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Unsplash / Kieran Wood
Hamburg

Zauberstadt Hamburg: So magisch ist die Hansestadt

Dass wir Hamburg ganz zauberhaft finden, dürfte bekannt sein. Wusstet ihr aber, dass unsere Perle an der Elbe einst ein echter Hexenkessel – im besten Sinne – war? Wittus Witt weiß alles über die magische Stadtgeschichte.


Er ist Galerist, Autor, Herausgeber, Zauberhistoriker – und bereits seit den Siebzigerjahren einer der bekanntesten Zauberkünstler Deutschlands: der Hamburger Wittus Witt. Zum Jubiläum seines Verlags "Magische Welt" hat der Illusionist nun ein Buch herausgebracht, dass sich der zauberhaften Vergangenheit Hamburgs widmet und uns Einblicke in die verborgene Welt gewährt. Wir enthüllen ein paar spannende Fakten für euch. Vorhang auf!

Zentrum der Szene: Zauberhaus Rosa und János Bartl

Läge Hogwarts in Deutschland, wären die Zauberschüler über Jahrzehnte nach Hamburg gepilgert, um sich mit Utensilien für den Unterricht und sogar Tieren einzudecken. Der Hamburgische Mr. Olivander hieße János Bartl, der gemeinsam mit seiner Frau Rosa fünf Zauberläden führte. Der prominenteste der Bartl'schen Zauberläden befand sich bis 1952 am Jungfernstieg 1, mitten im Herzen Hamburgs. Heute findet sich an der Adresse – wenig magisch – das Block House. Das glamouröse Paar war weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Vor allem Rosa Bartl (*1884), eine der wenigen Frauen, die in der Zauberei tätig waren, wurde durch ihre elegante und verführerische Ausstrahlung zur Legende und gilt bis heute als Mutter der Hamburger Zauberkünstler. Bei ihrem bekanntesten Trick "Etuiso" ließ sie eine Zigarette aus einer Metallhülle verschwinden.

Bartl Zauberhaus
Birgit Bartl-Engelhardt

Die Jüdin überlebte das NS-Regime mit Glück, das Geschäft aber nicht. 1968 verstarb Rosa Bartl in der Nervenheilanstalt Ochsenzoll. Heute ist ihr ein Gedenkstein im Garten der Frauen gewidmet. Er hat die Form eines Zylinders, aus dem sich ein weißer Hase "hervorzaubern" lässt. Auch Wittus Witt sorgt dafür, dass ihr Name nicht in Vergessenheit gerät: Er hat einen Kunstpreis nach ihr benannt und setzt sich für eine Rosa-Bartl-Straße in Hamburg ein. Wer mehr über das spannende Ehepaar Bartl erfahren will, sollte sich die Bartl-Chronik zu Gemüte führen – geschrieben von Enkelin Birgit Bartl-Engelhardt und erschienen im, na klar, Verlag Magische Welt.

Rosa Bartl
Wittus Witt

Auch der DOM spielt eine wichtige Rolle

Bis heute verzaubert der DOM die Hansestadt und zieht gleichermaßen Hamburger und Touristen in seinen schillernden Bann. Dass die Geschichte des DOMs weit zurückreicht, ist euch sicher bekannt, wusstet ihr aber auch, dass dort bereits im frühen 19. Jahrhundert gezaubert wurde? Direktoren der Häuser, in denen Zaubershows vorgeführt wurden – 40 bis 50 gab es in Hamburg! – heuerten ihre Illusionisten nicht selten auf dem großen Volksfest an.

Zaubertrick aus Hamburg: Die Vervielfältigung von Bällen

August Roterberg erfand den berühmten Trick – zumindest veröffentlichte er ihn zuerst in der Form, in der er auch heute noch praktiziert wird. Bei dem Kunststück, "Excelsior Ball Trick", "Billard Ball Trick" oder auch "Chicago Balls" genannt, werden aus einem Ball in der Hand des Zauberkünstlers erst zwei, dann drei und schließlich vier Bälle.

Der gebürtige Hamburger wanderte zwar im Alter von 15 Jahren in die USA aus, die Verbindung zur Hamburger Szene blieb jedoch bestehen. Gemeinsam mit Reinhard Müller, Conradi Horster, Carl Willmann und H. F. C. Suhr. bildete Roterberg das "Hamburger Kartett" – sicher könnt ihr erraten, womit die Herren zauberten.

Auch die "Zauberwelt" kommt aus Hamburg

Die "Zauberwelt" war die erste Zauberzeitschrift der Welt. Von 1895 bis 1904 erschien sie einmal im Monat, herausgegeben vom Hamburger Carl Willmann. 1872 eröffnete der gelernte Uhrmacher ein Geschäft am Dragonerstall – neben Uhren fertigte und erfand Willmann aber auch viele magische Gerätschaften wie etwa eine Vorhersagetruhe, die auch der bekannte Helmut Ewald Schreiber alias Kalanag benutzte.

Die Zauber-Szene in Hamburg ist bis heute aktiv

Passiert es im Verborgenen, oder schauen wir nur nicht richtig hin? Hamburg hat auch heute noch eine aktive Zauber-Szene – es gibt nicht nur Bühnen, auf denen Tricks und Kunstwerke vorgeführt werden (beispielsweise bei den Hamburger Zaubernächten im Varieté im Hansa Theater), sondern auch Zaubervereine!

Wittus Witt selbst ist seit den Siebzigern bekannt und gefeiert und erhält Traditionen seiner Kunst aufrecht. Wollt ihr euch von dem Künstler einmal live und in Farbe verzaubern lassen, habt ihr jeden Freitag Gelegenheit dazu. Dann verwandelt Witt seine Galerie-W am Mühlendamm nämlich in einen Zauber-Salon. Im 19. Jahrhundert hatten diese Salons exklusiven Charakter und waren der feineren Gesellschaft vorbehalten. Seid gewiss, dass euch hier ein ganz besonderer Abend bevorsteht. Witts Traum ist übrigens ein Zaubereimuseum. Fänden wir gut.

Infos: Galerie-W, Mühlendamm 78–80, 22087 Hamburg

Ihr wollt mehr spannende Fakten zum magischen Hamburg? Dann sichert euch ein Exemplar: "Zauberstadt Hamburg. Eine Chronik" von Wittus Witt, Verlag Magische Welt 2021, 228 Seiten | ISBN 978-3-947289-61-5

Noch mehr Magie: Harry Potter in Hamburg

Hogwarts oder Winkelgasse? Auch in der Hansestadt können wir Orte entdecken, die uns in die Welt unseres liebsten Zauberschülers entführen: Harry Potter in Hamburg – oder doch lieber ein Ausflug ins Museum der Illusionen?

Unsere Texte, Tipps und Empfehlungen richten sich an alle, die sich für Hamburg interessieren. Deshalb bemühen wir uns um genderneutrale Formulierungen. Nutzen wir die männliche Form, dient dies allein dem Lesefluss. Wir denken aber stets Menschen aller Geschlechter mit.

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