen Viertel? Das urige Stammlokal "Habicht 106" hat immer geöffnet – wortwörtlich.

Tropische Plastikpflanzen in den Fenstern, eine Dartscheibe, Stammgäste. Das "Habicht 106" ist wohl meilenweit davon entfernt, ein Hamburger Szeneladen zu sein. Muss es aber auch nicht. 24 Stunden am Tag ist die Kneipe offen für alle, die sich gern mal dazusetzen – auch in Jogginghose.

Die Dartscheibe als Austragungsort für sportlichen Ehrgeiz

John stellt sich an die pinke Neon-Linie auf dem Boden. Konzentriert sich, visiert sein Ziel an, wirft – ein, zwei, drei Mal. Beim letzten Wurf fällt er einen Schritt über die Markierung. Aus der Ecke schreit einer: "JAWOLLO! MASCHINE!“ Die elektronische Dartscheibe singt die Titelmelodie von Tom & Jerry – er hat seine Sache also gut gemacht. John ist einer der Mitarbeiter im "Habicht 106". Er organisiert Veranstaltungen wie die HSV-Abstiegsparty vor einem Monat. Außerdem ist er Mitglied der Dart-Mannschaft "Habicht D.T.“, eines von drei Teams die im Habicht trainieren und Wettkämpfe ausrichten. Dafür haben sie sich sogar T-Shirts bedrucken lassen: Auf seiner Brust-Tasche steht "HSV-John“, daneben ein kritisch schauender Vogel. Auch der HSV-Fanclub "OFC Hamburger Grenzhaie“ trifft sich im Habicht. Da ist John Vorsitzender. Man kann sagen, ein Großteil seines Lebens dreht sich um die Kneipe an der Habichtstraße.

Das "Habicht 106" heißt jeden willkommen

Die tropischen Plastikpflanzen in den Fenstern sind bereits für die Weltmeisterschaft geschmückt. Zwischen den Deutschland-Wimpeln finden sich auch immer wieder welche vom HSV. Dürfen hier auch St. Pauli-Fans rein? Klar, sagt John, Grabenkriege zwischen den beiden Vereinen gebe es hier nicht. "Das ist einfach Hamburg.“

Etwa 80 Prozent der Habicht-Besucher sind Stammgäste. "Wenn die einen Tag nicht kommen, dann sicher am nächsten“, sagt Jenny, die Barfrau. Seit sieben Jahren arbeitet sie im Habicht. Die Kneipe ist 24 Stunden geöffnet, jeden Tag. Jennys Schicht geht von 16 bis 24 Uhr. An den Wochenenden ginge es manchmal zu wie auf dem Kiez, erzählt sie. Da sei der Laden voll und sie springe wie ein Flummi zwischen den Gästen hin und her. Unter der Woche habe sie mehr Zeit, da wird auch schon mal gequatscht. Jenny kennt fast alle hier mit Namen.

Wie eine Familie: Stammgäste und Belegschaft

So auch Dirk. Der Hausmeister kommt seit Jahren in den Habicht. Er spielt weder Dart, noch ist er HSV-Fan. Aber man könne hier gut allein unter Menschen sein, wie er findet. "Manche der Gäste setzen sich an den Tresen, lösen ein Kreuzworträtsel und reden kaum", erzählt er, "Andere, wie die Dart-Spieler, treffen hier ihre Freunde." Und dann gibt es auch noch "Opa“. Er wird von allen so genannt, weil er schon so lange herkommt. Die Besucher und Belegschaft des Habichts sind eine Familie. Wer einen anonymen Szeneladen sucht, wird im Habicht 106 nicht glücklich. Aber Gemeinschaft findet man hier – und günstiges Bier.

Autorin: Muriel Kalisch

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