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kiekmo / Joschina Zeppelin
Dulsberg

Warum heißt Dulsberg eigentlich Dulsberg?

Klein, aber oho. Flächenmäßig rangiert Dulsberg auf den hinteren Plätzen der Hamburger Stadtteile, doch zwischen Rotklinkern und Grünzügen lässt es sich gut – und verhältnismäßig günstig – leben!


Zuerst einmal: Die Bewohner des Stadtteils leben "auf dem Dulsberg" und nicht "in Dulsberg". Wer jetzt aber nach einer größeren Erhebung in den Straßen des Viertels im Hamburger Osten Ausschau hält, kann lange suchen. Der namensgebende Hügel existiert nämlich nicht mehr. Vor mehr als 130 Jahren wurde der rund 19 Meter hohe Tollsberg (Teufelsberg), der sich im Bermudadreieck zwischen Krausestraße, Lauenburger und Probsteier Straße befand, abgetragen. Warum? In den 1880er-Jahren benötigten die ansässigen Bewohner Sand für diverse Bauprojekte – und der Berg musste dafür herhalten.

Die Einöde vom Dulsberg

Überhaupt sah der kleine und charmante Stadtteil Dulsberg damals noch ganz anders aus. Weideland und Wiesen dominierten die Landschaft, bis Bauern den Boden Ende des 19. Jahrhunderts an Hamburg verkauften. Der Dulsberg wurde 1894 ein Teil der Hansestadt und zählte anfangs zu Barmbek. Hamburg nutzte das neue Areal, um ungeliebte Industriebranchen dorthin auszulagern: 1910 entstand eine Fischkonservenfabrik am Alten Teichweg, 1912 folgte eine Müllverbrennungsanlage. Auch ein Armenhaus, ein Gaswerk, ein Friedhof und Militäranlagen prägten damals das Bild vom Dulsberg. Keine so schöne Umgebung …

Der Dulsberg im Aufschwung: Fritz Schumacher schafft Wohnraum

Doch weil der Wohnraum in Hamburg immer knapper wurde, zog die Stadt auch das Dulsberger Land für den Bau neuer Wohnungen in Betracht. Oberbaudirekter Fritz Schumacher und ein Team an Architekten entwarfen die Siedlung Dulsberg, deren erster Bauabschnitt 1923 fertiggestellt wurde. Sie prägten die Architektur des Viertels maßgeblich durch Rotklinkerbauten, Laubengänge und begrünte Innenhöfe und machten ansehnliche Wohnverhältnisse auch für ärmere Bevölkerungsschichten möglich – bis der Zweite Weltkrieg begann.

Endlich eigener Stadtteil!

Im Krieg wurden große Teile der Siedlung zerstört – und später wieder originalgetreu aufgebaut. Rund 20 Prozent der Häuser stehen heute übrigens unter Denkmalschutz. 1951 teilte die Stadt Hamburg schließlich Barmbek auf – Dulsberg war nun ein eigenständiger Stadtteil und konnte sich zu dem stolzen Quartier entwickeln, das es heute ist. Denn obwohl das Viertel mit 1,2 Quadratkilometern zu den kleinsten Stadtteilen der Hansestadt zählt, hat es einiges zu bieten. Neben der Vorzeige-Achitektur Fritz Schumachers als Form des Neuen Bauens machen die Gegend auch ein von West nach Ost durchgängig verlaufender Grünzug sowie die Nähe zur Osterbek attraktiv.

Welche Stadtteile können außerdem von sich behaupten, einen eigenen Olympia-Stützpunkt zu haben? Na eben, nicht viele! Außerdem gilt Dulsberg als beliebter Stadtteil für Singles und Alleinerziehende (42,1 Prozent aller Bewohner), weil die Wohnungen dort klein und verhältnismäßig preisgünstig sind. Das hat in den letzten Jahrzehnten viele junge Menschen auf den Dulsberg gelockt. Schaut doch auch mal vorbei!

  • Dulsberg in Zahlen Einwohner: 17.229, davon 50,1 Prozent weiblich und 49,9 Prozent männlich (Hamburger Durchschnitt: 50,8/49,2 Prozent)
  • Kulturelle Vielfalt: 123 Nationalitäten
  • Durchschnittsalter: 39,9 Jahre (Hamburger Durchschnitt: 42,1 Jahre)
  • Einpersonenhaushalte: 71,7 Prozent (Hamburger Durchschnitt: 54,3 Prozent)
  • Haushalte mit Kindern: 10,9 Prozent (Hamburger Durchschnitt: 18 Prozent)
  • Arbeitslosenquote: 7,6 Prozent (Hamburger Durchschnitt: 4,8 Prozent)
  • Durchschnittseinkommen pro Jahr (Stand 2013): 21.239 Euro (Hamburger Durchschnitt: 39.054 Euro) Wenn nicht anders gekennzeichnet: Stand 31.12.2019

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