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U Niendorf Nord
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Niendorf

Warum heißt Niendorf eigentlich Niendorf?

Heimlich, still und leise – und deshalb gerne mal übersehen – schmiegt sich Niendorf an die nordwestliche Stadtgrenze. Wie der gutbürgerliche Stadtteil zu seinem Namen kam und weitere Fakten gibts hier.


Niendorf ist mit seinen 12,7 Quadratkilometern Fläche einer der größeren Stadtteile Hamburgs und liegt zwischen Hagenbecks Tierpark im Süden, IKEA-Schnelsen im Westen, Schleswig-Holstein im Norden und dem Hamburg Airport im Osten. So viel zu den äußeren Faktoren. Doch wie siehts innerhalb des Viertels aus, das sich ungeachtet der Größe seinen dörflichen Charakter bewahrt hat?

Niendorf: Mehr als Endstation

Okay, okay – wir wollen gar nicht erst versuchen, euch und uns etwas vorzumachen. Als hip oder gar szenig können wir "N-Town" beim besten Willen nicht bezeichnen. Das Gros der jüngeren Anwohnerschaft ziehts raus aus dem Stadtteil. Trotzdem ist Niendorf mehr als Endstation der U2. Denn der Stadtteil ist einerseits so groß, dass er gleich vier U-Bahn-Haltestellen hat und nicht nur bei den Älteren, sondern auch bei jungen Familien enorm beliebt. In letzterer Hinsicht äußerst praktisch: Das Gymnasium Ohmoor in Niendorf-Nord zählt alle Jahre wieder zu den beliebtesten Schulen Hamburgs – was die alte Huhn-und-Ei-Frage aufwirft. Selbiges besuchten übrigens Mitglieder der Band Revolverheld und legten dort den Grundsein für ihre Karriere. Und auch einige Mitglieder des kiekmo-Teams haben an der Schule mit dem Ziegengehege ihr Abi absolviert. Lang ist's her – da werden wir gleich nostalgisch. Für die Riege der Niendorfer Prominenz reicht unser Status wohl aber nicht ganz.

Backstein und Betondschungel

Dementsprechend prägen vor allem Einfamilien- und Reihenhäuser aus Backstein mit Garten das Bild des Stadtteils im Bezirk Eimsbüttel. Im nördlichen Teil Niendorfs finden sich jedoch auch einige Wohnblocksiedlungen – unter anderem erhebt sich der "Affenfelsen" direkt an der Station Schippelsweg, der nicht nur ein Paradebeispiel für brutalistische Nachkriegsarchitektur, sondern auch für seltsame Spitznamen Hamburger Orte abgibt. Da im Block nichts ist mit Garten, gibts in und um Niendorf etliche Kleingartensiedlungen, wo die Anwohnerschaft ihr kleines grünes Glück findet. Erholung finden die Niendorfer außerdem im Freizeitbad Bondenwald und die vermeintlich besten Brötchen der Stadt beim Bäcker Hönig. Insgesamt ist Niendorf infrastrukturell tipptopp aufgestellt. Kann man einfach nicht anders sagen.

Gar nicht mal so neu

Allerdings hatte der Stadtteil auch reichlich Zeit sich zu dem zu entwickeln, was er heute ist. Das Gebiet war nämlich bereits in der Steinzeit (also so grob ab 10.000 v. Chr. !!!) besiedelt. Von der einstigen Moorlandschaft (Ohmoor, Vielohmoor und Schnelsener Moor) ist heute nicht mehr viel übrig. Niendorf wuchs von Norden nach Süden – und diese Entwicklung brachte ihm seinen Namen ein. Denn wo sich heute das Zentrum des Stadtteils, der Tibarg mit Einkaufszentrum, befindet, war früher das "Neen Dörp" in Abgrenzung zum nördlichen "Ohl Dörp" – das "neue Dorf". Besagtes Dorf fand sich nach heutigem Überlieferungsstand 1184 erstmalig erwähnt. Die Rede war hier vom Kollauer Hof an Kollau und Tarpenbek, der seinerzeit der Regentschaft des Erzbischofs Siegfried von Bremen unterlag.

1343 erschien dann auch Niendorf auf dem Papier – das Hamburger Domkapitel bekam das dortige Hab und Gut Hinrich Halstenbekes geschenkt. Kirchlich gehörte Niendorf zu Eppendorf und damit zu Hamburg. Die sonstige Administration lief aber noch über die Grafschaft Holstein-Pinneberg, die ab 1640 wiederum dänischer Hoheit unterlag. 1768 wurde Niendorf zum eigenständigen Kirchspiel. 1770 folgte die Kirche am Markt im dänischen Baustil, bis heute Wahrzeichen des Stadtteils und abgesehen vom Michel das bedeutendste barocke Gebäude der Hansestadt. Auch die alten Gruften auf dem Friedhofsgelände sind einen Besuch wert.

Vom Ausflugsziel zum Hamburger Stadtteil

Mit der Zeit – im späten 18. Jahrhundert – avancierte Niendorf bei der Anwohnerschaft der Stadt zu einem so beliebten Ausflugsziel im Hamburger Umland, dass es zu regelmäßigen Kutschenstaus kam. Die ländliche Idylle zog schließlich, ein gutes Jahrhundert später, betuchte Kaufleute an, die hier ihre Landsitze errichteten. Um zu verhindern, dass das stetig wachsende Niendorf in die damals noch unabhängige Stadt Altona eingemeindet würde, vereinigte das Unterelbegesetz das Gebiet 1927 mit Lokstedt und Schnelsen. Offizieller Hamburger Stadtteil wurde das einstige dänische Dorf anno 1937. Durch die Entwässerung der Moore zwecks Wohnungsbau und den Bombennächten von 1943, die das alte Bauerndorf zur Gänze zerstörten, war schnell kaum mehr etwas übrig vom ursprünglichen Niendorf.

Der Niendorfer Markt ist Zentrum des Viertels

Aber apropos Markt. Es ist natürlich kein Zufall, dass dieser eine eigene Bahnstation hat, sondern geschichtliche Logik. Niendorf war bekannt für seine Landwirtschaft. Bereits im 18. Jahrhundert wurden auf zwei großen Niendorfer Märkten um Vieh und Allerlei gefeilscht. Und noch heute ist der Niendorfer Wochenmarkt am Tibarg ("Teeberg" auf Platt) eine Institution im Stadtteil. Einige Händler bieten hier seit Jahren und Jahrzehnten ihre Waren feil. Übrigens: Am Marktplatz trägt eine Doppeleiche die Worten "Up ewig ungedeelt" und zeugt damit von der gescheiterten norddeutschen Revolte gegen die Dänen. Zweites Standbein des Stadtteils war der Abbau von Torf aus den Mooren, welcher stadteinwärts benötigt wurde.

Wer Niendorf sagt, muss auch Gehege sagen

Wenn wir über diesen Stadtteil berichten, ist eines klar: Am Niendorfer Gehege kommen wir unmöglich vorbei. In dem Hamburger Stadtwald könnt ihr nicht nur herrlich spazieren und Damwild beobachten, sondern noch heute einige der alten Kaufmannsvillen entdecken, die den Krieg unbeschadet überstanden haben. Doch auch der Kollauwanderweg entlang des acht Kilometer langen Bachs, naja, Kollau eben, bietet sich für einen Spaziergang durch die Natur des Stadtteils an. Er führt von nördlichen Teil des Viertels am Niendorfer Gehege vorbei bis nach Eppendorf.

Niendorf in Zahlen

  • Einwohner: 40.906, davon 52,8 Prozent weiblich und 47,2 männlich (Hamburger Durchschnitt: 50,8/49,2 Prozent, Stand 31.12.2020)
  • Kulturelle Vielfalt: 121 Nationalitäten (Stand 2019)
  • Durchschnittsalter: 46,9 Jahre (Hamburger Durchschnitt: 42,1 Jahre)
  • Einpersonenhaushalte: 48,4 Prozent (Hamburger Durchschnitt: 54,4 Prozent)
  • Haushalte mit Kindern: 18,1 Prozent (Hamburger Durchschnitt: 17,8 Prozent)
  • Arbeitslosenquote: 2,9 Prozent (Hamburger Durchschnitt: 4,8 Prozent)
  • Durchschnittseinkommen pro Jahr (Stand 2013): 41.651 (Hamburger Durchschnitt: 40.771 Euro)2
    Wenn nicht anders gekennzeichnet: Stand 31.12.2019

Wissenswertes über Hamburgs Stadtteile? Könnt ihr haben!

Niendorf zählt eindeutig zu Hamburgs unterschätzten Stadtteilen, die mindestens einen Besuch wert sind. Doch auch über die bekannten und beliebten Viertel gibts noch einiges zu lernen. Wusstet ihr zum Beispiel schon, warum Winterhude eigentlich Winterhude heißt?

Unsere Texte, Tipps und Empfehlungen richten sich an alle, die sich für Hamburg interessieren. Deshalb bemühen wir uns um genderneutrale Formulierungen. Nutzen wir die männliche Form, dient dies allein dem Lesefluss. Wir denken aber stets Menschen aller Geschlechter mit.

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