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Chilehaus am Abend
Mediaserver Hamburg / Jörg Modrow
Hamburg

Wegen NS-Bezug: Diese Hamburger Straßen könnten umbenannt werden

Sirany Schümann
Sirany Schümann

Eine Experten-Kommission hat den Umgang mit NS-belasteten Straßennamen in Hamburg geprüft. Für welche Straßen sie eine Umbenennung empfiehlt, erfahrt ihr hier.

Die Black-Lives-Matter-Bewegung hat im Jahr 2020 eine neue Debatte darüber ins Rollen gebracht, welche Straßennamen, Denkmäler und Statuen aufgrund ihrer (Kolonial-)Vergangenheit problematisch sind. In Deutschland gibt es mit dem Nationalsozialismus allerdings ein weiteres großes Problemfeld. Auch in Hamburg sind noch viele Straßen nach Personen mit einer NS-Vergangenheit benannt. Um den Umgang mit diesen zu klären, hat die Behörde für Kultur und Medien im September 2020 eine achtköpfige Kommission berufen. Ihre Aufgabe: Entscheidungskriterien entwickeln und Empfehlungen zu möglichen Umbenennungen auszusprechen. Die Expertinnen und Experten der Gruppe haben nun ihren Abschlussbericht vorgelegt.

Für diese Straßen empfiehlt die Kommission eine Umbenennung

Die Kommission kommt zu dem Ergebnis, dass eine NSDAP-Mitgliedschaft einer Person allein nicht für eine Straßenumbenennung ausreiche. Eine Ehrung in Form einer Benennung einer Straße nach einer Person sei allerdings "nicht mehr haltbar, wenn das Handeln der Person die heutigen Wertvorstellungen in eklatanter Weise verletzt". Gegeben sieht die Kommission das bei folgenden elf Straßennamen:

  • Hamburg-Mitte: Högerdamm
  • Altona: Julius-Brecht-Straße
  • Hamburg Nord: Walter-Bärsch-Weg, Heynemannstraße, Oehleckerring, Paul-Stritter-Brücke/Paul-Stritter-Weg, Strüverweg
  • Wandsbek: Reinckeweg
  • Bergedorf: Elingiusplatz, Schorrhöhe
  • Harburg: Albert-Schäfer-Weg

Die Heynemannstraße in Hamburg-Nord etwa ist nach dem Gynäkologe Theodor Heynemann benannt, der sich an Zwangssterilisationen beteiligt hat. Der Högerdamm in Mitte trägt den Namen des Chilehaus-Architekten Fritz Höger, der sich auch nach 1945 privat noch antisemitisch äußerte. Der Reinckeweg in Wandsbek wiederum ehrt den Jurist und Historiker Heinrich Reincke, der als Direktor des Hamburger Staatsarchivs sogenannte "Ariernachweise" ausstellte und Antragsteller denunzierte, die die Kriterien nicht erfüllten.

Diese Straßennamen sollen Hinweisschilder bekommen

Nicht alle Straßen in Hamburg sollen umbenannt werden, nur weil bei ihren Namensgebern NS-Bezüge festgestellt werden konnten. Bei elf weiteren Straßen empfiehlt die Kommission eine Kontextualisierung in Form von Hinweisen an den Straßenschildern, die auf die Vergangenheit der Persönlichkeiten aufmerksam machen. Dabei handelt es sich um folgende Personen: Elsa Bromeis, Felix Dahn, Theodor Fahr, Carsten Fock, Rudolf Klophaus, Friedrich Köhne, Kurt A. Körber, Friedrich Lademann, Carl-Hans Lungershausen, Walter Schlenzig und auch die von vielen Hamburgern verehrte Heidi Kabel ist dabei. Was viele nicht wissen: Die Volksschauspielerin des Ohnsorg-Theaters war seit 1938 Mitglied der NS-Frauenschaft und drängte auch ihren Mann Hans Mahler, in die NSDAP einzutreten, um beruflich bessere Chancen zu haben. Allerdings distanzierte sich Heidi Kabel später deutlich von ihrem Handeln und setzte sich selbstkritisch damit auseinander.

Im Nationalsozialismus umbenannte Straßen sollen ursprüngliche Namen zurückerhalten

Zu guter Letzt hat die Kommission auch noch Straßen in den Blick genommen, die von den Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945 umbenannt wurden, weil ihre ursprünglichen Namensgeber jüdischer Herkunft waren. So wurde 1933 in Wilstorf die Käthe-Kollwitz- zur Walter-Flex-Straße und die Umbenennung des Juliusweg in den Kraepelinweg in Barmbek erfolgte 1938. Für beide Straßen empfehlen die Experten eine Rückbenennung, um die Errungenschaften der Malerin und Pazifistin Käthe Kollwitz und des Arztes Nikolaus Heinrich Julius zu würdigen.

Was nun folgt, ist viel Bürokratie. Alle Vorschläge sollen jetzt gemeinsam mit den Bezirken diskutiert werden. Diese werden dann die Umbenennungen zusammen mit neuen Namensvorschlägen beim Staatsarchiv einreichen, bevor diese der Senatskommission zur abschließenden Entscheidung vorgelegt werden.

Unsere Texte, Tipps und Empfehlungen richten sich an alle, die sich für Hamburg interessieren. Deshalb bemühen wir uns um genderneutrale Formulierungen. Nutzen wir die männliche Form, dient dies allein dem Lesefluss. Wir denken aber stets Menschen aller Geschlechter mit.

Quellen zum Text: