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Vanessa Janneck B-LAGE
Charlotte Schreiber

Marke Hamburg: Vanessa Janneck vom B-LAGE Store im Interview

Hamburg ist eine Stadt der Visionen, Innovationen und der Kreativität. Das beweist auch Gründerin Vanessa Janneck vom B-LAGE Store.


Sicher kennt ihr den Design Store B-LAGE in der Schanze – oder? Schließlich gibts hier viel Schönes und Hamburg-Liebhabende kommen dabei besonders auf ihre Kosten. Wir sagen nur Franzbrötchen. Bevor ihr aber zum Stöbern aufbrecht, solltet ihr den kreativen Kopf hinter dem Laden kennenlernen: Vanessa Janneck. Die 33-Jährige verrät im kiekmo-Interview alles rund um ihre Selbstständigkeit und die Gründung der B-LAGE.

Liebe Vanessa, wie bist du zu dem gekommen, was du heute tust?

Eigentlich ist mein komplettes Leben die Inspiration zum Laden, denn die Idee einen Laden zu eröffnen kam mir tatsächlich erst, als ich durch Zufall in das Ladenlokal gekommen bin, das heute die B-LAGE ist. Ich bin gebürtige Rheinländerin und in Langenfeld zwischen Köln und Düsseldorf aufgewachsen, nach dem Abitur habe ich mich erst für verschiedene Ausbildungen im Modebereich beworben, für jede Bewerbung eine Einladung erhalten – und bin dann zu keinem Gespräch hingegangen, weil mein Herz reisen wollte. Mit Work & Travel bin ich dann auf Lanzarote gelandet und habe als Kellnerin in einem Hotel gearbeitet, Spanisch gelernt und das Strandleben lieben gelernt.

Als ich zurückkam, wollte ich irgendwas mit Spanisch studieren, also habe ich mich für verschiedene Studiengänge in Deutschland beworben und bin am Ende an Universität Duisburg-Essen gelandet. Dort habe ich ein Lehramts-Studium der Fächer Deutsch und Spanisch begonnen. Im vierten Semester ging es dann für ein Jahr nach Barcelona. DER Ort meiner Inspiration für alles und meine absolute Lieblingsstadt in Europa. Nach dem Erasmus-Jahr habe ich dann meinen Studiengang vom Lehramt zum Bachelor gewechselt und mich auf Sprach- und Kommunikationswissenschaft spezialisiert. Ich wollte schreiben und die Funktionen der Sprache verstehen und erforschen, denn in Barcelona wurde mir klar: Ich will auf jeden Fall irgendwie irgendwas im Designbereich machen.

Jetzt fragt ihr euch sicher: Was hat das Studium mit Design zu tun? – Theoretisch nichts und alles, denn heute verbinde ich meine Berufserfahrung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die ich während und nach dem Studium gesammelt habe, mit dem klassischen Einzel- und Onlinehandel: B-LAGE halt. Meine eigene Marke Vanewonderland habe ich ebenfalls in Barcelona gestartet und meine selbst gemachten Ankerarmbänder, mit denen die Marke gestartet hat, mit nach Deutschland gebracht, war auf jedem Designmarkt unterwegs und hatte einen kleinen Onlineshop. Ich habe jahrelang im Einzelhandel gearbeitet, habe sehr viel gekellnert, habe verschiedene Praktika gemacht im Museum, im Bereich PR für verschiedene Veranstaltungen und meine letzte Festanstellung war als Projektmanagerin in einer Künstlermanagement Agentur. Ich würde sagen, ich habe einfach immer das gemacht, was mich gerade angesprochen hat und vereine heute all meine Erfahrung plus meine persönlichen Ideen und Werte in der B-LAGE.

Was treibt dich in deinem Schaffen an und was macht dir besonders viel Spaß an deiner Arbeit?

Es gab unterschiedlich Phasen in der Entwicklung des Ladens, auch Zeiten, in denen ich alles an den Nagel hängen wollte. Was mich immer angetrieben hat, war mein Glaube an das Konzept und meine Ideen. Das Netzwerk, das irgendwie wie eine große Familie ist, treibt mich täglich an; immer, wenn ich denke, alles ist kacke, lasse ich kurz alles liegen und es kommt irgendwas Neues um die Ecke, wie eine Zutat, die noch gefehlt hat. Freude an der Arbeit und neue Ideen habe ich jedoch nur, wenn ich frei bin und meinem Herzen folgen kann, deswegen lebe ich momentan in Rio de Janeiro und arbeite von hier aus und mein großartiges Team hält die Stellung im Store. Freude hat mir die Gebundenheit an einen einzigen Ort und die damit verbundenen Öffnungszeiten plus alle Aufgaben, die mich von meiner kreativen Arbeit abhalten, nämlich nicht mehr wirklich gemacht. Jetzt kümmere ich mich "nur noch" um die Kuration und Entwicklung der Produkte, Social Media und Pressearbeit, B2B, Buchhaltung und andere Kleinigkeiten.

Was inspiriert dich? Gab oder gibt es Vorbilder?

