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Langenhorn
@altbauliebe.hamburg
Langenhorn

Warum heißt Langenhorn eigentlich Langenhorn?

Was wisst ihr über den Stadtteil an der Schleswig-Holsteinischen Grenze? Nicht so viel? Ändern wir! Bei kiekmo erfahrt ihr neben der Namensherkunft noch so einige spannende Fakten über Langenhorn.


Naturnahe Lage, Nachbar Norderstedt winkt von der anderen Seite der Tarpenbek – willkommen in Langenhorn. Dem Viertel im Bezirk Hamburg-Nord, nicht der Ortschaft an der Nordsee! Auch wenn der Stadtteil (nicht ganz zu Unrecht) den Ruf als abgelegenes Rentner-Paradies weg hat, gibts auf den nicht ganz 14 Quadratkilometern so einiges zu entdecken. Und festzuhalten ist vorab: Mit ganzen fünf U-Bahnhöfen, von denen aus man in 22 bis 30 Minuten in die Innenstadt gelangt, ist Langenhorn deutlich komfortabler angebunden als so manch anderes Fleckchen in Hamburg.

Langenhorn hat schon viel erlebt

Bereits seit 1332 ist Langenhorn in Hamburgischem Besitz! Für läppische 200 Hamburger Silber kaufte es Ratsherr Nicolaus vom Berge dem Grafen Gerhard von Holstein und Stormarn ab. Der Grafschaft wiederum war das Gebiet, das damals lediglich sechs Bauernhöfe umfasste, 1283 vom Kloster Reinfeld überlassen worden. 1913 wurde es dann offiziell eingemeindet – weniger als 4.000 Menschen lebten derzeit dort. An der Form des Stadtteils hat sich nichts geändert; damals wie heute wird Langenhorn von Tarpenbek, Raakmoorgraben und Fuhlsbüttel begrenzt. Und wie das in alten Zeiten nun mal üblich war, hat Langenhorn seinen Namen ganz unspektakulär seiner damaligen Landschaft zu verdanken: das einst dortige längliche Waldgebiet wurde "Langes Horn" genannt.

Apropos Namen. Nicht nur das Viertel, sondern auch viele seiner Straßen bekamen ihre Namen aufgrund ihrer geografischen Merkmale von den Landwirten verliehen. Damals – 1750 nämlich, als Georg Hartmann die erste Karte Langenhorns anlegte – handelte es sich noch um Flurnamen, Bezeichnungen für Koppeln und Wiesen also. Beispiel gefällig? Bittesehr: Wischhöfen ("Wiese am Hof") oder Diekwisch ("Wiese am Teich"), um nur zwei zu nennen.

Raakmoor: Naturschutzgebiet vor der Tür

Wo wir schon beim Thema sind: Die umliegende Natur macht Langenhorn zum traumhaften Familienidyll. Hier spaziert ihr die Alsterkanäle entlang oder unternehmt einen Ausflug in die Hummelsbütteler Feldmark. Das Highlight bildet aber ganz klar das Naturschutzgebiet Raakmoor, das sich auch für Radtouren eignet. Keine Angst, im Boden versinkt hier niemand. Die 18 Hektar bilden nämlich gar kein richtiges Moor mehr, sondern einen besonders schönen Wald in Hamburg, der vornehmlich aus Birken besteht. Glück gehabt: Fast wäre das Gebiet durch Entwässerung und Abtorfung verschwunden! Seit den Siebzigern läuft die Renaturierung, sodass sich die Langenhorner auch in Zukunft an ihrem matschigen Paradies erfreuen können. Der einzige Nachteil: Die Birken freuen sich weniger über den feuchteren Boden und sterben nach und nach ab.

Draußen im Grünen: Wohnen in Hamburg-Langenhorn

Wobei "draußen" viel abgelegener klingt, als Langenhorn in Wirklichkeit ist. Der Stadtteil verfügt nicht nur über eine gute Anbindung an den ÖPNV, sondern ist außerdem mit seiner Nähe zum Hamburg Airport, den vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten am Langhorner Markt sowie mehreren Schulen und über 20 Kitas infrastrukturell bestens aufgestellt. Und das nicht erst seit Neuestem! Bereits 1902 gab es eine Anbindung per Pferde-Busline (ja, wirklich). 1908 wurde das Tier vom Automobil und dieses 1918 von der Dampflock abgelöst, bis schließlich – 1921 – auch in Langenhorn die elektrische U-Bahn an den Start ging. Umso erstaunlicher ist es da, dass es erst seit 1930 eine Kirche im Viertel gibt.

