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Uhlenhorst
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Uhlenhorst

Warum heißt Uhlenhorst eigentlich Uhlenhorst?

Das ist doch "da bei Winterhude und Barmbek", oder? Ja, aber Uhlenhorst hat auch seine eigene Daseinsberechtigung. Wir haben den Stadtteil an der Alster mal unter die Lupe genommen.


Uhlenhorst beschreibt einen 2,2 Quadratkilometer großen blinden Fleck. Viele haben das Viertel so gar nicht auf dem Schirm. Dabei bietet es umflossen von Oster- und Eilbekkanal eine ebenso zentrale wie idyllische Lage – ein völlig unterschätzter Stadtteil in Hamburg, über den es einiges zu wissen gibt!

Zunächst einmal: Es heißt nicht IN, sondern AUF DER Uhlenhorst

Fettnäpfchen-Alarm! Bekanntlich machen die kleinen Dinge den Unterschied. Die falsche Formulierung outet euch schnell als Quiddje und zählt damit ganz klar zu den Dingen, die ihr vermeiden solltet, wenn ihr neu in Hamburg seid. Wir geben aber zu, dass dieser Fall schon etwas fies ist. Denn anders als Wilhelmsburg oder die Veddel, die eben offensichtlich Elbinseln sind, ist die Uhlenhorst Teil des Festlands der Hansestadt. Warum dennoch "auf" statt "in"? Ganz logisch: Der Stadtteil an der Alster war einst eine Insel, damals allerdings unter dem Namen Papenhude. Von ihr zeugt heute noch die Papenhuder Straße, die prächtige Einkaufsmeile des Viertels.

Apropos Zentrale Lage

Zentraler als Uhlenhorst wirds in Hamburg nicht. Jetzt glaubt ihr, wir erzählen Dumm Tüch? Nö, das stimmt. Denn während wir mit "zentral" meistens die Hamburger Innenstadt und manche vielleicht St. Pauli meinen, liegt der geografische Mittelpunkt unserer Stadt auf der Uhlenhorst. Genauer gesagt nahe der St. Gertrud Kirche am Kuhmühlenteich. Eine Eiche markiert die Stelle. Mit diesem Funfact könnt ihr sicher punkten. Apropos Gertrudenkirche. Die wurde 1886 gebaut und ist eine besondere Sehenswürdigkeit im Stadtteil.

SUPers Paradise

Wir erwähnten ja bereits Eil- und Osterbekkanal. Bedeutet auch, dass Uhlenhorst neben dem Kuhmühlenteich vom Langen Zug sowie dem Mundsburger Kanal natürlich begrenzt wird. Nach Osten hin bildet der Winterhuder Weg die Grenze zu den Nachbarn Barmbek und Eilbek – mit kleinem Ausreißer ab der U Mundsburg parallel zur Hamburger Meile, der nach Süden über den Eilbebkkanal verläuft. Im Stadtteil finden sich außerdem Hofwegkanal, Feenteich und Uhlenhorster Kanal. Zusammen mit Winterhude (gleich nebenan) und Eppendorf steht Uhlenhorst damit auf dem Siegertreppchen der Stadtteile, die sich besonders zum Rudern und Stand-up-Paddling in Hamburg eignen.

Kulturreich Uhlenhorst

Ja, ganz richtig gelesen: Anders als zumeist angenommen liegt die U Mundsburg nicht in Barmbek, sondern eben auf der Uhlenhorst. Und mit ihr auch das Literaturhaus, das Ernst Deutsch Theater – seines Zeichens das größte Privattheater des Landes – sowie The English Theatre of Hamburg, das deutschlandweit älteste englischsprachige Theater. Zudem befinden sich der Kunst- und Mediencampus Finkenau und die HfBK im Stadtteil. Das Treiben junger und kreativer Menschen prägt also die Stadtteilkultur.