Sehr viel Inspiration aber kein konkretes Vorbild, dem ich nacheifere. Ich mach einfach mein Ding und lasse mich vom Leben inspirieren. Von Menschen, Lebensweisen, Arbeitsweisen andere Stores und ihren Inhaber:innen aber auch von der Natur, von Städten und ihren Bewohnern.

Mit welchen Schwierigkeiten hast oder hattest du im (Berufs-)Alltag zu kämpfen?

Ich glaube, hier spreche ich für viele Frauen in der Gründung, wenn ich sage: "Finanzierung". Vor allem im kreativen Bereich ist es schwer, sich zu behaupten und seine Ideen durchzusetzen ohne sich totzuarbeiten. Ich erinnere mich immer gerne an meine Beraterin im Gründerforum der Handelskammer Hamburg, die mich und meine Idee so doll bestärkt hat in der ganzen bürokratischen Anfangsphase. Eigentlich stand mein komplettes Umfeld hinter mir und meiner Idee, nur die Banken nicht. Ich habe mit ganz kleinem Budget gegründet und hatte immer Schwierigkeiten, große Warenmengen abzunehmen. Die Nachfrage war immer größer als das Angebot, leider kann man das keiner Bank nachweisen. Am Anfang habe ich nachts noch gekellnert und Extra-Jobs gemacht, um den Laden zu finanzieren, ich hatte Angst vor Crowdfunding und Co. und auch irgendwie keine Energie dafür, weil ich ja auch 9 Stunden am Tag im Store stand, auch wenn ich manchmal nur eine Postkarte verkauft habe.

Wenn du den Weg betrachtet, den du gegangen bist: Welche positiven Wendungen hatte er und wie kamen diese zustande?

Tatsächlich lagen alle positiven und negativen Wendungen immer an mir und meiner persönlichen Verfassung. Ist die Energie aus, überträgt es sich natürlich in irgendeiner Art und Weise auf dein Unternehmen. Hier waren verschiedene Faktoren im Spiel, die Einfluss auf die Entwicklung des Ladens hatten aber vor allem Vertrauen und Kommunikation. Ich habe aus einem Burnout heraus gegründet, dessen Folgeschäden wie depressive Phasen ich natürlich mit in die Selbstständigkeit genommen habe. Ich finde es schwierig, dass die Gesellschaft mentale Gesundheit immer noch weitestgehend als Tabuthema behandelt. Gefühlt leidet jeder aus meinem Umfeld an Depressionen, aber jeder geht auch anders damit um. Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht und ich glaube genau deshalb ist die B-LAGE auch mehr als ein Laden, bei uns haben auch die schweren Themen Platz.

Denkst du "Unternehmen" neu? Was ist dir als Geschäftsführerin besonders wichtig?

Ich lerne gerade erst Geschäftsführerin zu sein, weil ich die B-LAGE bis vor Kurzem gar nicht als Unternehmen gedacht habe, sondern mich als Selbstständige, die ein bisschen Hilfe im Verkauf hat. Dank der Pandemie (wenn man das so sagen darf) habe ich meine Strukturen ein wenig umgedacht und kann mittlerweile sagen, dass ich ein Unternehmen mit 3 Mitarbeiterinnen führe. Mir ist es wichtig, dass meine Mitarbeiter:innen Spaß an dem Job haben, sich für Design und Nachhaltigkeit interessieren und die Arbeit sehen, die zu tun ist. Jede meiner Mitarbeiterinnen ist Chef in ihrem eigenen Bereich und wir funktionieren wie ein Zahnrad, das den Laden am Laufen hält. Auch im Unternehmen höre ich stark auf meine Instinkte, mein Bauchgefühl entscheidet. Natürlich muss das Finanzielle immer mit einberechnet sein, aber der finanzielle Aspekt war nie Priorität im Store. Jede:r im Team soll soviel Energie reinstecken um glücklich zu leben, wenn mehr Energie reingesteckt wird als nötig, werden Dinge verworfen und neu gedacht. Also zusammengefasst, ja, ich denke Unternehmen neu bzw. anders – in Energie.

Könntest du deinem jüngeren Ich einen Ratschlag geben, wie würde dieser lauten?

Lasse die Sorgen um das Wie los und setze stattdessen auf Vertrauen.

Gibt es noch etwas, was du gerne loswerden möchtest?

Eine fette Umarmung an alle, die in den letzten 6!!! Jahren Teil der B-LAGE geworden sind

Infos: B-LAGE, Kampstraße 11, 20357 Hamburg

Noch mehr Hamburger Unternehmergeist gefällig?

Dinge neu denken, die Welt ein bisschen besser machen – einige Hamburger haben klare Visionen, mit denen sie sich selbstständig machen, Marken gründen oder Projekte ins Leben rufen. Kennt ihr zum Beispiel schon Julia Kremer aka. SchönWild oder den Ecco-Verlag?

Unsere Texte, Tipps und Empfehlungen richten sich an alle, die sich für Hamburg interessieren. Deshalb bemühen wir uns um genderneutrale Formulierungen. Nutzen wir die männliche Form, dient dies allein dem Lesefluss. Wir denken aber stets Menschen aller Geschlechter mit.

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