Knapp 46.000 Hamburger nennen Langenhorn heute ihr Zuhause – etwa 40 Prozent von ihnen wohnen in Ein- und Zweifamilienhäusern oder Reihenhaussiedlungen, die hier so zahlreich vertreten sind wie nirgends sonst in Hamburg. Trotz direkter Naturnähe – dörflich ist der Stadtteil nicht mehr zu nennen. Vielmehr zeichnet er sich durch eine gute Mischung urbaner und ländlicher Strukturen aus, besitzt eher Kleinstadtcharakter. All das macht Langenhorn zum attraktiven Standort fürs Familiendomizil.

Langenhorn wie ... langweilig?

Nichts da! Zwar stimmt es, dass der Anteil der Senioren hier höher ist als in manch anderem Viertel – gleiches gilt aber auch für die Zahl der Minderjährigen. Und während die Alteingesessenen wohl eher als gut betucht zu bezeichnen sind, gibts analog zu den vielfältigen Bauformen, die auch bezahlbaren Wohnraum bieten, eine bunte Durchmischung innerhalb der Anwohnerschaft. In den Achtzigern ging sogar richtig was ab in Langenhorn! Auch, wenn ihr es wahrscheinlich nicht erwarten würdet – das ehemalige Bauerndorf wurde ein echtes Szeneviertel! Die Hamburger Punkszene hatte sich den Stadtteil zum Revier auserkoren. Daran trug auch die Band RAZZIA aus Langenhorn eine Mitschuld. Funfact: Auch Rodgrigo González von den Ärzten stammt wie so einige weitere Promis aus Langenhorn.

Ochsenzoll: Langenhorns dunkles Kapitel

Das erste große Bauprojekt des Stadtteils: 1892 als "Landwirtschaftliche Kolonie für Geisteskranke" der Anstalt Friedrichsberg eröffnet, besteht das Krankenhaus Ochsenzoll mit psychiatrischer Klinik bis heute. Der Zusammenschluss mit dem allgemeinen medizinischen Krankenhaus Heidberg zur Asklepios Klinik Nord macht die Einrichtung mit 1.500 Betten zur größten der Stadt. Die Patienten der "Irrenanstalt Langenhorn" wurden von der Bevölkerung mangels fehlender Aufklärung nicht nur mit Skepsis beäugt, sondern auch auf Grundlage des Euthanasiegesetzes von den Nazis ermordet. Das kreisrunde Gelände der Klinik mutet mit seinen hübschen Backsteinhäuschen und der schmucken Kapelle wie ein eigenes kleines Dorf an und lässt sich nur schwer mit den Gräueltaten der NS-Zeit in Einklang bringen.

Auf dem Areal findet sich außerdem ein denkmalgeschützter Wasserturm, der 1913 eigens für die Klinik erbaut wurde. Seit 2012 wird er nicht mehr genutzt. Am Tag des offenen Denkmals könnt ihr einen Blick hinein erhaschen.

Langenhorn: Ein architektonisches Potpourri

In Langenhorn sind verschiedenste Bauformen vertreten. Da der Stadtteil von Bombardements größtenteils verschont blieb, gibts sogar noch einige alte Reetdachhäuser zu sehen, die die Geschichte der ehemaligen Bauernsiedlung erzählen. Von Kriegszeiten zeugen Rundbunker und Splitterschutzanlagen. Nach dem Krieg wurde Langenhorn deshalb Zufluchtsort für Hamburger aus den zerstörten Stadtteilen, sodass neuer Wohnraum her musste. Rund 12.000 Wohnungen entstanden in den Sechzigern. Zusätzlich finden sich in Langenhorn zwei Siedlungen, die hamburgweit ihresgleichen suchen.

