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Hanseatic Help Lager
Pedro Seixas
Altona

Einfach machen! Wie aus einer Kleiderkammer Hanseatic Help wurde

Maike Schade
Maike Schade

Aus der Kleiderkammer in den Messehallen ist eine großartige Hamburger Hilfsorganisation entstanden. Ein tolles Beispiel dafür, wie einfach helfen sein kann – auch für euch.

Erster Blick: Endlose Regalreihen ziehen sich durch die große Halle, vollgestopft mit allem Möglichen. Zweiter Blick: Bei Hanseatic Help hat alles System, ist in verschiedene Bereiche unterteilt. Klamotten für Frauen, Kinder und Männer. Schulzeug. Schals und Mützen. Hygieneartikel. Schlafsäcke. Schuhe. Alles ist fein säuberlich in beschriftete Kisten verpackt. T-Shirts, Pullis, Blusen, Strickjacken, Hosenanzüge, Umstandsmode für Frauen beispielsweise. Beeindruckend, was Hanseatic Help hier auf die Beine gestellt hat. Eine Hilfsorganisation, bei der die Hilfe wirklich organisiert stattfindet.

Hanseatic Help ging aus der Kleiderkammer Messehallen hervor

Begonnen hat das alles aber im Chaos, und zwar mit der Kleiderkammer in den Messehallen. Ihr erinnert euch bestimmt: Im September 2015 konnten hier Spenden für die vielen Flüchtlinge abgegeben werden, die damals zuhauf in Hamburg ankamen. Tausende Helfer packten mit an, die Hilfsbereitschaft war überwältigend. Doch häufig wusste die rechte Hand nicht, was die linke tat. "Sehr schnell haben sich allerdings Personen gefunden, die entweder durch ihre Berufe oder durch die Erfahrung in den Messehallen Verantwortung übernommen haben und Struktur in die Kleiderkammer brachten", erzählt Kai Weise, Ehrenamtlicher der ersten Stunde bei Hanseatic Help. Binnen kürzester Zeit bekam das Ganze Struktur, es wurde sortiert, gestapelt und sinnvoll verteilt. Als die Hallen einige Wochen später, im Dezember 2015, endgültig geräumt werden mussten, war klar: "Das hier wird länger gehen, wird uns noch lang beschäftigen. Eine rechtliche Struktur muss her, um zum Beispiel einen Mietvertrag für ein neues Lagerhaus unterschreiben zu können," sagt Weise weiter. Also wurde bereits im Oktober 2015 der als gemeinnützig anerkannte Hanseatic Help e.V. gegründet.

Die Spenden werden mit System sortiert

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Bramfeld in einer leerstehenden Lagerhalle des Online-Versandhändlers Otto fand die junge Hamburger Hilfsorganisation in der Großen Elbstraße 264 ein neues, 2.300 Quadratmeter großes Zuhause. Hier gibt es nun einen Tresen, an dem die Spenden abgegeben werden können. Gleich dort wird in großen Kisten grob vorsortiert – zum Beispiel Kinderkleidung, Schuhe, Hygieneartikel (bitte genau wie bei Unterwäsche, Socken oder Bettzeug nur Neuware abgeben!). Die werden später dann noch exakt auseinander klamüsert. Was nicht akut gebraucht wird, geht ins Lager. Insgesamt durchlaufen die Spenden bei Hanseatic Help von der Annahme bis zur Ausgabe elf Stationen.

Hanseatic Help braucht eure Spenden

Auch ihr könnt bei Hanseatic Help spenden: An fünf Tagen die Woche könnt ihr in der Großen Elbstraße gut erhaltene, saubere Kleidung, Schuhe oder ähnliches abgeben. Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob die Sachen wirklich noch in einem ausreichend vernünftigen Zustand sind, dann überlegt einfach, ob ihr die Sachen auch Freunden oder der Familie schenken würdet. Nicht angenommen werden unter anderem Spielzeug oder auch Haushaltsgegenstände. Eine vollständige Liste findet ihr hier – und Infos, welche Dinge aktuell besonders dringend gebraucht werden.