Vor allem aber assoziiert man Uhlenhorst mit Wohlstand, denn hier finden sich neben den Einflüssen der Schönen Künste auch beliebte Wohngegenden für die Reichen und Schönen. Der Feenteich hat nicht nur einen märchenhaften Namen, sondern ist gesäumt von besonders exklusiven und traumhaft schönen Jugendstil-Villen. Sogar die Queen hat hier schon residiert. Unsereins kann von solch einem Domizil nur, naja, kühn träumen.

Doch auch die Uhlenhorst hat seine Narben vom Krieg davongetragen. Wo herrschaftliche Bebauung den Bomben zum Opfer fiel, findet sich heute der gute, alte Backstein der Fünfziger. Ein Teil hiervon gehört heute allerdings zu Barmbek-Süd. Abends versammelt man sich gern auf der Alsterwiese Schwanenwik oder der Schönen Aussicht, wo sich Feierabenddrink am Wasser und Postkarten-Panorama genießen lassen. Hach, besonders bei Sonnenuntergang super ramontisch!

Der Fall Uhlenhorst: Ein Cold Case

Alles schön und gut, das erklärt aber noch nicht, warum Uhlenhorst denn jetzt – und etwa seit Beginn des 17. Jahrhunderts – Uhlenhorst heißt. Und leider können auch wir das nicht genau erklären. Sondern nur vermuten: "Uhl" heißt Eule auf Platt. Haben in dem Gebiet vielleicht einst besonders viele der Vögel genistet? Statt "Horst" für "Nest" könnte aber auch "Hurst" gemeint sein – das bedeutet "Gestrüpp" und ist zwar weniger charmant, aber in Bezug auf die sumpfige Insel in der Alster, die der Stadtteil früher war, durchaus denkbar. Der feuchte Boden sorgte auch dafür, dass mit Bebauung der Uhlenhorst lange nichts war. Die Besiedlung begann erst nachdem 1842 der Wasserspiegel über angelegte Kanäle um einen ganzen Meter herabgesenkt wurde. Dann aber war die zentrale Lage am Wasser bei der vermögenden Hamburger Bevölkerung beliebt, die hier Landhäuser bauen ließ. 1849 wurde Uhlenhorst dann auch offiziell zum Stadtteil erklärt.

Papenhude hingegen wurde schon 1256 erwähnt, war jedoch nicht mehr als eine Anlegestelle für Lastkräne. Vom Industriecharakter ist heute nichts mehr zu spüren – im Gegenteil verbieten die "Uhlenhorster Bedingungen" sogar die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe im Westen des Stadtteils.

Uhlenhorst in Zahlen

Einwohner: 18.611, davon 53,1 Prozent weiblich und 46,9 Prozent männlich (Hamburger Durchschnitt: 50,8/49,2 Prozent)
Kulturelle Vielfalt: 117 Nationalitäten (Stand 31.12.2019)
Durchschnittsalter: 43,1 Jahre (Hamburger Durchschnitt: 42,1 Jahre)
Einpersonenhaushalte: 62,4 Prozent (Hamburger Durchschnitt: 54,4 Prozent)
Haushalte mit Kindern: 13,8 Prozent (Hamburger Durchschnitt: 14,1 Prozent)
Arbeitslosenquote: 4,0 Prozent (Hamburger Durchschnitt: 6,4 Prozent)
Durchschnittseinkommen pro Jahr (Stand 2013): 62.479 Euro (Hamburger Durchschnitt: 39.054 Euro)
Wenn nicht anders gekennzeichnet: Stand 31.12.2020

Der perfekte Tag auf der Uhlenhorst

Nun habt ihr doch sicher Lust, das Viertel zu erkunden, oder? Startet eure Tour doch mit einem Frühstück im Rooster Café, spaziert an den Alsterkanälen entlang, bestaunt die Villen am Feenteich und gönnt fliegende Nudeln im Quan 19. Für den Absacker empfiehlt sich Monkey Beach in einzigartiger Lage. Viel Spaß!

Unsere Texte, Tipps und Empfehlungen richten sich an alle, die sich für Hamburg interessieren. Deshalb bemühen wir uns um genderneutrale Formulierungen. Nutzen wir die männliche Form, dient dies allein dem Lesefluss. Wir denken aber stets Menschen aller Geschlechter mit.

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