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Mümmelmannsberg
Hamburgisches Architekturarchiv, Bestand Neue Heimat. Foto: Neue Heimat Städtebau
Billstedt

Warum heißt Mümmelmannsberg eigentlich Mümmelmannsberg?

Als Endhaltestelle der U2 sorgt Mümmelmannsberg regelmäßig für Belustigung und Irritation. 2020 feiert "Mümmel" seinen Fünfzigsten. Grund genug, dass wir uns das Quartier einmal ganz genau anschauen.


Dabei handelt es sich bei "Bunny-Hill" gar nicht um einen eigenen Stadtteil – die Großwohnsiedlung Mümmelmannsberg gehört zu Billstedt. Aufgrund der prominenten Platzierung im HVV kann man da aber schon mal durcheinander kommen. Für eine Endstation im wahrsten Sinne des Wortes kann "M-Town" (Funfact: Niendorf Nord am anderen Ende der U2 wird "N-Town" genannt) doch einiges mehr als sein Ruf. Lest mal hier.

Im Kaninchenbau

Wobei wir die Station nicht außer Acht lassen wollen! Denn einmal am Bahnhof im Südosten Hamburgs – etwa 20 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt – angekommen, bietet sich hier bereits das erste Schauspiel. Im rosa und blau gefliesten Untergrund kommt seit 1990 Alice-im-Wunderland-Stimmung auf. Steinerne Hasenornamente, die die Wände zieren, verstärken den Eindruck. Ob sich mit den kleinen Mümmelmännern ein erster Hinweis auf die Namensherkunft der Siedlung auftut?

Der Name ist Hase?

Und tatsächlich: Hinter Mümmelmannsberg verbirgt sich – zugegeben wenig spektakulär – ziemlich genau das, was man sich eben unter Mümmelmannsberg vorstellt. Das Quartier hat seinen Namen von der gleichnamigen Straße. Die wurde schon 1938 Mümmelmannsberg genannt, da man hier viele kleine Klopfer antraf. Zuträglich war außerdem "Mümmelmann. Ein Tierbuch" (veröffentlicht 1910) von Hermann Löns – eine Erzählung aus Sicht des Hasen Mümmelmann, die sich derzeit großer Beliebtheit erfreute. Das Grab des Schriftstellers, Autors und Naturschützers findet ihr übrigens zusammen mit seiner Statue und dem Löns-Zimmer in der Lüneburger Heide. Aber zurück nach Mümmelmannsberg! Einen richtigen "Berg" gibt es hier zwar nicht – wir sind ja schließlich immer noch in Hamburg – allerdings liegt Mümmelmannsberg höher über dem Meeresspiegel als die meisten Orte der Hansestadt. An die 26 bis 35 Meter über Null kommt nur noch Blankenese ran. Kellerfluten? In Mümmel seit jeher Fehlanzeige!

Mümmelmannsberg: Multikulti im Plattenbau

Die Billstedter Großwohnsiedlung entstand in den 1970er-Jahren und beherbergt heute rund 18.500 Menschen aus allerlei Nationen. Und die fühlen sich in Müberg ausgesprochen wohl. Gar nicht so verwunderlich, immerhin nahm die Saga erst 2020 stolze 110 Millionen Euro in die Hand, um die Hochhäuser von innen und außen aufzuhübschen. Klar, Plattenbau ist nicht jedermanns Fall, hat aber durchaus seinen ganz eigenen Charme. Und die Mietpreise sprechen für sich: 4,88 Euro zahlt man im Wohnturm pro Quadratmeter. Unfassbar, dass das in Hamburg überhaupt noch möglich ist – schließlich liegt der Mietspiegel der Hansestadt 2020 bei fast 14 Euro pro Quadratmeter! Anwohner schätzen außerdem die starke Nachbarschaft. Die äußert sich beispielsweise in einer eigens komponierten Willkommenshymne für "Mümmel-Babys". Übrigens ist nicht alles Wolkenkratzer: Im Westen der Siedlung findet ihr auch einige Einfamilienhäuser.

Buntes Wunderland

Und konträr zum Ruf des tristen Brennpunkts ist die Siedlung nicht nur durch ihren multikulturellen Mix ziemlich bunt! Da wären die farbenfroh gestaltete Wand direkt am Bahnhof Mümmelmannsberg, die Skulpturen auf dem Hof, die kunstverzierten Stromkästen, das Atelier der "Frauenmalgruppe Wir". 16 Straßen sind nach Kunstschaffenden benannt: Kandinskyallee, Paul-Klee-Straße oder Gustav-Klimt-Weg bilden nur einige Beispiele. Jährlich lädt Mümmelmannsberg außerdem zu den Kunst- und Kulturtagen – von wegen also graue Einöde!

Als Brennpunkt gebrandmarkt

Wusstet ihr, dass Mümmelmannsberg als Siedlung für Kreative und Studierende gedacht war? Daher rühren auch die Straßennamen. Großzügige Grünflächen und Parkmöglichkeiten sowie Sportstätten sollten dazu dienen, den jungen Menschen einen angenehmen Wohnort mit allen Angeboten für den täglichen Bedarf zu bieten. Auch Ärzte, Schulen und ein Altenheim findet man in dem Ortsteil. Ob die Studenten der letzten Jahrzehnte einfach geblieben sind? Die Fluktuation von nur zwei Prozent spricht dafür. Fakt ist: Der Wohnraum ist knapp und begehrt. Die Vision vom grünen Paradies hat sich aber so gar nicht im Image des Stadtteils niedergeschlagen. Schade eigentlich.

Auf grau und bunt folgt grün

Ja ja, nach schmucken Altbauten sucht man in Mümmelmannsberg zwar vergebens, aber die Grünflächen, die es hier gibt, lassen so manch anderen Stadtteil ganz schön alt aussehen. Rund um die Türme findet ihr nicht nur Wiesen, auf denen die Kinder toben können, sondern auch richtige Wanderpfade und Radwege, denen ihr bis ins benachbarte Schleswig-Holstein folgen könnt. Dort erwartet euch die Boberger Niederung mit See sowie einmaliger Wald- und Dünenlandschaft. In der Glinder Au finden Billstedter ein weiteres angrenzendes Naherholungsgebiet und der Segelflugplatz lädt dazu ein, die Dinge mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Entwicklungspotential – auch zum Hipsterviertel?

Obwohl Mümmelmannsberg ein überdruchschnittlich junges Fleckchen Hamburg ist, haben es junge Erwachsene eher schwer, was die Freizeitgestaltung betrifft. Angebote für Kinder und Jugendliche gibt es dagegen in Hülle und Fülle. Vor allem Spielplätze werden für Eltern so Orte des interkulturellen Austauschs – gut so! Denn so lösen sich Vorurteile und Parallelgesellschaften Stück für Stück ganz von selbst auf. Im Quartier existieren nichtsdestrotrotz auch tatsächliche Probleme, die für das schlechte Image verantwortlich sind. Die gibts allerdings auch in anderen Stadtteilen. Die ZEIT prognostizierte 2019, dass sich Mümmelmannsberg durch bauliche Aufwertungsmaßnahmen wie das zentrale Einkaufs- inklusive Stadtteilzentrum zum nächsten Hipsterviertel Hamburgs mausern könnte. Ob das wirklich passiert, wird sich zeigen.

Mümmelmannsberg in Zahlen

Einwohner: rund 18.500 (Stand 2009)
Kulturelle Vielfalt: 141 Nationalitäten (ganz Billstedt, Stand 31.12.2019)
Unter 18-Jährige: 21,2 Prozent (Hamburger Durchschnitt: 16,5 Prozent)
Einpersonenhaushalte: 38,3 Prozent (Hamburger Durchschnitt: 54,4 Prozent)
Haushalte mit Kindern: 26,7 Prozent (Hamburger Durchschnitt: 17,8 Prozent)
Arbeitslosenquote: 9,9 Prozent (Hamburger Durchschnitt: 4,8 Prozent)
Durchschnittseinkommen pro Jahr: 19.526 (Hamburger Durchschnitt: 39.054 Euro)

Wenn nicht anders gekennzeichnet: Stand 2014, Hamburger Durchschnitt Stand 2018

Und, wie gut kennt ihr Hamburg? Fakten und Wissenswertes aus der Hansestadt

Habt ihr euch schon mal gefragt, woher die Hamburger Stadtteile ihre Namen haben? Wir haben uns schlau gemacht und verraten, warum beispielsweise Veddel und Rothenburgsort eigentlich so heißen und woher Eimsbüttel seinen Namen hat.

Unsere Texte, Tipps und Empfehlungen richten sich an alle, die sich für Hamburg interessieren. Deshalb bemühen wir uns um genderneutrale Formulierungen. Nutzen wir die männliche Form, dient dies allein dem Lesefluss. Wir denken aber stets Menschen aller Geschlechter mit.

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