Die dort gelisteten Schlafsäcke werden vor allem an Obdachlose ausgegeben. Denn Hanseatic Help unterstützt schon lange nicht mehr nur Flüchtlinge, sondern alle, die Hilfe benötigen. Sogar im Ausland: Seit der Gründung wurden mehr als 250 Hilfslieferungen in Krisengebiete organisiert. Insgesamt wurden in dieser Zeit mehr als 8,5 Millionen Sachspenden neu verteilt.

Spenden können online bestellt werden

In dieser Dimension geht das natürlich nicht mehr einfach so auf Zuruf. "Wir haben ein eigenes IT-System für unsere Spendenlogistik", erläutert Michael Wopperer, Verantwortlicher für die Öffentlichkeitsarbeit bei Hanseatic Help. Hier sind alle Artikel verzeichnet. Wer etwas benötigt – ausgegeben wird an Hilfsorganisationen, Projekte und Einrichtungen wie Kinderheime, Frauenhäuser oder Obdachlosenunterkünfte – muss online einen Bestellschein ausfüllen. "Die benötigten Sachen werden von unserem Team zusammengestellt und abholbereit gepackt."

Wie Hanseatic Help Privatpersonen noch besser erreicht

Der neueste Coup des Vereins? Der Aufbau von drei Hanseatic Help Stores, der eine wichtige Komponente bei der Hilfe berücksichtigt: die freie Wahl. Denn hier haben hilfsbedürftige Menschen die Möglichkeit, in Ruhe nach Kleidung zu stöbern, die ihnen gefällt, statt nehmen zu müssen, was für sie vorausgesucht wurde. "In unseren eigenen Stores können sich Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, Kleiderspenden selbstständig nach ihren Vorstellungen aussuchen und die Sachen auch anprobieren – wie in einem ganz normalen Laden," erklärt Michael Wopperer. In der Großen Elbstraße in Altona, bei Hapag-Lloyd am Ballindamm und in der Hamburger Meile befinden sich die Läden. Pro Quartal und mit Termin können alle, die über einen Nachweis über einen Leistungsbezug verfügen, einmal einen der Stores aufsuchen.

Hanseatic Help Store Hamburger Meile
Susann Bönisch

Spendet oder engagiert euch bei Hanseatic Help

Hanseatic Help ist ein Musterbeispiel dafür, wie sinnvolle Hilfe funktionieren kann. Wenn es Leute gibt, die einfach machen. Auch ihr könnt mithelfen. Entweder, indem ihr Sachen oder Geld spendet. Oder indem ihr euch engagiert."Wir freuen uns über alle, die bei uns mithelfen wollen", bekräftigt Michael Wopperer. Das sei völlig unbürokratisch – und es sei völlig egal, ob jemand nur eine Stunde oder vielleicht sogar einen ganzen Tag erübrigen kann. "Wir möchten den Menschen in Hamburg eine ganz unkomplizierte Möglichkeit bieten, sich für andere zu engagieren." Ihr könnt dabei in einem Bereich arbeiten, der euch liegt: in der Spendenannahme, beim Fundraising, im Lager oder auch in den Hanseatic Help Stores. Im Sommer geht Hanseatic Help außerdem immer auf große Festivals, um dort Schlafsäcke, Isomatten und Zelte zu sammeln. Schaut einfach mal in der Großen Elbstraße vorbei. Von Dienstag bis Samstag ist die Tür hier immer weit offen!

Infos: Hanseatic Help, Große Elbstraße 264, 22767 Hamburg

Ehrenamt in Hamburg: Hier könnt ihr euch engagieren

Es gibt noch weitere schöne Möglichkeiten, wie ihr euch engagieren könnt: Ehrenamt in Hamburg. Oder lest euch einmal diese fünf Tipps, wie ihr in Hamburg Gutes tun könnt.

Unsere Texte, Tipps und Empfehlungen richten sich an alle, die sich für Hamburg interessieren. Deshalb bemühen wir uns um genderneutrale Formulierungen. Nutzen wir die männliche Form, dient dies allein dem Lesefluss. Wir denken aber stets Menschen aller Geschlechter mit.