Fritz-Schumacher-Siedlung: Gartenstadt statt Betondschungel

Prägnant für den Stadtteil ist die groß angelegte Gartenstadt, die Fritz-Schumacher-Siedlung der 1920er-Jahre. Nach großer Vision des nicht aus Hamburg wegzudenkenden Stadtplaners und Architekten, der von Dulsberg über die Veddel bis zum Gängeviertel etliche Wohnquartiere der Hansestadt im Stil des "Neuen Bauens" errichten ließ, entstanden 660 Wohnungen. Wohnraum für 2.500 Menschen, umgeben von Grün, konzipiert zur Selbstversorgung für Familien und Kriegsveteranen. Langenhorner, die hier ihr Heim haben, sind wirklich zu beneiden. Auch eine Schule liegt in der Siedlung und trägt den Namen des Architekten.

Schwarzwaldsiedlung: Süddeutsches Flair im Hamburger Norden

Ein unerwarteter Anblick bietet sich an der Essener Straße. Denn Hamburg baut bekanntlich auf Backstein – weniger aus Fachwerk. Nichtsdestotrotz findet sich hier eine ganze Siedlung nach süddeutscher Bauart. So hübsch wie die Häuser sind, so unschön ist die Vergangenheit, die sich unter ihren Giebeln abspielte. Denn hier wurden zur Zeit des Nazi-Regimes Granatenzünder und Torpedosteuerungen von jüdischen Zwangsarbeitern hergestellt. Dafür kamen Uhrmacher der Firma Junghans nach Hamburg. Für sie wurde die Schwarzwaldsiedlung mit 180 Wohnungen nach dem Vorbild ihrer Heimat gebaut. Sie steht als Gedenkort unter Denkmalschutz.

Bei Schmidts unterm Sofa

Auch das wohl prominenteste Paar des Stadtteils wohnte in einem der typischen Reihenhäuser: Helmut Heinrich Waldemar und Hannelore "Loki" Schmidt. Der fünfte Bundeskanzler der Bundesrepublik (1974-1982) wurde 1918 in Barmbek geboren, seine Gattin 1919 in Hammerbrook. Gemeinsam lebten sie viele Jahre im Neubergerweg. Dieses kann heute als Kanzlerhaus (virtuell) besichtigt werden. Beeindruckend sind vor allem die großen Buch- und Kunstsammlungen der Schmidts. Unter dem Titel Kanzlers Kunst wurde ihrer gemeinsamen Leidenschaft eine eigene Ausstellung von 150 Werken im Ernst Barlach Haus im Jenischpark gewidmet. Das Kettenrauchen Helmuts brachte dem Paar den Spitznamen "Loki und Smoky" ein und führte schließlich zu Erkrankungen und Folgeinfektionen, denen Schmidt 2015 erlag. Heute liegen beide wiedervereint wie so einige Hamburger Promis auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Mehrere Stiftungen gehen auf die Schmidts zurück, die sich unter anderem für soziale Gerechtigkeit und Naturschutz einsetzen.

Langenhorn in Zahlen

Einwohner: 46.144, davon 50,8 Prozent weiblich und 49,2 Prozent männlich (Hamburger Durchschnitt: 50,8/49,2 Prozent)
Kulturelle Vielfalt: 143 Nationalitäten
Durchschnittsalter: 42,7 Jahre (Hamburger Durchschnitt: 42,1 Jahre)
Einpersonenhaushalte: 48,2 Prozent (Hamburger Durchschnitt: 54,3 Prozent)
Haushalte mit Kindern: 20,3 Prozent (Hamburger Durchschnitt: 18 Prozent)
Arbeitslosenquote: 4,7 Prozent (Hamburger Durchschnitt: 5,0 Prozent)
Durchschnittseinkommen pro Jahr (Stand 2013): 30.965 Euro (Hamburger Durchschnitt: 39.054 Euro)

Wenn nicht anders gekennzeichnet: Stand 31.12.2019

Hamburgs unterschätzte Stadtteile

Langenhorn ist wahrscheinlich spannender, als ihr gedacht hättet, oder? Und damit ist das Viertel nicht allein: Hamburgs unterschätzte Stadtteile haben weitaus mehr zu bieten als ihr Ruf.

Unsere Texte, Tipps und Empfehlungen richten sich an alle, die sich für Hamburg interessieren. Deshalb bemühen wir uns um genderneutrale Formulierungen. Nutzen wir die männliche Form, dient dies allein dem Lesefluss. Wir denken aber stets Menschen aller Geschlechter mit.

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