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Auf ein Bier im "Café Treibeis": Zu Gast in Hamburgs Eckkneipen

Das "Café Treibeis" ist eine von Ottensens letzten Punk-Kneipen und wirkt im rasanten Wandel des Viertels wie eine Zeitkapsel. Zwischen Bar, Stehtisch und Sofa hat sich im kleinen Gastraum des Treibeis in den letzten dreißig Jahren nicht viel verändert – was den Charme der Raucherkneipe ausmacht und immer noch Stammgäste aus dem Viertel anzieht.

"Café" ist zugegebenermaßen eine irreführende Bezeichnung für die Kneipe in der Gaußstraße: Denn Kaffee oder andere Heißgetränke tauchen auf der Karte nicht auf. Stattdessen drängt sich eine ganze Liste alkoholischer Getränke und nicht-alkoholischer Limonaden auf den eng beschriebenen Tafeln über der Bar. "Es kommen trotzdem immer mal wieder Leute, die hier einen Kaffee trinken wollen", erzählt Barkeeperin Adel und lacht leise. Sie gehört zum Inventar wie die rote Couch, die sich an eine Wand der Kneipe schmiegt, oder die alten Holzhocker vor der Bar, die hier scheinbar schon ewig stehen. "Ich weiß gar nicht mehr genau, wann ich hier angefangen habe", überlegt Adel. "15 bis 18 Jahre ist das her".

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"Olli's Spezial": Ein Highlight für Stammkunden

Das Treibeis in der Gaußstraße liegt etwas abseits vom trubeligen Zentrum Ottensens. Statt der fehlenden Laufkundschaft treffen sich hier allerdings Stammkunden, die schon lange Zeit in die Bar kommen. "Wenn ich Schicht habe, dann kann ich den meisten Gästen schon ihr Getränk hinstellen, bevor sie es bestellt haben", erzählt Olli schmunzelnd. Seit zweieinhalb Jahren arbeitet er hier jeden Montag an der Bar. Dann gibt es immer "Olli’s Spezial", wie eine kleine Tafel an der Wand hinter der Bar ankündigt. Statt dem Standart-Schnaps bringt Olli dann immer richtig gute Spirituosen mit, für 2 Euro pro Gläschen. Heute steht Capel Pisco Reservado auf der Karte, chilenischer Brandy. "Am meisten freue ich mich, wenn Olli einen guten Tequila mitbringt", verrät Anna. Sie ist Stammgast im Treibeis, und schaut öfter mal auf dem Heimweg vorbei. "Wobei das eine Bier nie, niemals klappt." Im Treibeis hat sie außerdem ihren Freund kennen gelernt: Bei einem Preistanz für Amateure, "eine großartige Veranstaltung, die viel zu selten stattfindet."

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Punk-Kneipe mit Herz

Sowohl die Mitarbeiter als auch die Gäste lieben das Treibeis besonders für den urigen, alten und verwohnten Charme der Punk-Kneipe: Das Fenster zwischen Küche und Bar ist ebenso übersät mit Stickern wie das winzige DJ-Pult. In den Holzhockern sind Kerben vom jahrelangen Gebrauch, zwei Discokugeln drehen sich langsam an der Decke und beleuchten die dunklen Ecken der Bar. Aus dem Lautsprecher dudelt Rockmusik, manchmal auch Pop, meistens Punk. "Viel hat sich hier nicht verändert", stellt Adel fest. "Aber das gefällt vielen.", wirft Olli ein. "Die meisten, die das erste Mal her kommen, finden es so gut, dass sie wieder kommen." Trotzdem: Ein paar Dinge würden die Betreiber der Bar gerne verbessern. Die Lärmabdämmung zum Beispiel, schließlich befindet sich die Bar mitten in einem Wohngebiet. Auch einen Teil der Einrichtung könnte man mal erneuern, findet Olli, "auch, wenn natürlich niemand eine Hipster-Kneipe aus dem Treibeis machen will." Aber dafür fehlt oft das Geld. Vor allem der heiße Sommer dieses Jahr wäre sehr schwer gewesen, erzählt Olli. "Wenn das Team nicht so viel Herzblut hier reinstecken würde, dann würde es uns wahrscheinlich nicht mehr geben." Ebenso lange, wie das Treibeis schon in Ottensen zuhause ist, soll es auch noch bleiben, wünscht sich das Team. Schließlich sei die Kneipe eine der wenigen alteingesessenen Punk-Bars der Gegend. "Einmal", erzählt Adel, während sie mit einem Tuch die Gläser abtrocknet, "kam eine Dame mit einem uralten Reiseführer für Hamburg bei uns vorbei." In dem Buch sei das Treibeis als die Punk-Kneipe aufgelistet gewesen, die man in der Stadt besuchen sollte. "Das Ding war 30 Jahre alt. Total verrückt."

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Es gibt sie noch, die schrammeligen Kneipen ums Eck und die Urgesteine, die sie betreiben oder nahezu bewohnen. Vielleicht schaut ihr demnächst ja einfach mal in der "Eulenklause" vorbei, wenn ihr ein Stück des alten, authentischen Ottensens erleben wollt. Östlich der Alster haben wir auch noch was für euch parat: Zum Beispiel den "Habicht 106", der 24/7 für euch da istoder den "Wandsbeker Bothe", eine Institution unter Hamburgs Kneipen. Wo auch immer es euch hinziehen mag, die kiekmo-Redaktion sagt "Prost!" und wünschen euch viel Spaß.

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